LIENZ: Leidenschaft für antike Technik

Albin Heeb nennt seine alten Gerätschaften und Gegenstände «ein Stück Kulturgut». Er sammelt und repariert die alten Sachen. Auch weil ihn die Technik von einst fasziniert. Sein jüngstes Stück ist eine alte Obstmühle.

Kurt Latzer
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Albin Heeb hat die alte Mostobst-Mühle aus einem Abbruchobjekt geholt und restauriert. Faszinierend sind nicht nur die Dimensionen, sondern auch die Technik. (Bilder: Kurt Latzer)

Albin Heeb hat die alte Mostobst-Mühle aus einem Abbruchobjekt geholt und restauriert. Faszinierend sind nicht nur die Dimensionen, sondern auch die Technik. (Bilder: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

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Albin Heeb, Sohn einer Bauernfamilie, hat Technik seit je interessiert. In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre begann er auf dem elterlichen Hof Produkte zu erfinden, die die Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben erleichtern sollten. «Als Erstes entstand ein Brunnentrog aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Dank des geringen Gewichtes reichte von nun an eine Person aus, um diesen auf selbst hoch gelegene Weiden zu tragen», heisst es in der Chronik der Firma Heeb AG in Lienz, die Albin Heeb gegründet hatte. Heute führt sein Sohn Rainer die Firma.

Zwei Wochen lang restauriert

Obwohl sich das Unternehmen, das Kunststofftanks für Trink- und Abwasseranlagen herstellt, modernster Technik bedient, gehört Albin Heebs Leidenschaft dem althergebrachten, dem Brauchtum und dem Kulturgut der Region. Besonders stolz ist der heute 78-Jährige auf das jüngste Teil seiner Sammlung, eine Mostobst-Mühle aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. In den Stocken, einem Gebiet in Lienz, verarbeitete einst eine kleine Mosterei das Obst aus dem Ort.

«Die Liegenschaft hat dem einstigen Landwirt und Mesmer Heinrich Heeb gehört», sagt der Lienzer. Man habe ihm angetragen, die Mühle aus dem Gebäude zu holen, das mittlerweile einem Neubau weichen musste. «Da konnte ich nicht nein sagen. Alleine die ausgeklügelte Technik ist faszinierend», sagt Albin Heeb. Immerhin stammt das übermannshohe Gerät aus einer Zeit, in der man nicht schweissen oder Metall fräsen konnte. Speziell sind nicht nur die handgeschmiedeten Eisenteile, sondern auch die beiden Mühlsteine. «Sie wiegen über 120 Kilogramm. Pro Stück», sagt der Lienzer Unternehmer.

Wer die Mostobst-Mühle gebaut hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Weil das Teil über Jahrzehnte in einem feuchten Raum stand, war ein Teil des Untergestells nicht mehr zu retten. «Zwei Wochen lang habe ich in der Halle an der Mühle gearbeitet. Die Füsse des Holzgestells mussten ersetzt werden, die waren abgefault», sagt Albin Heeb. Nun sei das Gerät wieder voll einsatzfähig.

Sollte sich ein Museum finden, das Interesse an dem Altertum hat, wäre Albin Heeb bereit, die Mühle abzugeben. «In meine Stube stellen kann ich das grosse Stück ja so oder so nicht», sagt der Lienzer mit einem Lächeln. Daheim habe er bereits viele alte Sachen. Weil seine Leidenschaft in weitem Umkreis bekannt ist, bekommt Heeb immer wieder Angebote.

Der alte Opel an Köppels Eisenbaum

Auch von Leuten, die nicht wissen wohin mit alten Sachen. «Kürlich habe ich aus Vorarlberg einen Reisealtar bekommen. Der stammt aus dem Jahr 1582 und ist in Topzustand», sagt der Erfinder und Sammler. Ein besonderes Teil steht im Obergeschoss der Heeb AG. Es ist ein hölzerner Pflug, der ebenfalls aus der Zeit um 1850 stammen dürfte. «Man hat mir gesagt, der Hersteller des Pfluges soll Schwendinger geheissen haben. Mehr war nicht zu erfahren», sagt der Lienzer Unternehmer. Im Gegensatz zur Obstmühle will er den Pflug nicht hergeben. Erich Schwaninger gehört das grösste Pflugmuseum der Schweiz. Er weiss, woher das Gerät von Albin Heeb stammt. «Es ist ein Pflug aus Baden Württemberg, genauer aus dem Lenningertal», sagt Schwaninger. Bis auf ganz kleine Details stimme der Lienzer Pflug mit den Abbildungen der Lenninger Pflugbauer überein.

Das Joch, das neben Heebs Landwirtschaftsgerät steht, gehöre allerdings nicht zu diesem Pflug. Als die Firma 1999 fast vollständig abbrannte, fiel beinah auch der Pflug den Flammen zum Opfer. «Weniger Glück hatte ich mit einem Opel aus den 1950er-Jahren. Der ist komplett ausgebrannt», sagt Albin Heeb. Der Rheintaler Künstler Silvan Köppel habe das Auto auf dem Eisenbaum angeschweisst, der einst in Heerbrugg stand und heute in Altstätten steht.