Mehr Luchse als erwartet

Ein Fotofallen-Monitoring bestätigt: Das Wiederansiedlungsprojekt für Luchse in der Nordostschweiz ist ein Erfolg. 23 Luchse wurden nachgewiesen, deutlich mehr als 2011/12.

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Ein Luchs gerät in eine Fotofalle, die neben einem von ihm gerissenen Reh aufgebaut wurde. (Bild: pd)

Ein Luchs gerät in eine Fotofalle, die neben einem von ihm gerissenen Reh aufgebaut wurde. (Bild: pd)

REGION. Im Rahmen des Projektes Luno wurden zwischen 2001 und 2008 zwölf Luchse in die Nordostschweiz umgesiedelt. Dies, um die Ausbreitung des Luchses im Alpenraum zu fördern. «Das 15 Jahre dauernde Projekt entwickelt sich zu einer Erfolgsgeschichte für die Wiederansiedlung von ausgerotteten Wildtieren», wie das St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei am Mittwoch mitteilte.

15 Luchse und drei Jungtiere

Die Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) hat im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt und zusammen mit den Jagdverwaltungen der Kantone St. Gallen, Thurgau, Zürich und beider Appenzell an 54 Standorten in der Nordostschweiz ein Fotofallenmonitoring durchgeführt. Dieses Monitoring fand im Zeitraum von Dezember 2014 bis Februar 2015 statt. Dabei wurden 15 Luchse und drei Jungtiere erwischt. Die St. Galler Jagdgesellschaften wiesen im vergangenen Jahr ausserdem fünf weitere Jungtiere nach.

Gute Lebensbedingungen

Mit einer Dichte von 2,17 selbständigen Luchsen pro 100 Quadratkilometer sei die Dichte in der Nordostschweiz stark gestiegen und liege im schweizerischen Durchschnitt, heisst es in der Mitteilung weiter. 2011 zählten die Forscher auf derselben Fläche lediglich 1,36 Tiere. Offenbar seien die Lebensbedingungen für Luchse, die als Einzelgänger in permanenten Territorien leben, in der Nordostschweiz gut. «Als das Projekt Luno vor 13 Jahren startete, hat man eine weit tiefere Dichte erwartet», sagte Dominik Thiel, Leiter des St. Galler Amtes für Natur, Jagd und Fischerei.

Keine Gefahr für Schafe

Bei der Berechnung der Dichte werden nur erwachsene Tiere gezählt, weil Jungtiere oft sterben oder in andere Gebiete abwandern. Ein erwachsener Luchs frisst pro Jahr 50 bis 60 Paarhufer. «Offenbar gibt es in den Wäldern ein derart gutes Nahrungsangebot, dass sich die Raubtiere nicht in die Quere kommen», sagte Dominik Thiel.

Anders als Wölfe seien Luchse für weidende Schafe keine Gefahr. Es gebe äusserst selten Angriffe auf Nutztiere.

Der Luchs möge nämlich kein Schaffleisch, sondern bevorzuge Rehe und Gemsen. Eher selten rissen die schwarz gefleckten Grosskatzen auch Hasen oder Füchse.

Der Luchs starb in der Schweiz während des 19. Jahrhunderts aus. Die letzte historische Beobachtung erfolgte 1904. Vor gut 40 Jahren wurde der Luchs in der Schweiz wieder angesiedelt. Seither konnte sich laut Kora eine stabile Population etablieren.

Luchse bleiben bedrohte Art

Der Lebensraum in der Nordostschweiz behage den schwarz gefleckten Katzen mit Ohrpinseln, schreibt das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei in der Mitteilung weiter. Beute habe es genug. Dennoch gelte die Art heute noch «zu Recht als bedroht». Für die Erhaltung der Luchse im Alpenraum trage die Schweiz eine ganz spezielle Verantwortung. (jar/sda)

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