Meinungen gehen auseinander

Die Gemeinde Sennwald will keine Probezeit mehr in der Sekundarschule. Damit ist sie zwar nicht alleine, doch eine knappe Mehrheit in der Region Werdenberg und Obertoggenburg führt die Probezeit weiter. Jedenfalls vorerst.

Alexandra Gächter
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In der Probezeit werden mehr Prüfungen geschrieben als in der regulären Schulzeit. Das führt zu mehr Stress. Da die Zuteilungen in die Sekundarschulen sehr zuverlässig seien, verzichten einige Schulgemeinden im Werdenberg auf die Probezeit. (Bild: Urs Bucher)

In der Probezeit werden mehr Prüfungen geschrieben als in der regulären Schulzeit. Das führt zu mehr Stress. Da die Zuteilungen in die Sekundarschulen sehr zuverlässig seien, verzichten einige Schulgemeinden im Werdenberg auf die Probezeit. (Bild: Urs Bucher)

REGION. Die Buchser, Gamser und bald auch die Sennwalder Schüler müssen in der Sekundarschule keine Probezeit mehr bestehen. Damit werde Stress gemieden und ein ganzheitlicher Unterricht gefördert (siehe Titelseite).

Die Gemeinde Gams hat die Probezeit bereits im Jahre 1996 abgeschafft, also in demselben Jahr, in dem auch die Aufnahmeprüfung für die Sekundarschule abgeschafft wurde, sagt Schulleiter Martin Derungs. Erfahrungsgemäss hätten in der ersten Sekundarschule keine oder allenfalls ein bis zwei Sekundarschüler pro Klasse Mühe, die erforderlichen Leistungen zu erbringen. Im Einzelfall könne auch während des Schuljahres ein Wechsel in die Realschule erfolgen. Dazu bedürfe es aber der Zustimmung aller Beteiligten, insbesondere der Eltern, sagt Martin Derungs weiter.

Nur Buchs hat Niveaustufen

Die Stadt Buchs hat die Probezeit vor wenigen Jahren abgeschafft und gleichzeitig Niveaustufen in den Fächern Mathematik und Englisch eingeführt. Somit ist Buchs der einzige Ort im Werdenberg mit Niveaustufen. «Beim Niveauunterricht ist es gar nicht möglich, eine Probezeit zu führen», sagt Schulleiter Werner Koller. Die Probezeit sei zudem etwas Künstliches. «Es ergibt mehr Sinn, eine Bilanz auf Ende eines Semesters zu ziehen. Die Beurteilung ist dann aussagekräftiger und fairer», sagt Koller.

Umteilungen von der Sekundar- zur Realschule würden darum grundsätzlich am Ende des Semesters durchgeführt. «Im Notfall ist es aber auch bei uns möglich, dass Schüler ausserordentlich umgeteilt werden», sagt Koller. «Da niemand gerne ungenügend ist, handeln wir frühzeitig. Auch bei unterforderten Realschülern können ausserordentliche Wechsel in die Sekundarschule unter dem Semester erfolgen», so Koller.

Homogene Klasse bleibt Traum

Die Gemeinden, welche in der Sekundarschule noch eine Probezeit durchführen, sind im Werdenberg knapp in der Mehrzahl. Neben Grabs, Sevelen und Wartau durchlaufen auch die Obertoggenburger Schüler eine Probezeit.

«Nach der Probezeit bleibt noch genügend Zeit, sich allenfalls in der Realklasse einzuleben und sich für einen erneuten Übertritt in die 1. Sek vorzubereiten», sagt Schulleiterin Ursula Schweizer. Niveaustufen führt die Nesslauer Oberstufe, in welche auch die Wildhauser und Alt St. Johanner gehen, nicht. «Wir sind überzeugt, dass das Kind am besten in der eigenen Klasse aufgehoben ist.» Der Traum, homogene Klassen zu bilden, bleibt ein Traum, auch mit Niveauunterricht, sagt Schweizer.

Im Zweifelsfall in die Sek

Die Oberstufe Sevelen, welche ebenfalls noch eine Probezeit durchführt, hat nicht vor, diese abzuschaffen, schreibt Schulleiter Rudolf Küng. Die Probezeit sei eine Chance für diejenigen Kinder, die eine unsichere Leistung erbringen. «Im Zweifelsfall werden sie in die Sek geschickt, und dann zeigt sich in der Probezeit, ob sie auf die neue Umgebung eher mit besseren oder mit schlechteren Leistungen reagieren», so Küng. Sevelen habe sich gegen die Niveaustufen entschieden, damit die Klasse häufiger vollständig zusammen sei und sich dadurch einen engeren Draht unter den Schülern ergeben könne. Das Hauptanliegen der Niveauklassen strebe Sevelen auf einem anderen Weg an: «Mit kleineren Klassenbeständen können wir während des Unterrichts gut auf individuelle Bedürfnisse eingehen», schreibt Küng.

Bis zum Jahr 2017/2018

Diego Forrer, Schulrat in Grabs, argumentiert ähnlich: «Die Probezeit ist eine kleine Entlastung für die Mittelstufenlehrer. Im Zweifelsfall werde der Schüler in die Sek geschickt.» Ob die Probezeit in Grabs auch noch nach der Einführung des Lehrplans 21, im Jahre 2017/2018, besteht, ist allerdings fraglich. Auch Diego Forrer sagte, dass die Probezeit den Nachteil habe, das Kind künstlich unter Druck zu setzen.

Aufwand nicht unterschätzen

Die Schulgemeinde Wartau hält ebenfalls an der Probezeit fest. «Inhaltlich gibt es vernünftige Gründe, welche dafür und auch dagegen sprechen», sagt Schulleiter Beat Wicki. Die Abschaffung der Probezeit würde durch die Änderung diverser Reglemente einen nicht zu unterschätzenden Aufwand mit sich bringen. «Da wir mit der Einführung des Lehrplans 21 und der Einheitsgemeinde bereits mit Anpassungen von Schulordnung und Reglementen rechnen, wird die Probezeit vorläufig weitergeführt», so Wicki.

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