Messerstecher stellt sich nach der Tat der Polizei – schwere Vorwürfe gegen Behörde

GRABS. Das Positive zuerst: Laut der 44jährigen Anita Gantenbein hat ihr 45jähriger Partner, der am späten Dienstagabend durch einen Messerstich in den Bauch schwerst verletzt worden ist (siehe Titelseite), die erste Nacht im Spital überstanden.

Thomas Schwizer
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Ihr Exmann hat die 44-Jährige auch in ihrem neuen Heim massiv bedroht – bis zur Gewalttat vom Dienstag. (Bild: fm1today/Marco Latzer)

Ihr Exmann hat die 44-Jährige auch in ihrem neuen Heim massiv bedroht – bis zur Gewalttat vom Dienstag. (Bild: fm1today/Marco Latzer)

GRABS. Das Positive zuerst: Laut der 44jährigen Anita Gantenbein hat ihr 45jähriger Partner, der am späten Dienstagabend durch einen Messerstich in den Bauch schwerst verletzt worden ist (siehe Titelseite), die erste Nacht im Spital überstanden. Die Lebensgefahr sei aber leider noch nicht gebannt, sagte sie gestern gegenüber «FM1today».

Der Täter stellt sich der Polizei

Nachdem er zugestochen hatte, verliess der Libanese den Tatort. Etwas beruhigen dürfte sie: Rund eine Stunde später klingelte er bei der Polizeistation Gams und liess sich von einer Patrouille festnehmen. Damit stellt ihr offenbar seit längerem zu Gewalt neigender Ehemann derzeit für sie keine Gefahr dar.

Die Hintergründe der Tat werden derzeit ermittelt. Die Kantonspolizei St. Gallen hatte auf Anfrage festgestellt, der 34jährige Exmann sei bereits vor der Gewalttat «polizeilich bekannt gewesen».

Mehrere Delikte waren bekannt

Was das konkreter bedeutet, machte Anita Gantenbein gestern im Laufe des Tages selbst in einem Schreiben an die Redaktion kund. Wegen zahlreicher Delikte sei er schon bei der von ihr vollzogenen Trennung beim Untersuchungsamt in Gossau bekannt gewesen. Er habe sie nach der Trennung gestalkt, ihr dauernd abgepasst, sie angerufen, «Hausfriedensbruch begangen und vieles mehr», klagt sie. Und er habe sie immer wieder massiv bedroht, später auch ihren neuen Partner.

Viele Strafanzeigen eingereicht

Nachdem sie dann im September zu ihrem Vater nach Grabs gezogen sei, habe ihr Exmann das erfahren. Laufend habe er hier angerufen und sei unerlaubt ins Haus eingedrungen. Er habe gegen ihren neuen Freund und gegen sie selbst gar Gewalt angewendet. Sie, ihren Vater und den neuen Partner habe der Libanese regelrecht terrorisiert, klagt sie. Sie reichte bei der Polizei zahlreiche Strafanzeigen wegen massiver Drohungen ein. Sie könne die wiederkehrenden Gewalt- und Morddrohungen – letztmals am Vortag der Tat – teils mit Tonaufnahmen beweisen. Sie habe zwar ein Haus- und Kontaktverbot erwirken können, sagt sie. Nur hielt ihr Ex es nicht ein.

Staatsanwaltschaft lag falsch

Die Polizei rapportierte die Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Doch die Strafvollzugsbehörden sahen «aufgrund der konkreten Umstände, in denen die Drohungen geäussert wurden, sowie von weiteren äusseren Faktoren keine akute Gefährdung». Das bestätigte Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft, gestern gegenüber «FM1today». Diese Lagebeurteilung erwies sich am Dienstagabend in Grabs leider als falsch – und folgenschwer.

Gestern hat die Staatsanwaltschaft reagiert und gegen den 34jährigen Libanesen ein Strafverfahren wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eröffnet.

«Ich habe immer wieder Anzeigen gemacht»: Anita Gantenbein übt harte Kritik an den Strafverfolgungsbehörden. (Bild: fm1today)

«Ich habe immer wieder Anzeigen gemacht»: Anita Gantenbein übt harte Kritik an den Strafverfolgungsbehörden. (Bild: fm1today)