Muss wirklich gespart werden?

Zwei Titel ragen heraus in den Zeitungen vom 22. Oktober, auch im W&O: «Der Bund muss sparen», und zwar in der Entwicklungshilfe! Und: «Notfallkonzept für Flüchtlingsströme».

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Zwei Titel ragen heraus in den Zeitungen vom 22. Oktober, auch im W&O: «Der Bund muss sparen», und zwar in der Entwicklungshilfe! Und: «Notfallkonzept für Flüchtlingsströme».

Tönt doch irgendwie zynisch und widersprüchlich, nicht? Und immer wieder ist die Rede von Flüchtlingsströmen, Flüchtlingswellen. Das klingt extrem bedrohlich, wir haben Angst. Ströme und Wellen überfluten, überrollen. Da helfen auch keine Mauern und Zäune und Grenzkontrollen. Aber, es sind Menschen, Erwachsene, Jugendliche und Kinder, die vor Armut, Krieg und Verfolgung fliehen. Jeder dieser Menschen hat ein Schicksal hinter sich, viele dieser Menschen sind traumatisiert, werden ein Leben lang an dieser Erfahrung tragen müssen, psychisch und physisch.

Jetzt kommt wahrscheinlich der Einwand: «Die müssen halt im eigenen Land Ordnung machen, bessere Führer wählen, die Wirtschaft ankurbeln!» Stimmt! Aber wie denn? Im Moment bleibt ganz vielen Menschen schlicht und einfach nur die Flucht entweder in benachbarte Länder oder nach Europa.

Und wir? Hier in der Schweiz? Wir wollen sie nicht haben, sie sollen weiterziehen, diese Ströme. Aber ihnen in ihren Ländern oder den Nachbarländern helfen, das wollen wir auch nicht oder nicht genug. Obwohl, ich hab es noch in den Ohren, die Aussagen der Politiker: «In den Ländern, wo die Flüchtlinge herkommen, kann man mit dem Geld viel mehr machen als bei uns.» Wo sind jetzt diese Politikerinnen und Politiker? Jetzt nach den Wahlen?

All die Menschen, die unter schlimmsten Umständen in Kriegsländern, in tiefster Armut und in den Flüchtlingslagern ausharren müssen – genau denen müssen wir doch helfen. Und den Flüchtlingen hier bei uns auch. Aber die Hilfswerke erhalten immer weniger Geld, sind immer machtloser. Es muss gespart werden! Bei uns?

Ich weiss, der Zivilschutz, der Grenzdienst und sehr viele Private helfen und setzen sich ein für die flüchtenden Menschen. Aber reicht das?

Ja natürlich, es muss auch an anderen Orten gespart werden, etwa der Bildung, der Forschung, der Kultur. Muss es?

Monika Keller-Müller, Blumenweg 9, 9472 Grabs