Misstrauen bei Import von Bienenvölkern

SALEZ. Der Leiter der kantonalen Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG), Hans Oppliger, betrachtet den Wissensstand rund um den Kleinen Beutenkäfer mit Sorge. «Nur ein Importverbot oder Importverzicht könnte die einheimischen Bienenvölker schützen.»

Adi Lippuner
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Hans Oppliger, Leiter der kantonalen Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Salez, bereitet die Ungewissheit rund um den Kleinen Beutenkäfer Sorge. (Bild: Adi Lippuner)

Hans Oppliger, Leiter der kantonalen Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Salez, bereitet die Ungewissheit rund um den Kleinen Beutenkäfer Sorge. (Bild: Adi Lippuner)

SALEZ. Der Leiter der kantonalen Fachstelle Bienenhaltung am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG), Hans Oppliger, betrachtet den Wissensstand rund um den Kleinen Beutenkäfer mit Sorge. «Nur ein Importverbot oder Importverzicht könnte die einheimischen Bienenvölker schützen.»

Der nur gerade fünf bis sieben Millimeter grosse Käfer bereitet den Imkern gegenwärtig grosse Sorge. Noch ist der Parasit weit entfernt, in Sizilien und Kalabrien aufgetaucht. «Doch durch das Wanderverhalten der Imker aus Deutschland und der gängigen Praxis, Bienenvölker in grosser Zahl aus Italien zu importieren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir direkt mit dem Kleinen Beutenkäfer konfrontiert werden», ist Hans Oppliger überzeugt.

Hans Oppliger sieht den Kleinen Beutenkäfer als reale Bedrohung für die heimische Imkerei. Seiner Ansicht nach könnte nur ein totales Importverbot von Bienen aus dem Risikogebiet die Einschleppung des ursprünglich aus Afrika stammenden Parasiten verhindern. «Doch was tun, wenn Bienenvölker aus Sizilien und Kalabrien während einiger Zeit in Oberitalien zwischenstationiert werden und dann als Herkunft Mailand angegeben wird?» Für den Leiter der kantonalen Fachstelle Bienenhaltung ist deshalb Misstrauen beim Import von Bienenvölkern aus dem Süden angebracht.

Bekämpfung nicht praktikabel

Die vom Bund angedachte Bekämpfung im Seuchenfall ist aus Sicht des Praktikers Hans Oppliger realistischerweise nicht durchführbar. «Bei einem Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer sollten im Umkreis von drei Kilometer sämtliche Bienenvölker umgehend kontrolliert werden. Das ist unmöglich, denn bei uns in der Region gibt es auf einer Fläche von 30 Quadratkilometer Hunderte von Bienenvölkern. Bereits heute sind die Bieneninspektoren mit der Kontrolle wegen Sauerbrutherden gefordert, weitere Aufgaben können von diesen Leuten nicht übernommen werden.»

Zudem setze sich der Kleine Beutenkäfer nicht nur in den Bienenvölkern fest, auch Hummelnester werden befallen. Damit sei bereits erklärt, dass eine flächendeckende Kontrolle ins Reich der Utopie gehöre.

Agieren statt reagieren

Doch was tun, wenn die Bedrohung der heimischen Bienenvölker Realität wird? Das Rezept von Hans Oppliger lautet: «Agieren statt zuwarten und dann reagieren. » Konkret: «Jeder Parasit, jeder Schädling hat natürliche Gegenspieler. Das richtige Vorgehen wäre, sofort Fachleute nach Afrika zu delegieren, welche das Leben und Umfeld des Kleinen Beutenkäfers vor Ort erforschen. Als Beispiel dient ihm das Vorgehen des Insektenforschers Hans Rudolf Herren. Ihm ist es gelungen, in den Achtzigerjahren die Schmierläuse, welche in Afrika das wichtigste Grundnahrungsmittel, den Maniok bedrohten, biologisch mit Schlupfwespen zu bekämpfen.

«Dafür braucht es die Freigabe von Geldern.» Eine solche Investition würde sich langfristig ganz bestimmt auszahlen, denn eine spätere Seuchenbekämpfung ist auch nicht zum Nulltarif zu bekommen», ist Hans Oppliger überzeugt. Komme dazu, dass eine Bekämpfung nur mit äusserst giftigen Insektiziden zu bewerkstelligen ist, die auch alle Bodenlebewesen abtöten würden.

Eine weiteres «Sorgenkind» für den Leiter der kantonalen Fachstelle Bienen ist das Verhalten der deutschen Imker. «Da ist es offenbar Usus, Bienenvölker im Süden von Italien zu überwintern. Das sei die Frage erlaubt, ob durch die Schweiz gefahren wird. Der Transport über mehr als tausend Kilometer ist lukrativer als die Fütterung der Völker während der Wintermonate.»

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