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Line Dance ist Frauensache

Übers Wochenende fand das 17. Country City Toggenburg statt. Es war ein Festival für Country-Cowboy-Freaks und -Fans – aber nicht nur. Von Freitag bis Sonntag gab’s Nachhilfe im Line Dance.
Michael Hug
Immer wieder ein begeisterndes Highlight am Country City Toggenburg: Die Country Dancers Toggenburg. (Bild: Michael Hug)

Immer wieder ein begeisterndes Highlight am Country City Toggenburg: Die Country Dancers Toggenburg. (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

redaktion

@toggenburgmedien.ch

Wenn der Cowboy mit ungeladener Pistole ein Bier bestellt, wenn fast nur Frauen in Linie tanzen, wenn neben dem Saloon für ein Beerdigungsinstitut geworben wird, wenn der Pfarrer seine Predigt vom Tablet abliest und dazu die Bürgermusik Wildhaus spielt – dann ist Country City im Obertoggenburg. Zum 17. Mal heuer bereits, da kann man eigentlich schon von einer Tradition sprechen. Doch es scheint, als wäre das Western Festival immer noch ein Geheimtipp. Da werden nicht die grossen Töne posaunt, sondern lieber das Augenmerk auf die Details gerichtet. Der Hut zum Beispiel, ohne ihn geht fast gar nichts an diesem dreitägigen Festival. Ob ein echter «Stetson» oder billige Jahrmarktkopie – ein Western-Hut muss auf den Kopf von Cowboy und -girl. Die ­meisten setzen ihn auch beim sonntäglichen Gottesdienst nicht ab.

Stiefel, Jeans, und kariertes Hemd

Da gehören zum Western-Outfit natürlich auch die Stiefel, die Jeans, das karierte Hemd, die Weste und ein breiter Gürtel. Dazu viele Lederfransen und ein etwas wild-verruchtes Aussehen. Bartstoppeln im Gesicht der Männer, ein zu viel geöffneter Knopf am Hemd der Damen. Am besten wär da noch ein Pferd, aber das geht nicht, weil beim Saloon keine Stange zum Anbinden ist. Statt Pferde gibt’s Eselreiten für die kleinen Kids und Bogenschiessen für die grossen. Mit Bogen schiesst man Pfeile, nicht auf Büffel, möglichst aber in die Mitte der Scheibe. Wer nicht wie eine Rothaut schiessen will, der tanzt, sprich: sie tanzt. Vor allem Frauen scheint das Line Dance anzuziehen, es vergeht drei Tage lang keine Minute, ohne dass irgendwo auf einer der drei Bühnen getanzt wird, und wenn’s sein muss, auch auf der Strasse.

Zum 17. Mal verwandelte sich die Tennishalle in Unterwasser ins Country City Toggenburg. Am Konzept hat das OK mit Beat Frischknecht an der Spitze nicht viel geändert. Am Freitag- und Samstagabend sowie am Sonntagnachmittag gibt’s Mu- sik von einschlägigen Bands aus der Schweiz und Österreich. Dazwischen kann man Line-Dance-Vorführungen der einheimischen Country Dancers Toggenburg und der Green Hill Dancers aus dem unteren Toggenburg ge­niessen. Auch zur Tradition gehört der sonntägliche Gottesdienst in der Tennishalle, der heuer von einer reduzierten Formation der Bürgermusik Wildhaus namens Brass, Wood & Beat mitgestaltet wurde. Wer nicht nach Hause wollte, der campierte stilgerecht im Indianer-­Wigwam auf der Wiese. Doch das Country City ist nicht nur Anlass für Western-Affine, das Festival stösst auch immer auf das Interesse der Einheimischen.

Längst vergangene Zeiten auf anderem Kontinent

Denn: gewisse Facetten des Festivals, das sich längst vergangenen Zeiten auf einem ganz anderen Kontinent widmet, kann der Toggenburger und die Toggenburgerin nicht so einfach vom Saloontisch wischen. Da wäre zum Beispiel die eingängige, lebensfreudige, auch emotional berührende Musik. Dann auch Dinge wie US Rib Eye Steak oder Chili con Carne mit oder ohne Baked Potato oder der Jim Bean an der Bar im Saloon oder der frisch gezogene Kaffee auf Western-Art vom Planwagen. Zwar riecht es im Saloon nicht nach durchgerittenem Leder, es sitzen keine Falschspieler an den Tischen und umgelegt wird auch niemand – rauchende Colts werden am Eingang abgenommen. Aber man kann ja so tun, als ob man ein harter Kerl à la Clint Eastwood sei. Der im Übrigen und ganz zufällig am Sonntagabend wahrhaftig als «Pale Rider» über den TV-Schirm ritt.

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