Lernen, mit Demenz umzugehen

Wir werden immer älter. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Dies geht lange nicht mehr nur die Betroffenen etwas an. Die «Krankheit des Vergessens» wird zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem.

Christopher Eggenberger
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Nachdenklicher Blick in die Zukunft: Die Lebenserwartung der Menschen steigt, aber auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. (Bild: pd)

Nachdenklicher Blick in die Zukunft: Die Lebenserwartung der Menschen steigt, aber auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. (Bild: pd)

GRABS. Die demographische Entwicklung in der Schweiz ist mit Sorge zu beobachten. Denn die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung wirft auch Fragen auf: so etwa im Bereich der Altersbetreuung, insbesondere bei demenzerkrankten Menschen. Auch für die gemeinderätliche Kommission für Altersfragen in Grabs hat das Thema Demenz höchste Priorität. Sie veranstaltet deshalb im Verlauf dieses Jahres mehrere Informationsanlässe (vgl. auch Frontseite und den Zweittext auf dieser Seite). Mit dabei sind die Anbieter, die in der Gemeinde ansässig sind: das Pflegeheim Werdenberg, das Altersheim Stütlihus, das Zentrum Wiitsicht und die Spitex.

Gut miteinander vernetzt

«Alle diese Akteure haben auf Anfrage bereitwillig zugesagt», erklärt Kommissionspräsidentin Jeanette Mösli, «dies zeigt, dass das Thema Demenz auch für sie von grosser Bedeutung ist.» Immerhin hätte jeder auch so schon viel zu tun.

Dass alle Dienstleister mit von der Partie seien, zeige auch auf, dass die Anbieter in Grabs bereits heute gut miteinander vernetzt seien. Nun will man auch die Bevölkerung mit ins Boot holen. Die Veranstaltungen sind bewusst niederschwellig gestaltet und richten sich an die breite Öffentlichkeit. Dies betonen die Organisatoren mit dem Motto: «Demenz geht uns alle an».

Eine gewaltige Herausforderung

In der Schweiz leben heute rund 116 000 Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Die Krankheit stellt nicht nur das Leben der Betroffenen auf den Kopf, auch deren Umfeld, Partner, Familienangehörige, Freunde, stellt sich einer gewaltigen Herausforderung. Der Begriff Demenz fasst verschiedene Erkrankungsbilder zusammen, die mit dem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen.

Angehörige stossen an Grenzen

Im fortgeschrittenen Stadium können die Erkrankten alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig ausüben. Sie benötigen immer mehr Betreuung. Schon heute stossen dadurch viele Angehörige an ihre Grenzen: «Wie gehe ich mit meinem demenzkranken Mann um? Wer betreut meine Frau, während ich tagsüber arbeite? Wann werde ich wieder einmal Zeit für mich selbst haben?»

Die Zahl wird weiter steigen

In Zukunft dürfte sich dieser Zustand noch verschärfen: Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der demographisch bedingten Alterung der Bevölkerung gehen Statistiken davon aus, dass sich die Zahl der demenzerkrankten Personen in der Schweiz bis ins Jahr 2030 auf 200 000 und bis ins Jahr 2050 sogar auf 300 000 erhöht.

Es stellen sich neue Fragen: Haben wir noch genügend Pflegepersonal? Ist die Betreuung der Menschen mit Demenz noch bezahlbar? Wer trägt diese Kosten? Welche gesellschaftliche Rolle sollen Demenzerkrankte in Zukunft spielen?

Ein offenes Umfeld schaffen

«Immer mehr Menschen werden mit demenzerkrankten Personen zu tun bekommen, sei es als Angehörige, Pflegeperson oder einfach bei Begegnungen im Alltag», sagt Jeanette Mösli. Deshalb müssten einerseits Vorurteile und Hemmschwellen abgebaut werden. Bekämpfe man die Stigmatisierung der Krankheit, sei ein erster Schritt getan: Man könne offen darüber reden.

Andererseits brauche es ein besseres Verständnis über die Umstände der Betroffenen. Die Menschen benötigten einfachen Zugang zu Informationen. «Wie es den Betroffenen geht, hängt auch stark vom Umfeld ab», sagt Jeanette Mösli, «deshalb müssen wir alle lernen, gut mit Demenz umzugehen.»