MELS/SARGANS: Mutmasslicher Brandstifter steht vor Schuldenberg

Der 35-Jährige, der beschuldigt wird, 2016 in Sargans sieben Brände gelegt und versucht zu haben, seine Versicherung zu betrügen, hat am Donnerstag vor Gericht seine Unschuld beteuert. Das Urteil steht noch aus.

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In seiner Befragung vermittelte der Deutsche vor dem Kreis­gericht Werdenberg-Sarganserland den Eindruck eines chaotischen Traumtänzers, der auf seinem Schlingerkurs durchs Leben nichts wirklich auf die Reihe kriegt. Die Gerichtspräsidentin erhielt kaum präzise Antworten. Häufig sagte der Beschuldigte, er wisse dies oder das nicht oder könne sich nicht erinnern.

Der gelernte Schreiner hatte sich nach jahrelangen Temporärjobs mit einer kleinen Werkstatt selbstständig gemacht. Die Aufträge harzten aber, von Geschäftsführung verstand er nichts. Er war denn auch ständig pleite. Dennoch ging er häufig aus und liess sich per Taxi chauffieren. Zudem schaffte er immer wieder Geräte für die Schreinerei an – alles auf Pump. Mittlerweile steht er vor einem Schuldenberg, genaue Zahlen konnte er nicht nennen. Für den Unterhalt von Frau und Tochter in der Schweiz sowie für zwei weitere Kinder in Deutschland kann er nicht aufkommen. Den privaten Anwalt zahlt er mit Darlehen eines Bekannten. Es sei tatsächlich «eine Menge Geld, das ich schulde», räumte er vor Gericht ein. Dazu soll noch mehr kommen: Der Staatsanwalt fordert, dem Beschuldigten die Staatsanwaltskosten von mehr als 50 000 Franken aufzuerlegen. Und die Gebäudeversicherung macht 130 000 Franken geltend.

Für die Verteidigung reichen die Indizien nicht aus

Demgegenüber steht die Forderung des Verteidigers nach einer Genugtuung von 71 000 Franken für seinen Mandanten, der seit bald einem Jahr «ungesetzlich» in Haft sitze. Er hat bereits den vorzeitigen Strafvollzug ange­treten. Der Anwalt plädierte auf vollumfänglichen Freispruch mangels Beweisen. Es gebe nur Indizien, aber diese belegten die Täterschaft seines Mandanten nicht zweifelsfrei. Es gelte das Prinzip «Im Zweifel für den Angeklagten». Es sei seine Aufgabe, Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten zu säen, sagte der Verteidiger fast entschuldigend. In allen Fällen sei nicht auszuschliessen, dass jemand anders die Brände gelegt haben könnte.

Der Beschuldigte weist jede Schuld von sich. Das Gericht kann sich nur auf Indizien stützen. Auffällig ist, dass der Mann sich stets in zeitlicher und räumlicher Nähe befunden hatte, wenn wieder ein Feuer ausbrach. In einem Fall führte ein Spürhund der Polizei die Ermittler auf direktem Weg vom Brandplatz zum Haus des Beschuldigten. Unmittelbar nach dem letzten Brand wurde er festgenommen – die Polizei hatte ihn überwacht.

Staatsanwaltschaft: Rasches Geld als Motiv

In der Absicht, ohne Arbeit rasch an Geld zu kommen, sieht der ­Ankläger das «niederträchtige Motiv» des Beschuldigten. Nach den beiden ersten Bränden in der Werkstatt legte er seiner Versicherung eine Schadensmeldung über rund 167 000 Franken vor – laut Anklage ein versuchter Betrug. Erhalten hat er bisher nichts.

Die übrigen fünf Feuer – drei auf dem Gelände, wo unter anderem der Schreiner seine Werkstatt hatte sowie in einem Unterstand und einem Schuppen – seien klare «Ablenkungsbrände» gewesen, sagte der Staatsanwalt. Er fordert zehn Jahre Freiheits­entzug sowie eine anschliessende Landesverweisung von zehn Jahren wegen mehrfacher Brandstiftung und versuchten Betrugs. Der Beschuldigte habe mit direktem Vorsatz gehandelt und eine hohe kriminelle Energie an den Tag ­gelegt. Strafmindernd wirke sein «nicht einfacher Start ins Leben», wo er in einer zerrütteten Familie und in Heimen aufwuchs.

Das beantragte Strafmass ­bezeichnete der Verteidiger als «exorbitant». Falls das Gericht zu einem Schuldspruch gelänge, so wären maximal fünf Jahre ­angemessen. Auch eine Landesverweisung von zehn Jahren sei für den Mann, der hier verhei­ratet ist, zu viel. Falls eine Landesverweisung unumgänglich wäre, sollte sie nicht mehr als fünf Jahre dauern.

Das Urteil wird kommende Woche eröffnet. (sda)