LIENZ: Mitten drin statt nur dabei

Am 2. Dezember wird in der Vianco Arena Brunegg zum vierten Mal die Braunviehkönigin gekürt. Andrina Peter aus Lienz ist eine von fünf Kandidatinnen. Seit frühester Jugend gehört das Braunvieh zu ihrem Alltag.

Benjamin Schmid
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Andrina Peter mit ihrer Lieblingskuh. (Bilder: pd)

Andrina Peter mit ihrer Lieblingskuh. (Bilder: pd)

Benjamin Schmid

Die neue Braunviehkönigin vertritt während zweier Jahre das Braunvieh und die Landwirtschaft im In- und Ausland. Als Botschafterin der braunen Rasse wird sie an zahlreichen Anlässen, Schauen und Kongressen die Schweizer Braunviehzucht repräsentieren. In den Aufgabenbereich der amtierenden Braunviehkönigin gehört das Aufzeigen der wirtschaftlichen Vorteile dieser Rasse. Sie informiert über die Vorzüge und leistet Überzeugungsarbeit einerseits in der breiten Öffentlichkeit, aber auch in der Politik. Gesucht wird nicht nur gutes Aussehen; die Kandidatinnen sollen auch mit Sympathie, Ausstrahlung und Charme punkten. Daneben zählt vor allem das Fachwissen der zukünftigen Amtsträgerin. Ohne Bezug zum Braunvieh macht eine Kandidatur wenig Sinn.

Wenn die Kandidatinnen nicht selbst auf einem Hof arbeiten oder leben, so sollten es zumindest die Eltern, Ehepartner oder Freunde. Für Andrina ist dieser Umstand kein Problem: «Seit Geburt lebe ich auf einem Bauernhof.» Als Älteste von vier Kindern hilft sie sowohl im Stall als auch auf der Weide tatkräftig mit. So verbringt die Kandidatin den Grossteil ihrer Freizeit mit dem Braunvieh. «Der Umgang mit den Tieren wurde mir in die Wiege gelegt», sagt Andrina und ergänzt: «Seit ich mich erinnern kann, begleite ich meinen Vater auf Viehschauen.» Besonders angetan ist sie aber von der Aufzucht junger Kälber. Es sei unbeschreiblich, zu beobachten, wie die Kälber wachsen und sich entwickeln. Zusätzlich tankt sie im Umgang mit den Tieren Energie und Motivation. «Bei den Tieren fühle ich mich geborgen, kann abschalten und den Kopf frei kriegen.» Ausserdem bietet ihr die Arbeit auf dem Bauernhof eine willkommene Abwechslung zu ihrem Alltag in der Spitalküche. Andrina schätzt die sanfte Wesensart der Tiere und ist von deren Charakter fasziniert. Jede Kuh habe ihre eigene Art und keine gleicht der anderen.

Weit mehr als ein Job

Da sie das Leben auf dem Bauernhof seit Kindesalter kennt, schöpft sie aus einem reichhaltigen Fundus an Erfahrungen und greift auf ein breites Wissen zurück. «Die Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben», sagt Andrina. In die Arbeit mit den Tieren steckt sie viel Herzblut. Daher erstaunt es wenig, dass sie ihre Zukunft auch auf einem Bauernhof sieht: «Gerne würde ich den Hof einmal übernehmen.» Mit der Teilnahme zur Wahl der Braunviehkö­nigin sei sie mittendrin statt nur dabei.

«Für mich wäre es weit mehr als nur ein Job», sagt die Kandidatin und fügt hinzu: «Das Braunvieh ist ein grosser Bestandteil meines Lebens. Ich lebe für das Braunvieh.» So sieht die 20-jährige Lienzerin die Wahl auch als schöne Nebensache an, die Leidenschaft für das Braunvieh jedoch steht im Mittelpunkt.

Obschon die ganze Branche mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen hat, liegen gemäss Andrina Peter die Vorteile des Braunviehs auf der Hand: «Die Tiere überzeugen durch ihre Langlebigkeit und Robustheit. Zusammen mit ihren guten Fundamenten und Klauen sind sie alptauglich und ideal für Bergregionen wie die Schweiz.» Des Weiteren ist ihre Milch gehaltvoll und geeignet für die Käserei. Dass das Braunvieh hitzetolerant ist, sei im Hin­- blick auf die Klimaveränderung ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Als Tochter eines Viehzüchters kennt sie natürlich die funktionellen Vorteile des Braunviehs. Ihnen wird nachgesagt, dass sie eine gute Fruchtbarkeit vorweisen und leicht kalben. Daher gilt unter Züchtern das Motto: «Braunvieh ist Traumvieh».

Eignung unter Beweis stellen

Natürlich würde sich Andrina über einen Sieg freuen, dennoch ist sie sich über die grosse Konkurrenz bewusst. Sie ist deswegen aber keinesfalls eingeschüchtert, sondern fühlt sich bereit, die Jury und das Publikum von ihren Qualitäten zu überzeugen. Auch mit einer allfälligen Niederlage wisse sie umzugehen, schliesslich bleibe ihre Leidenschaft für das Braunvieh erhalten. Ferner habe sie gelernt, ihre Meinung vor anderen zu vertreten und gleichzeitig mit Kritik umzugehen. Ein Gewinn fürs ganze Leben. Bis es soweit ist, stehen den Kandida­- tinnen noch einig Prüfungen bevor. Im Vorfeld der Wahl müssen sie ihre Eignung unter Beweis stellen. Geplant sind unter anderem Auftritte an der Olma und dem GP von Sargans. Dabei treten die Kandidatinnen als Ehrendamen auf. Aber auch das Richten von Kälberwettbewerben gehört zu ihren Aufgaben. «Ich freue mich auf viele spannende Gespräche mit Laien und Experten», sagt Andrina und ergänzt, «und darauf, dass ich die Leute mit meiner offenen und ehrlichen Art überzeugen kann.»

Auftritte Olma: Sonntag 15. Oktober; GP Sargans: Sa. 11. November.