Mit Birnel durch den Winter

Das Birnensaftkonzentrat war früher nötig, um finanziell schwache Familien während der kalten Jahreszeit mit genügend Vitaminen zu versorgen. Heute gilt es als eine Delikatesse.

Carmina Wälti
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Birnel besteht ausschliesslich aus Schweizer Mostbirnen und kommt ohne Zusatzstoffe und Konservierungsmittel aus. Dennoch ist es fast unbegrenzt haltbar. (Bild: Heini Schwendener)

Birnel besteht ausschliesslich aus Schweizer Mostbirnen und kommt ohne Zusatzstoffe und Konservierungsmittel aus. Dennoch ist es fast unbegrenzt haltbar. (Bild: Heini Schwendener)

Ob als Brotaufstrich, in Müesli, Konfitüren oder gar in einem Getränk: Birnel ist vielseitig einsetzbar und versüsst jede Speise.

Das Naturprodukt wird ausschliesslich aus Mostbirnen von Schweizer Bauernbetrieben hergestellt, die Früchte sind unbehandelt und ungespritzt. Die Produktion erfolgt seit Jahrzehnten in hochmodernen Anlagen beim Familienbetrieb E. Brunner AG in Steinmaur. Um ein Kilo Birnel herzustellen, benötigt es ganze 10 Kilo Birnen. Die gereinigten Früchte werden gepresst, der Saft wird geklärt, filtriert, entsäuert und schliesslich konzentriert.

Rein natürlich und voller Vitamine

Birnel versorgt den Körper mit wertvollen Vitaminen. Es enthält die Mineralstoffe Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Mangan und ist auch für Diabetiker geeignet. Zudem ist es leicht verdaulich, reguliert den Stoffwechsel und soll auch das Immunsystem stärken. Ursprünglich war Birnel nämlich dafür gedacht, Personen in finanziell bescheidenen Verhältnissen zu unterstützen. Das Produkt sollte sie durch die kalte Jahreszeit mit den gesunden Nährstoffen der Birne versorgen.

Heute kann jeder Birnel kaufen. Vertrieben wird das Naturprodukt seit 1952 durch die Winterhilfe Schweiz. Mit dem Erlös unterstützt die Organisation Menschen in Not mit Naturalleistungen oder der Übernahme dringendster Rechnungen.

In der Region kann Birnel beim Blauen Kreuz über Margrith und Andreas Stupp in Grabs gekauft werden. Überzeugt hat sie der Gedanke, Birnen in etwas Gesünderes als Alkohol zu verarbeiten. Einmal im Jahr nehmen sie Bestellungen auf und leiten diese an die Winterhilfe weiter. Erhältlich sind 1-kg-Dosen sowie 5-kg- oder 12,5-kg-Kessel. Der grösste Teil vom Erlös geht direkt an die Winterhilfe.

Die Dosen sind dann bei der Familie Stupp zu Hause an der Büntlistrasse 14 in Grabs abzuholen. Als sie 1982 mit dem Verkauf von Birnel begannen, hatten sie im ersten Jahr bereits 325 kg verkauft. Der Preis einer 1-kg-Dose lag damals noch bei 4.20 Franken, heute beträgt er 10.60 Franken. «Der Durchschnitt der letzten 35 Jahre liegt bei 750 kg Absatz pro Jahr», erzählt Andreas Stupp. Der Rekord ist 1,6 Tonnen. Insgesamt verkauften sie in den letzten 35 Jahren 260 Tonnen Birnen, also 26 Tonnen Birnel. «Nach dem stetigen Anstieg am Anfang ist die Nachfrage nun rückläufig», sagt Margrith Stupp. Ausserdem kann man Birnel auch bei der Gemeinde Wildhaus-Alt- St. Johann kaufen.

Erhaltung der Feldobstbäume

Birnel ist zudem gut für die Natur. Die Mostbirnen stammen nämlich von Hochstammbäumen, deren Zahl in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückging. Wegen der modernen Landwirtschaft können sie nicht mehr rentabel bewirtschaftet werden, sind aber wichtiger Lebensraum für bedrohte Vogelarten.