Lieber verkaufen als investieren

Gleich vier Geschäftshäuser an der Hauptstrasse, dazu noch zwei Hotels-Restaurants, werden in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann zum Verkauf angeboten. «Kein Grund zur Beunruhigung», so Gemeindepräsident Rolf Züllig.

Adi Lippuner
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In Wildhaus sind Geschäftsliegenschafen zu verkaufen. Rechts das Haus Beeler, die ehemalige Metzgerei Eigenmann, links die Liegenschaft Landi. (Bild: Adi Lippuner)

In Wildhaus sind Geschäftsliegenschafen zu verkaufen. Rechts das Haus Beeler, die ehemalige Metzgerei Eigenmann, links die Liegenschaft Landi. (Bild: Adi Lippuner)

WILDHAUS. Es sind nicht nur die Geschäftsliegenschaften, welche neue Besitzer suchen. Auch Ferienhäuser und Ferienwohnungen sind im Angebot. Dies teilweise unter dem Slogan «Dort, wo das oberste Toggenburg am schönsten ist». Doch das allein genügt einem Käufer kaum. Vielmehr geht es darum, das zu investierende Kapital auch gewinnbringend anlegen zu können oder mit der Geschäftstätigkeit Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg zu haben.

Konkret befindet sich beim ehemaligen Café Knaus, bei der Liegenschaft Beeler und der ehemaligen Metzgerei Eigenmann ein Schild «Zu verkaufen». Neu dazu kommt auch noch das Haus der Landi, wie vom Präsidenten Peter Huser bestätigt wurde. Das Geschäftshaus mit vier Wohnungen und dem Verkaufsgeschäft ist ganz neu im Angebot. Zusammen mit dem schon länger zum Verkauf stehenden Hotel Bellevue und dem neu ausgeschriebenen Hotel-Restaurant Schönau können Interessenten in Wildhaus «aus dem Vollen» schöpfen.

Hoher Erneuerungsbedarf

Eine Nachfrage bei Gemeindepräsident Rolf Züllig zeigt: «Die aktuelle Situation ist ganz klar im Zusammenhang mit der Annahme der Zweitwohnungs-Initiative zu sehen. Aktuell stehen in 481 Gemeinden insgesamt 8000 Liegenschaften zum Verkauf, vor drei Jahren, also 2011, waren es noch deren 6000.» Die Situation, dass gleich mehrere Geschäftsliegenschaften zum Verkauf angeboten werden, sei also nicht ein spezifisches Obertoggenburger Problem.

«Vielmehr geht es darum, dass bei den zum Verkauf stehenden Häusern ein hoher Erneuerungsbedarf besteht und anstehende Investitionen von Kaufinteressenten genau angeschaut werden.» Zu den geforderten Preisen wollte sich Rolf Züllig nicht im Detail äussern, nur so viel: «Wenn Liegenschaften zu einem marktkonformen Preis angeboten werden, findet sich früher oder später auch ein Käufer», betont er. Die Zweitwohnungs-Initiative und das Raumplanungsgesetz, aber auch die strengere Auslegung der Gesetze in den Tourismusregionen habe dazu geführt, dass Investoren vorsichtiger agieren. «Vor der Abstimmung war in vielen Regionen ein eigentlicher Bauboom zu verzeichnen, und diese Auswirkungen sind nun spürbar.» Zudem sei es, aufgrund der veränderten Einkaufsgewohnheiten, nicht ganz einfach, in einem ländlich geprägten Dorf ein Geschäft, ob es sich nun um ein Restaurant, eine Metzgerei oder ein Lebensmittelgeschäft handle, zu betreiben, so der Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann. Thomas Döbeli, Präsident des Hauseigentümervereins Neu- und Obertoggenburg und Immobilien-Schätzer mit eidgenössischen Fachausweis, sagt auf Anfrage: «Durch die überall zu beobachtende Zentralisierung beim Einkaufen werden den Detailhandelsgeschäften auf dem Land die existenziellen Grundlagen entzogen.» Aus diesem Grund lohne sich eine Sanierung des gewerblich genutzten Teils einer solchen Liegenschaft nicht mehr.

Umnutzung nicht möglich

Auch der Immobilienfachmann Thomas Döbeli sieht einen der Gründe für das Desinteresse gegenüber gewerblichen Liegenschaften bei der Annahme der Zweitwohnungs-Initiative: «Leider ist es nicht mehr möglich, solche Liegenschaften in Eigentums-Ferienwohnungen umzunutzen, obschon hier aus meiner Sicht noch ein gewisser Bedarf im Obertoggenburg bestehen würde. Auch der Abbruch und anschliessende Neubau mit Eigentums-Ferienwohnungen ist aus den bereits erwähnten Gründen nicht zulässig.

Und weil in den meisten Gemeinden ein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen sei, lohne sich die Erstellung von Mietwohnungen kaum. «Das Risiko für einen Investor ist speziell in ländlichen Gegenden hoch und würde sich nur lohnen, wenn die Altliegenschaften entsprechend günstig angeboten werden.»

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