Leih-Telefone und Gratis-WLAN sind die maximalen Leistungen

REGION/BERN/ST. GALLEN. «Asylbewerber können auf Staatskosten teuerste Mobiltelefone beziehen. Die Handyabos werden von der Swisscom übernommen.» Solche Behauptungen kursieren laufend im In- und Ausland und jede und jeder hat sie schon gehört.

Thomas Schwizer
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Asylsuchende müssen für das Telefonieren bezahlen. (Archivbild)

Asylsuchende müssen für das Telefonieren bezahlen. (Archivbild)

REGION/BERN/ST. GALLEN. «Asylbewerber können auf Staatskosten teuerste Mobiltelefone beziehen. Die Handyabos werden von der Swisscom übernommen.» Solche Behauptungen kursieren laufend im In- und Ausland und jede und jeder hat sie schon gehört. Da steter Tropfen bekanntlich den Stein aushöhlt, setzen sich diese Gerüchte irgendwann als Wahrheit im Kopf fest.

Falsche Behauptungen

Grund genug für den W&O, einmal bei den zuständigen Stellen nachzufragen, wie es wirklich ist. Das Resultat ist klipp und klar. Das Staatssekretariat für Migration (SEM), zuständig für die Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes, nennt diese Behauptungen «schlicht falsch». Ebenso das kantonale Amt für Migration, das zuständig ist für den Betrieb der kantonalen Asylzentren.

Und die Swisscom, die angeblich Asylbewerber gratis telefonieren lässt, übernimmt laut eigenen Aussagen keinerlei Kosten für Handyabos und Telefongespräche von Asylbewerbern. Das betont Swisscom-Mediensprecherin Sabrina Hubacher auf Anfrage.

SEM-Mediensprecher Martin Reichlin bestätigt, dass Asylsuchende, welche in die Schweiz kommen, «häufig über alte, gebrauchte Smartphones verfügen». In der Regel seien das «billige» Modelle. Mit diesen würden sie während ihrer Flucht oder ihres Aufenthaltes in der Schweiz mit ihren Angehörigen Kontakt halten. Laut Erfahrung des SEM nutzen Asylsuchende dabei kaum kostenpflichtige Telefonnetze, sondern verbinden sich über WLAN an öffentlichen Orten kostenlos mit dem Internet oder Online-Telefoniediensten, sagt Reichlin.

Kanton: Beschränktes WLAN

Das hat man auch beim Migrationsamt St. Gallen festgestellt. Deshalb wird in den kantonalen Asylzentren ein beschränktes offenes WLAN geboten, sagt Urs Weber, Leiter der Asylabteilung. So haben sie grundsätzlich im kantonalen Zentrum gratis Zugang zum Internet und zu WhatsApp-Telefonie oder Skype. Damit könnten die Asylbewerber eine Verbindung zu ihren Familien aufrechterhalten. Das sei besser, als wenn sie sich für solche Kontakte an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen mit WLAN «aufhalten», stellt Weber fest. Verboten sei ihnen aber auch das nicht, denn die Asylbewerber hätten nichts verbrochen und seien keine Gefangenen.

Bund: Smartphones abgeben

Beim Eintritt in die Bundeszentren müssen die Asylbewerber übrigens gemäss Reichlin ihre mitgebrachten Smartphones für die Dauer ihres Aufenthaltes abgeben. Das diene der Wahrung der Ruhe und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der dort anwesenden Personen. So will der Bund verhindern, dass Bilder oder Filme aus den Zentren auf sozialen Medien auftauchen. Das könnte die Anwesenden möglicherweise zusätzlich gefährden, hält er fest.

Die Asylsuchenden dürfen aber ihre persönliche SIM-Karte behalten. Sie können mit dieser Handys benutzen, die ihnen während ihres Aufenthaltes im Bundeszentrum zur Verfügung stehen, aber nur das Telefonieren erlauben, erklärt Reichlin. Die laufenden Telefongebühren müssen sie aber selbst bezahlen. Ausserdem können sie Telefonkarten kaufen, die sie an fest installierten Publifonen im Zentrum verwenden können.

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