Mehr Flüchtlinge als geplant

Von Januar bis August 2015 sollten laut der Koordinationsstelle der St. Galler Gemeinden für das Asyl- und Flüchtlingswesen (Komi) 40 Personen in Werdenberg aufgenommen werden. Komi aktualisierte diese Angaben auf 221.

Melanie Steiger
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Jede Woche treffen in Buchs um die 200 Flüchtlinge mit dem Zug ein und werden ans Asylzentrum Altstätten weitergeleitet. (Bild: Urs Bucher)

Jede Woche treffen in Buchs um die 200 Flüchtlinge mit dem Zug ein und werden ans Asylzentrum Altstätten weitergeleitet. (Bild: Urs Bucher)

REGION. «Wir sind darüber besorgt, dass der Zustrom an Flüchtlingen grösser ist als geplant und der Wohnraum immer knapper wird», so Beat Tinner, Präsident der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten – VSGP. Die Gemeinden im Werdenberg nehmen Asylsuchende, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Schweiz bleiben, direkt von den Eidgenössischen Empfangszentren auf und integrieren diese Personen beruflich und sprachlich. Die Behörden in Werdenberg stellen alte Wohnungen und Häuser mit einer Grundausstattung den Asylbewerbern zur Verfügung. In Seeben und Mels stehen Gruppenzentren für die Menschen bereit.

Ausgelastete Gemeinden

Buchs, Sennwald, Sargans, Quarten und Pfäfers haben bereits mehr Flüchtlinge aufgenommen, als sie überhaupt Kontingente zugeteilt erhielten. Am meisten ausgelastet ist Quarten, gefolgt von Buchs. Da sich aber der Status der Asylsuchenden je nach Aufenthaltsgenehmigung ändert, fallen sie aus der Statistik. «Daher sind die Gemeinden sehr bemüht, die Familien schnell zu integrieren und die Menschen zur Selbständigkeit zu führen, damit die Räume wieder frei werden», erklärt Beat Tinner. Zusätzlich seien die Gemeinden immer darum bemüht, genügend Wohnräume bereitstellen zu können, falls die Anzahl der Kontingente vom Kanton erhöht werden.

Alleinreisende Minderjährige sind derzeit in Oberbüren im Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende untergebracht. Sie werden aber nicht direkt in ein Heim oder an eine Pflegefamilie vermittelt, sondern einem Integrationsprogramm unterzogen, damit sie eine Perspektive haben.

Reibungslose Integration

Die Gemeinde Wartau hat bis jetzt über 30 Menschen aufgenommen. So sagt Beat Tinner, dass die Betreuung der Flüchtlinge bisher reibungslos ablief. Hauptsächlich kommen Familien aus Eritrea oder Maghreb. Bevor die Flüchtlinge eintreffen, wird deren Wohnung mit dem Nötigsten eingerichtet. «Wir bemühen uns sehr darum, dass sich die Familien schnell zurechtfinden und die Sprache lernen, um sie in das Gemeindeleben einzugliedern», so Beat Tinner.

Involvierte Personen und Nachbarn seien sehr hilfsbereit und unterstützen die Neuankömmlinge. Arabisch sprechende Personen unterstützen die syrischen Familien ehrenamtlich als Übersetzer, damit diese sich im Alltag oder bei Arztbesuchen zurechtfinden. Der Gemeindepräsident berichtete auch von Fällen, in denen syrische Flüchtlinge Ansprüche an das Gemeinwesen stellten, welche nicht erfüllt wurden. «Sonderwünsche wie Wohneinrichtung und neue Kleidungsstücke müssen sie vom Taschengeld selbst finanzierten», präzisiert Tinner. Sonderrechte toleriere er nicht, denn es sollen alle gleich behandelt werden.

Rund 15 bis 20 Prozent der Asylsuchenden haben einen Flüchtlingsstatus und dürfen in der Region bleiben. 35 Prozent haben nur eine vorläufige Aufenthaltsbewilligung und müssen wieder abreisen. Bis zu 60 Prozent bleiben in der Schweiz wohnhaft und integrieren sich relativ rasch und problemlos in die Gemeinden.