Messerscharfe Beobachtung

Die Geschichten aus «Loriot neu entdeckt», wie sie in der Alten Mühle präsentiert wurden, sind aus dem Leben geschrieben. Die Satiren von Vicco von Bülow sind nach wie vor beliebt.

Heidy Beyeler
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Liebe im Büro birgt grosse Gefahren in sich; wie Ute Hoffmann und Thomas Hassler hervorragend aufzeigten. (Bild: Heidy Beyeler)

Liebe im Büro birgt grosse Gefahren in sich; wie Ute Hoffmann und Thomas Hassler hervorragend aufzeigten. (Bild: Heidy Beyeler)

GAMS. Sketche von Vicco von Bülow alias Loriot erfahren durch die Taff-Theaterproduktion Bad Ragaz, mit Ute Hoffmann und Thomas Hassler unter der Regie von René Schnoz, eine Wiederbelebung. «Loriot neu entdeckt» ging vor gut vier Monaten auf Tour – im In- und Ausland. Als scharfsichtiger Beobachter ist es Loriot gelungen, Alltagsszenen hin zu völlig absurden Situationen zu verwerten. Er hat es geschafft, Leute, die stets korrekt sein wollen und sich selber ernst nehmen, auf humorvolle Art zu karikieren.

Theater auf engstem Raum

Für Ute Hoffmann und Thomas Hassler dürfte das Gastspiel in Gams eine absolute Herausforderung gewesen sein. Auf der kleinen Bühne haben sie es dank einem Minimum an Requisiten gerade noch geschafft, die räumliche Gestaltung so zu kreieren, dass das Bühnenbild unmittelbar so verändert werden konnte, damit es kohärent zu den einzelnen Sketchen stand.

Aus dem reichhaltigen Vermächtnis von Loriot haben die beiden Schauspieler bekannte, aber auch weniger bekannte Sketche in ihr Programm aufgenommen. «Der persönliche Bunker» beziehungsweise der zweisitzige Kompaktschutzraum – ein Sketch, der von Loriot vor gut 30 Jahren geschrieben wurde, passt heute mehr denn je in unser Weltgeschehen. Der erste Teil des Programms war mehrheitlich Episoden gewidmet, welche die absurden Entwicklungen aus der Wissenschaft aufzeigten – nach dem Motto: alles ist möglich. Bei diesen Szenen gab es kaum ein Aha-Erlebnis aus dem Publikum, weil die Sketche nicht unbedingt das Alltagsleben aufzeigen. Der Zusammenhang zwischen damals – in den Achtzigerjahren – und heute war für etliche Besucher nicht mehr nachvollziehbar.

Querelen im Eheleben

Im Gegensatz dazu waren jene Parodien in der zweiten Hälfte des Programms leichter zu verstehen. Sketche, die auch heute noch jeder kapiert. Peinlichkeiten, die jedem passieren können oder schon passiert sind im gemeinsamen partnerschaftlichen Zusammenleben. Szenen, bei denen sich der eine oder andere Zuschauer entdeckt und Ähnlichkeiten aus dem eigenen Leben und sich selber erkennt.

«Szenen einer Ehe», «Das Frühstücksei» oder «Liebe im Büro» sind typische Szenen von Loriot, die aus dem Alltagsleben einer Ehe gegriffen sind, wenn das Frühstücksei zu lange gekocht wird, der Fernseher kaputt ist oder über Politik gesprochen wird. Ein Zitat zum Buch «Männer und Frauen passen nicht zusammen» beschreibt die Situationen perfekt: «Was morgens mit Problemen bei der Zubereitung des Frühstückseis beginnt, endet am Abend häufig dramatisch, weil die Auffassungen darüber abweichen, wie man den Feierabend verbringen kann und wann der Fernseher einen ins Bett schickt.» – «Was machst du gerade?» – «Nichts!» kann bereits der Anfang einer Ehekrise sein. Wenn der Partner dann auch noch sagt, «ich sitze hier, weil es mir Spass macht!», kann dieser Dialog schon mal zu einer Eskalation führen, wie dies von Ute Hoffmann und Thomas Hassler nicht besser hätte dargestellt werden können.

Das Publikum in der Alten Mühle zeigte sich angetan von den Darbietungen – besonders der zweite Teil fand guten Eingang bei Zuschauern, die Loriots Satire noch nicht kannten.

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