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MELS: Pferdehalterin muss antraben

Die Geliebte des Tierquälers von Hefenhofen hätte sich vor dem Gericht verantworten müssen, wegen mehrfacher vorsätzlicher Tierquälerei. Doch die Beschuldigte ist krank.
Reinhold Meier

Der Fall eines Pferdehalters, der in Hefenhofen 93 Pferde unter offensichtlich tierquälerischen Umständen gehalten hat, hat im vergangenen August für landesweite Schlagzeilen gesorgt. Im Zuge der weitreichenden Ermittlungen zeichneten sich schon bald auch Verbindungen nach Mels und auf die Bündner Alp Dürrboden ab. An beiden Orten sollen Pferde des Tierquälers eingestellt worden sein, der bereits 2011 einschlägig verurteilt worden war. Im Falle von Mels lag das für die Beschuldigten offenbar auch deshalb nahe, weil es sich bei der hiesigen Pferdehalterin nach Medienrecherchen um die Freundin des mutmasslichen Haupttäters handelt.

Die 33-jährige Frau hatte oberhalb des Dorfes einen Pferdehof geführt und therapeutisches Reiten angeboten. Nun muss sie sich den Vorwurf der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei gefallen lassen. Die Anklage wirft ihr namentlich vor, dass sie während eines halben Jahres fünf der neun Pferde ungenügend ernährt habe. Dies belege eine Untersuchung des kantonalen Amtes für Veterinärwesen. Dabei wurde ein Gewichts-Index zugrunde gelegt, der von «0» bis «5» reicht, wobei «3» den gesunden Mittelwert eines korrekt ernährten Tieres bildet.

Mist, Enge und Nässe

Bei den amtlichen Untersuchungen wiesen jedoch drei Tiere einen Gewichtswert von nur «1» auf, zwei weitere sogar von bloss «0», was als «ausgeprägte Unterernährung» bei sich abzeichnenden Knochen zu verstehen ist. Die Tiere erschienen abgemagert und ungepflegt, wie der als Privatkläger fungierende Kantonstierarzt laut Anklageschrift festhält. Damit habe die Halterin nicht nur gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch gegen mehrere Paragrafen der Tierschutzverordnung verstossen. Der besagte Augenschein wurde im Februar 2016 durchgeführt, also lange bevor der Fall Hefenhofen öffentlich wurde. Ferner wird der Frau vorgeworfen, dass sie nicht für die nötigen Raumverhältnisse gesorgt habe. So habe sie die neun Pferde in lediglich sechs Boxen gepfercht, sodass der von Gesetzes wegen geforderte persönliche Liegeplatz pro Tier nicht zur Verfügung stand.

Hinzu komme, dass sechs der Pferde auf einer zehn Zentimeter hohen, nassen Mist-Stroh-Schicht gelegen hätten, statt auf einer sauberen und trockenen, wie es vorgeschrieben ist. Entsprechend verfügten die Tiere über nasse Fellstellen. Verdächtig erschien ferner, dass offenbar unmittelbar vor der Kontrolle, der nasse Mist bloss kosmetisch mit frischem Stroh abgedeckt worden war.

Bedingte Geldstrafe gefordert

Zuletzt hat sich die Frau auch dafür zu verantworten, dass die Boxengrösse nicht ausreichend bemessen war. So traf die Behörde drei Ponys in einer Gruppenbox an, die so eng konstruiert war, dass die Tiere weder eine Ausweich- noch eine Rückzugsmöglichkeit hatten. Ähnlich war es in einer zweiten Gruppenbox, die zwei weiteren Pferden keinen Rückzugsraum boten. Es kam hinzu, dass die Frau während mindestens drei Monaten nicht über den notwendigen Sachkundeausweis verfügte, der zur Pferdehaltung vorgeschrieben ist. Sie hatte offenbar auch keine fachliche Ausbildung besucht.

Das kantonale Untersuchungsamt fordert nun neben dem Schuldspruch eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 40 Franken, bedingt auf zwei Jahre. Ferner sei von ihr eine Busse über 400 Franken zu zahlen sowie die Kosten des Verfahrens. Nachdem die Beschuldigte einen Urteilsvorschlag im August 2017 abgewiesen hatte, wurde alsbald Anklage erhoben. Die auf den Montag angesetzte Verhandlung musste nun aber ausfallen, weil sich die Angeklagte mit Verweis auf ein Arztzeugnis hat dispensieren lassen.

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch

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