Millionenbetrüger muss nun ins Gefängnis

ST. GALLEN. Ein erstes Urteil in einem der grössten Betrugsprozesse in der Geschichte der St. Galler Justiz ist gefällt.

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ST. GALLEN. Ein erstes Urteil in einem der grössten Betrugsprozesse in der Geschichte der St. Galler Justiz ist gefällt. Der 53jährige Schweizer, der Anfang Juli vor dem Kreisgericht stand, wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung, Urkundenfälschung und weiteren Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt.

Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, akzeptiert der teilweise geständige Hauptangeklagte das Urteil nicht. Sein Verteidiger hatte eine teilbedingte Strafe von höchstens drei Jahren gefordert. Auch die beiden Mitangeklagten – die 16 Jahre ältere Exfreundin des 53-Jährigen und sein ehemaliger Buchhalter – ziehen den Fall vor Kantonsgericht weiter.

Der Anlagebetrug in grossem Stil begann vor 14 Jahren. Der Hauptangeklagte, der bereits in den 1990er-Jahren eine Brokerfirma in den Sand gesetzt hatte, war damals arbeitslos. Mit Hilfe des Geldes seiner damaligen Freundin gründete er eine Aktiengesellschaft namens E-Brokerline.

Schneeballartiges System

Mit dieser Firma zog er von 2001 bis 2009 ein schneeballartiges Betrugssystem auf und betrog 331 Personen um über 30 Millionen Franken. Seine Opfer rekrutierte der selbsternannte Broker in der Seglerszene am Bodensee, in die er dank seiner Lebenspartnerin aufgenommen wurde. Der Angeklagte ging laut Anklage geschickt vor. Vielen Anlegern schüttete er zuerst Gewinne aus, obwohl die Börsengeschäfte nur Verluste einbrachten. Das Geld dafür kam von neuen Kunden, die dem Mann zum Teil Hunderttausende Franken anvertrauten. Laut dem Angeklagten machten es ihm die Anleger leicht.

Geprellte erhalten kaum Geld

Der mitangeklagte Treuhänder, ein heute 64jähriger Buchhalter aus dem Kanton, sagte vor Gericht, einmal habe ein Kunde aus Österreich ihnen einen Plastiksack mit 500 000 Euro übergeben. Statt die Kundengelder an der Börse arbeiten zu lassen, soll der Hauptangeklagte das meiste Geld verwendet haben, um Schulden zurückzuzahlen und seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren. Laut Staatsanwalt kauften er und seine Lebenspartnerin teure Autos, eine Yacht und mehrere Eigentumswohnungen. Die Yacht und zwei Wohnungen werden verkauft. Der Erlös fliesst an die 126 Anleger, die sich an einer Sammelklage gegen die drei Angeklagten beteiligt hatten. Was über diesen Verkaufserlös hinausgeht, können die Geprellten wahrscheinlich abschreiben. (sda)