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MELS/BUCHS: Eine Dame gnadenlos ausgeraubt

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland schickt einen brutalen Räuber und vielfachen Dieb in den Knast. Dieser hat mindestens acht Einbrüche verübt. Bei einem Millionenraub ging er besonders skrupellos vor.
Reinhold Meier

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch

Seit dem Juli 2013 hatte sich der damals 35-jährige Mann Objekte zwischen Flums, Trübbach und Goldach ausgesucht. Dabei fielen ihm binnen eines dreiviertel Jahres Bargeld und Wertsachen von über 80000 Franken in die Hände. Seinen Höhepunkt erreichte der Beutezug mit dem Einbruch in eine beschauliche Villa im Kurort Bad Ragaz.

Nach Einbruch der Dunkelheit schnitt der Angeklagte mit einem Kumpan zunächst ein Loch in den Zaun der Liegenschaft und wartete, bis das Opfer, eine damals 61-jährige Dame mit Verbindungen in englische Adelskreise, mit ihren Hunden zum Abendspaziergang aus dem Gebäude trat. Alsbald schlichen sich die Räuber in ebendieses Haus. Als die Bewohnerin zurückkam, schlugen ihre Hunde an und sie sah sich, zu Tode erschreckt, zwei Maskierten gegenüber.

Eine richtiggehende Kaskade der Verzweiflung

So begann ein Albtraum für die Frau. Der Komplize zog sie ins Obergeschoss, der Haupttäter durchsuchte derweil alle Schubladen, warf den Inhalt auf den Boden und verlangte immer wieder Geld. Schliesslich gab das Opfer an, in seiner Handtasche 700 Franken zu haben. Der Räuber nahm sie, wollte aber mehr. In ihrer Angst verwies die Frau sodann auf die Schreibtischschublade. Der Ganove fand darin 25 000 Franken und eine Geldbörse mit weiteren 4000 Franken. Immer noch nicht genug. Da fiel ihm ein Etui mit drei Schlüsseln in die Hand.

Die Idee, einer davon könne ein Tresorschlüssel sein, traf ins Schwarze. Die Frau gab in ihrer Verzweiflung zuerst an, jener befinde sich am Wohnort ihrer Mutter. Keine Chance. Der Räuber holte ein Messer aus der Küche und ging auf das Opfer zu. Da zeigte die verängstigte Frau in ihrer Not auf den versteckten Safe, den sie schliesslich auch noch selbst öffnen musste. Dann fesselten die beiden Maskenmänner ihr Opfer an Füssen und an Händen, raubten den Tresor aus, liessen die Frau hilflos zurück und verschwanden mit einer Beute im Wert von 1,13 Millionen Franken.

Hat er aus der Not heraus gehandelt?

Vor Gericht machte der Angeklagte geltend, er habe in sei- nem Heimatland Kroatien Schulden gehabt und sei arbeitslos ­gewesen. Darum habe er sich Geld leihen müssen, sei mit Zurückzahlen in Rückstand gera- ten und schliesslich von seinen Gläubigern bedroht worden. Da erschien ihm eine Einbruchreise in die Schweiz als Ausweg. Der Cousin des Gläubigers habe ihn auf die betuchte Dame aufmerksam gemacht und ihm zugesagt, er würde sich «um sie kümmern». Er könne sich also ganz auf den Einbruch konzentrie- ren.

Wie dieser angebliche Cousin heisst und wie die weiteren Komplizen, das behielt der Angeklagte auch an Schranken für sich. Er hinterliess zwar einen leidenden Eindruck, der jedoch nicht frei von einer gewissen Theatralik schien. Sein Verteidiger wollte es denn auch mit drei Jahren und vier Monaten Haft bewenden lassen. Er verwies auf die finanzielle Notlage seines Mandanten. Der Staatsanwalt hingegen plädierte auf acht Jahre Gefängnis für den «Berufsverbrecher», der nur scheibchenweise zugegeben hatte, was man ihm definitiv nachweisen konnte.

Das Gericht schloss sich diesem Antrag im Wesentlichen an und erkannte ihn für schuldig des qualifizierten Raubes sowie des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls. Dafür verhängte es sechseinhalb Jahre Haft. Der Mann hat zudem Zivilforderungen von über 20 000 Franken und Verfahrenskosten in der Höhe von über 52 000 Franken zu zahlen. Das Opfer des Raubüberfalls hat sich nicht am Prozess beteiligt. So bleibt sein Millionenverlust in materieller Hinsicht ungesühnt. Dies mag damit zusammenhängen, dass die Frau aus betont christlicher Nächstenliebe heraus wohltätig ist und eine Stiftung leitet, die Bedürftigen diskret Hilfe zukommen lässt.

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