Nachösterliche Betrachtungen

«Ein Impuls für die ganze Region», Ausgabe vom 29. März

Christian Roth, Moosweg 11, 9470 Buchs
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Der Geist von Jesus war meiner Ansicht nach eine Gegenphilosophie zum Leistungskult (wie wir ihn heute wieder haben): Wert hat nur der Starke, der Erfolgreiche, der Sieger, der Reiche, der Schöne.

Verachtet wird der Schwache, der Verlierer, der Mittellose, der Kranke. Jesus hat die Willkür der Mächtigen, die Falschheit der Religiösen und den Egoismus der Menschen kritisiert. Wegen dieser Kritik wurde er zum politischen Opfer (heute werden diese erschossen). Seine Botschaft war aber nicht das Leiden, sondern die Lebensfreude. Deshalb finde ich es falsch, dass das Symbol des Christentums ein Gekreuzigter ist. Dies vermittelt Grausamkeit und Kampf. Das Gute kann aber nicht mit Gewalt erzeugt werden, sondern nur mit Aufklärung und Einsicht. Sich dafür zu opfern ist sinnlos.

Christian Roth, Moosweg 11, 9470 Buchs

Vom Badesee zum Voralpsee

Zurzeit wird viel geschrieben und diskutiert über zwei Projekte für ein Badevergnügen. Die Emotionen gehen hoch und variieren von «Dorfpfütze» bis «Idyllenmord».

Variante 1, Voralpsee: Ein Badesteg im Voralpsee ist sicher von vielen natürlichen Begebenheiten zu hinterfragen. Einmal ist der See in einem durchschnittlichen Sommer für den «normalen» Schwimmer höchstens während zehn Wochen zu nutzen. Kommt dazu das er bei grosser Trockenheit auf circa einen Viertel der durchschnittlichen Fläche zurück geht. Ob ein Holzsteg stört oder nicht kann man geteilter Meinung sein.

Eine weitere Frage ist sicher das Parkplatzproblem, denn weniger Besucher werden wohl nicht zu erwarten sein. Und wer schon mal an einem schönen Sommertag oben war, weiss von was ich schreibe.

Variante 2, Badesee: So idyllisch das klingt, sind meiner Meinung nach zu viele offene Fragen. Platz allgemein, Seegrösse, Pflege, Parkplätze, und so weiter. Für ein Dorf mit über 7000 Einwohnern, ist dies realistisch?

Variante 3, Hallenbad: Persönlich bin ich der Meinung, die ganze Energie samt Kosten zu bündeln und ein grosszügiges Hallenbad mit Wellnessbereich zu realisieren. Es wird nie die idyllischen Badevergnügen ersetzen können, ist aber dafür ein ganzjähriges. Soweit mir bekannt ist, gehen jetzt Grabser Schüler nach Eschen zum Schwimmen, ansonsten hat es im Winter in unserer Region nebst Buchs weit und breit keine Bademöglichkeit. Und wenn ich mal ins Buchser Hallenbad gehe, wird das «Vergnügen» oft zum «Slalomschwumm».

Es ist wohl jedem bewusst, dass dies keine günstige Lösung ist, aber wer weitsichtig denkt, ist nicht auf die billigste Lösung fixiert. Es ist aber sicher die einzige Lösung, die langfristig gesehen am ehesten selbsttragend werden könnte.

Johannes Vetsch, Höfen 1531, 9472 Grabs

Jufa soll abgelehnt werden

Werter Herr Züllig, die Aussage «Wir können uns das leisten» erscheint mir recht überheblich, oder sind die sieben Millionen Franken Ihr Geld? Nein, es ist das Geld unserer Gemeinde, unserer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, unserer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.

Grundsätzlich bin ich nicht gegen das Projekt eingestellt, aber ich wehre mich dagegen, einem Investor, der ohnehin genug Geld hat, noch sieben Millionen Franken zu schenken. Ausser diesen sieben Millionen Franken müssen wir auch noch Zinsen bezahlen, was insgesamt 7,8 Millionen Franken ausmacht. Dazu kommt die Zurverfügungstellung des Baulandes, dies über einen Zeitraum von 60 Jahren. Die ITW/Jufa bezahlen uns dafür einen lächerlichen Betrag von knapp 7 000 Franken jährlich. Wenn die Gruppe uns stattdessen 70 000 Franken jährlich (sind 4,2 Mio. Franken in 60 Jahren) abliefern würde, sähe die Sache anders auch.

Anlässlich der Informationsveranstaltung vom 27. März wurden pro forma einige Fragen beantwortet, aber es besteht weiterhin grosse Unklarheit über viele finanzielle Aspekte. Wenn die ITW/Jufa derart vom Standort Wildhaus und der Rentabilität des Projektes überzeugt sind, warum finanzieren sie das Bauvorhaben nicht aus eigener Hand?

Ein weiterer Punkt ist, dass erst drei Wochen vor der geplanten Abstimmung «die Katze aus dem Sack» gelassen wird, nach dem Motto «friss oder stirb». Normalerweise, und vor allem wenn es um finanzielle Geschenke dieser Art geht, muss der Bürgerschaft eine angemessene Zeit zur Diskussion und zur Meinungsbildung eingeräumt werden. Mit zwei Informationsveranstaltungen – zwei und eine Woche vor der Abstimmung, wird diese Frist in keiner Weise eingehalten.

Der Gemeinderat wirbt um Vertrauen in die Investoren und den Betreiber. Vertrauen kann nur gewährt werden, wenn die Parteien transparent und offen ihre Beweggründe, Finanzen, Zukunftspläne, Betriebsabrechnungen darlegen. Aufgrund der vielen Unstimmigkeiten und fadenscheinigen Begründungen muss ich das Ganze als einen gut verdeckten Kuhhandel interpretieren. Diese Vorlage soll abgelehnt und an den Gemeinderat zurückgewiesen werden mit dem Auftrag zu Nachverhandlungen. Denn so, wie das Ganze jetzt aufgestellt ist, werden wir als Bürgerinnen und Bürger über kurz oder lang das Nachsehen haben.

Yvonne Zwingli, Egg, 9658 Wildhaus

Nein zur Jufa-Finanzierung

Es ist erfreulich, wenn private Investoren sowie die Hotelkette Jufa Potenzial in unserer Tourismusregion sehen und in der Gemeinde Wildhaus – Alt St. Johann ein Hotelprojekt realisieren wollen. Meiner Meinung nach sollte eine Politische Gemeinde solche Projekte mit geeigneten Rahmenbedingungen für eine reibungslose Realisierung unterstützen. Ein Zeichen dafür ist der ausgehandelte Baurechtsvertrag sowie die Vereinbarung über die Parkplätze, welche meiner Meinung nach gerechtfertigt sind. Den A-fonds-perdu- Beitrag von sieben Millionen Franken aus der öffentlichen Hand sprengt dann aber gewaltig den Rahmen. Die Politische Gemeinde sollte sich nicht derart in die Privatwirtschaft einmischen und einen Drittel des Hotelbaus mit unseren Steuergeldern finanzieren. In unserer Gemeinde gibt es innovative, motivierte Unternehmer, die sich das Kapital für ihre Unternehmung ebenfalls selber in der Privatwirtschaft beschaffen mussten.

Gegenüber all denen ist es nicht gerecht, wenn die Gemeinde dann bei einem ausländischen Investor sofort tief in die Tasche greift. Somit ist diese Hotelfinanzierung zu Lasten des Steuerzahlers nicht nur ein Risiko für den Gemeindehaushalt, sondern auch eine starke Marktverzerrung.

Lukas Huber, Sändliweg 1, 9657 Unterwasser

Jufa: Viele Fragen offen

Da gibt es schon noch einige Fragen: Wer würde kontrollieren, dass die ITW auch wirklich 21 Millionen Franken in Wildhaus investieren und verbauen? Die detaillierte Bauabrechnung müsste zwingend der Jahresrechnung der Gemeinde beigelegt oder öffentlich aufgelegt werden.

Wo würde die Liechtensteiner ITW den 7-Millionen-«Toggenburger Lotto Jackpot» versteuern? Welche Rechtsform hätte das Jufa-Hotel in Wildhaus? Wie viel Miete würde das Jufa Hotel Wildhaus der Liechtensteiner ITW zahlen? Nur so lässt sich errechnen, welchen Gewinn die ITW in Liechtenstein abschöpfen würde. Wo würde die Liechtensteiner ITW die Mieteinnahmen des Jufa-Hotels in Wildhaus versteuern?

Laut dem Gutachten, das die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann bei der Treuhandfirma BDO in Auftrag gegeben hat, ist die Solvenz und die finanzielle Situation weder von Jufa noch von ITW bekannt. Darf man davon ausgehen, dass der Gemeinderat die finanzielle Situation, speziell der ITW, genau kennt und nicht nur «blauäugig» entschieden hat, sieben Millionen zu zahlen. Der gesamte Gemeinderat ist somit in der Pflicht, sollte es zu einem Eklat diesbezüglich kommen.

Die steuerlichen Aspekte sind im Finanzplan der Jufa laut BDO nicht enthalten. Muss man davon ausgehen, dass im Vorfeld Steuerdeals auf kantonaler und/oder Gemeindeebene gemacht wurden oder geplant sind? Und wenn ja: welche?

Der Dienstbarkeitsvertrag mit Mitbenutzungsrecht (für sieben Millionen Franken) ist nicht haltbar, da für die genutzten Leistungen bezahlt werden müsste.

Reka Bern ist nicht gegen das Projekt, weil damit ein Präjudizfall der speziellen Art geschaffen würde. Reka hätte klar auch das Recht, bei zukünftigen Investitionen an die Türe der Gemeinde zu klopfen.

Wohin mit dem vielen Geld? Die Gemeinde kauft das Aktienpaket der Wildhauser Bergbahnen zu einem fairen Preis. Die Gemeinde organisiert im Anschluss zügig die Fusion der Bahnen. Das gäbe eine saubere Basis und würde einen Bruchteil der geplanten Kosten an das Jufa Hotel verursachen.

Sollte die Vorlage scheitern, ist dies einzig und allein der ITW zuzuschreiben, die den «Füfer und s Weggli» will. Ist die Jufa-Gruppe so überzeugt vom Standort Wildhaus und will 30 000 Übernachtungen im Jahr realisieren, sollte sie das Vorhaben selber finanzieren - und alle wären glücklich und zufrieden.

Erwin Neumeyer, Hauptstrasse 155, 9658 Wildhaus