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MELS/SARGANS: Brandstifter ins Gefängnis – obwohl Beweise fehlen

Ein 35-Jähriger soll für sechs Jahre in Haft. Das Gericht hält es für erwiesen, dass er Brände legte.
Dieser Schuppen in Sargans brannte 2016 zweimal – erstmals im August, das zweite Mal im November. (Bild: Kapo SG (8.11.2016))

Dieser Schuppen in Sargans brannte 2016 zweimal – erstmals im August, das zweite Mal im November. (Bild: Kapo SG (8.11.2016))

Die Anklage hatte dem niedergelassenen deutschen Handwerker vorgeworfen, im Herbst 2016 insgesamt sieben Feuer gelegt zu haben, vornehmlich in älteren Gebäuden nördlich des Sarganser Bahnhofs. Unter der Bevölkerung hatte die gespenstische Serie Angst und Schrecken verbreitet, nicht zuletzt, weil die Feuer immer wieder in einem eng umgrenzten Gebiet loderten. Zudem habe der 35-Jährige in einem Fall versucht, sich finanziell zu bereichern, so die Anklage weiter. Nachdem seine eigene Werkstatt abgebrannt war, wollte er von der Versicherung 166000 Franken Schadenersatz erschleichen. Unmittelbar nach dem siebten Brand konnte er als dringend tatverdächtig festgenommen werden und sitzt seitdem in Haft. Die Serie brach damit ab. Er hat die Vorwürfe aber immer bestritten (der W&O berichtete am Freitag).

Keine DNA-Spuren, keine Augenzeugen

Doch alles Leugnen hat nichts genützt. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland gelangte in einem aufwendigen Indizienprozess jetzt zum Schuldspruch. Dies, obschon an den Brandstätten keine DNA-Spuren des Täters gefunden worden waren. Es liessen sich auch keine Hinweise auf Brandbeschleuniger entdecken und Augenzeugen fehlten ebenfalls durchwegs. Trotzdem muss der Mann sechs Jahre in Haft und erhält sieben Jahre Landesverweis. Damit folgte das Gericht den Kernargumenten der Anklage. Es blieb jedoch im Strafmass unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten zehn Jahren Freiheitsentzug plus zehn Jahren Landesverweis. Dies nach einer eigenständigen Würdigung des gesamten Falles unter dem Einbezug der Lebensumstände des Täters, wie es hiess. Man habe dabei auch Urteile in vergleichbaren Fällen beachtet. Zudem sei ein psychiatrisches Gutachten zu berücksichtigen gewesen.

In seiner Begründung betonte das Gericht, dass die Indizienkette auch mittels Überwachung und Hausdurchsuchung dicht und überzeugend sei. Angesichts des Gesamtbildes gäbe es nurmehr eine theoretische Option, dass der Beschuldigte nicht der Täter sei. Eine solche «rein theoretische und weit entfernte Möglichkeit» genüge nicht für einen Freispruch, hiess es sinngemäss. Daher findet der Grundsatz «in dubio pro reo», also im Zweifel für den Angeklagten, keine Anwendung. Dahingehend hatte zuvor die Verteidigung an Schranken mit Nachdruck plädiert. Es gäbe wohl Indizien, aber eben keine Beweise. Sie hatte darum nebst einem Freispruch auch 71000 Franken Genugtuung für die «ungerechtfertigte Haft» gefordert. «Nun wollen wir die ausführliche Begründung für diesen Entscheid sehen», kündigte der Anwalt in einer ersten Reaktion auf das Urteil an. Die bisher gelieferte kurze Begründung reiche sicher nicht aus, erklärte er. Sein Mandant zeige sich enttäuscht und bleibe bei seinen Unschuldsbeteuerungen. Eine mögliche Berufung sei nach dem Vorliegen der ausführlichen Begründung ernsthaft zu prüfen, hiess es.

Bei den Bränden war hoher Sachschaden entstanden, der naturgemäss zu offenen Rechnungen geführt hat. So fordern sieben Privatkläger Schadensersatz in Höhe von zusammen knapp einer halben Million Franken vom Brandstifter. Allein die Gebäudeversicherung des Kantons macht mehr als 132000 Franken geltend. Alle Forderungen verwies das Gericht auf den Weg des Zivilprozesses. Beim Verurteilten bleiben zudem die Verfahrenskosten hängen. Wegen des Schuldspruchs hat er sie vollumfänglich zu übernehmen. 67400 Franken schlagen dafür zu Buche. (rm)

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