MAUREN: Menschenhandel – Mensch handle

Referentin Irene Hirzel sprach am Frauenfrühstück über das Thema Menschenhandel. Sie erklärte, wie und warum Angebot und Nachfrage funktionieren und wie Betroffenen geholfen werden kann.

Esther Wyss
Merken
Drucken
Teilen
Lorena Lamana, Maja Guidon (Besucherin und Koordinatorin Frauenfrühstück Schweiz), Referentin Irene Hirzel aus Bern und Moderatorin Margot Walt (von links) anlässlich des überkonfessionellen Frauenfrühstücks in Mauren. (Bild: Esther Wyss)

Lorena Lamana, Maja Guidon (Besucherin und Koordinatorin Frauenfrühstück Schweiz), Referentin Irene Hirzel aus Bern und Moderatorin Margot Walt (von links) anlässlich des überkonfessionellen Frauenfrühstücks in Mauren. (Bild: Esther Wyss)

Esther Wyss

redaktion@wundo.ch

«Die moderne Sklaverei übersteigt alles bisher Dagewesene und hat Drogen und Waffenhandel abgelöst. Waffen verkauft man einmal, Menschen werden immer wieder verkauft», sagte Irene Hirzel vergangenen Samstag anlässlich des Frauenfrühstücks in Mauren. Aber Menschenhandel und Ausbeutung finden im Verborgenen statt. Die Opfer sind schwer zu erkennen und leben oft am Rande der Gesellschaft, die jedoch von ihnen profitiert, sei es in Form von sexuellen Dienstleistungen oder Arbeitsausnützung.

Seit 20 Jahren kämpft Irene Hirzel gegen Menschenhandel. Als aufsuchende Gassenarbeiterin begegnete sie in Basel einer Kolumbianerin, die das Schulgeld für ihren Sohn nicht bezahlen konnte. Zudem erkrankte die Mutter und musste operiert werden. Weil die Kolumbianerin das Geld für beides nicht aufbringen konnte, unterzeichnete sie einen sogenannten Arbeitsvertrag. Statt wie versprochen hier in der Schweiz arbeiten zu können, wurde sie zur Prostitution gezwungen und geriet so in einen Kreislauf der Schuldknechtschaft. Im Rahmen ihrer Arbeit begegnete Irene Hirzel vielen weiteren Frauen mit ähnlichen Geschichten. Es sei sehr schwierig, die Opfer aus ihrer Situation herauszuholen, weiss sie aus Erfahrung.

Die Gründe, warum Frauen ihr Land verlassen, sind unverkennbar: Armut, Krieg, Korruption, Katastrophen, Perspektivlosigkeit, zerrüttete Familien, Diskriminierung, um einige zu nennen. Auf diese Weise geraten Frauen in die Fänge von Menschenhändlern. Das Thema Menschenhandel müsse man von verschiedenen Seiten beleuchten, sagte Hirzel, vom Angebot bis zur Nachfrage. Die Referentin ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit auf breiter Front stattfinden muss. Sie ist Geschäftsführerin des Beratungs- und Schulungszentrums Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung act2012. Der Name bedeutet: agieren, kooperieren, thematisieren. Ziel des Vereins ist, vermehrt Opfer von Menschenhandel identifizieren zu können, einen umfassenden Schutz für die Opfer zu gewähren, und eine Bestrafung der Täter zu erlangen. Durch Beratung, Schulung, Sensibilisierung, Zusammenarbeit mit Fachleuten und Organisationen sowie durch den Betrieb einer nationalen Meldestelle soll den Opfern geholfen werden.

Der böse Mann im Internet

Zunehmend werden auch Kinder Opfer von Menschenhandel, auch in der Schweiz. Eindringlich warnte Irene Hirzel die anwesenden Frauen: «Der böse Mann ist nicht im Wald, er sitzt durch das Internet mitten im Kinderzimmer.»

Sie wies auf die Gefahren in den Chaträumen hin und erklärte, wie Menschenhändler dort Zugriff auf Kinder nehmen, mit dem Ziel, sie zu missbrauchen. Eltern sollten kontrollieren, was ihre Kinder im Internet tun. Eindringlich forderte sie die Anwesenden auf, bewusst zu konsumieren, und sich jeweils auch bei Lebensmitteln, Kleidern und anderen Konsumgütern zu fragen, ob da möglicherweise Menschenhandel drin sein könnte. «Wenn ein T-Shirt unter vier Franken kostet, dann ist sicher Menschenhandel drin», sagte sie. Anschliessend an das Referat erzählte die Chilenin Lorena Lamana ihre Lebensgeschichte, ihre schwierige Jugend in Armut, wie sie in die Schweiz gekommen ist, und nach vielen Schicksalsschlägen durch ihren Glauben das Glück gefunden hat. Die Frauen des Trachtenvereins Mauren waren für das Frühstück verantwortlich.