MELS/BUCHS: Streit wegen Handy endet fast mit Drama

Vor dem Kreisgericht hat sich heute ein Mann aus Eritrea zu verantworten. Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, er habe einen Kollegen vorsätzlich töten wollen.

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Auslöser für den schweren Vorfall in einer regionalen Asylunterkunft war offenbar eine blosse Vermutung. Denn der jetzt Angeklagte argwöhnte, einer seiner Mitbewohner, das spätere Opfer, habe telefonisch und mittels sozialer Medien Kontakt zu seiner, des Beschuldigten, Freundin aufgenommen. Darüber war es schon zwei Tage vor der Tat zu einem Streit gekommen. Dieser konnte aber offenbar durch eine gemeinsame Aussprache zunächst beigelegt werden. Auch die besagte Freundin verneinte mögliche Kontakte.

Dies teilte der Angeklagte, unter entschuldigenden Worten, dem späteren Opfer auch kurz vor der Tat nochmals mit, offenbar ruhig und ohne jede grössere Erregung. Die Angelegenheit schien somit bereinigt. Umso überraschender trat der Mann kurz darauf wieder ins Zimmer des Opfers und forderte es plötzlich ultimativ auf, Handy und Sperrcode rauszurücken. Er wolle überprüfen, ob die Kontaktdaten wirklich ­gelöscht seien, forderte er laut Anklage. Als das Opfer sich aber weigerte, habe der Angeklagte zugeschlagen, zunächst mit dem Ellbogen ins Gesicht und aufs Ohr, schliesslich weiter ins Gesicht, bis das Opfer zu Boden ging, so die Anklageschrift.

Erstickungsversuch ­unternommen?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe sodann ein Kopfkissen genommen und es dem auf dem Boden Liegenden ins Gesicht gedrückt, um ihn zu ersticken. Das hat der Mann bisher bestritten. Er besteht vielmehr darauf, er habe dem Opfer nur seinen linken Fuss auf den Hals gesetzt und sein Gewicht dann auf eben diesen Fuss verlagert. Ob so oder so – Tat­sache sei, so die Anklage weiter, dass dem Opfer die Luftzufuhr abgeschnitten wurde und es wegen des Sauerstoffmangels bewusstlos wurde.

Knast und Landesverweis beantragt

Erst als das Opfer nach dem Erstickungsversuch in Ohnmacht gefallen und nicht mehr ansprechbar war, riefen Mitbewohner eine Nachbarin um Hilfe, die schliesslich ihrerseits die Notrufzentrale alarmierte. Rettungskräfte fanden den Mann immer noch ohne Bewusstsein und nur flach atmend vor. Erst im Spital kam er wieder zu sich. Es dauerte dann zwei weitere Tage, bis er erstmals von der Polizei vernommen werden konnte. Durch den Erstickungsversuch habe der Beschuldigte sein Opfer in Lebensgefahr gebracht, betont die Anklage. Darum sei er der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig zu sprechen. Sie fordert dafür viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Damit bleibt sie nur knapp unter dem Mindestmass von fünf Jahren, das für eine tatsächlich vollzogene Tötung auszusprechen wäre. Auch im Blick auf den obligatorischen Landesverweis geht sie deutlich über das gesetzliche Minimum von fünf Jahren hinaus und fordert stattdessen 15 Jahre. Der bisher als vorläufig aufgenommen (F-Ausweis) geltende ehemalige Asylbewerber dürfte damit dann seine Zukunft in der Schweiz verspielt haben. Das Urteil wird für heute erwartet.

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch