Lauschangriff auf Hans und Heiri

LESERBRIEF Fragt mich doch einer, ob ich den Neuesten kenne. Die Mutter des Regierungsratspräsidenten habe gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass ihr Bub eine solche Karriere hinlegen würde, hätte sie ihn in die Sekundarschule geschickt. Zum Wohl, Heiri! Den findest du lustig?

Drucken
Teilen

LESERBRIEF

Fragt mich doch einer, ob ich den Neuesten kenne. Die Mutter des Regierungsratspräsidenten habe gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass ihr Bub eine solche Karriere hinlegen würde, hätte sie ihn in die Sekundarschule geschickt. Zum Wohl, Heiri! Den findest du lustig?

Erstens ist der, auf den dein Neuester gemünzt ist, nicht Regierungsratspräsident, und zweitens war er schon alt, als man ihn seinem Freund, dem Altbundesrat nachgesagt hatte. Ausserdem macht man nicht despektierliche Sprüche über einen, der sich für ein Trinkgeld die Beine in den Bauch stampft und unsere Region, den Kanton und hoffentlich bald auch die Schweiz repräsentiert! Dessen Privatsphäre ist doch total im Eimer.

Nicht einmal inkognito privat essen im Schäfli mit Regierungsräten und einem Altbundesrat hat er gekonnt. Die Paparazzi waren ihm voll auf den Fersen. Und bastelten aus dem Abend (ohne Steuerfranken!) mit dem 10 000er-Scheck für Mitglied Nr. 300 der Ostschweiz-Expo 27 eine riesen Wohltäter-Story. So was interessiert kein Schwein. Dennoch steht der höchste St. Galler diesen Rummel schon bald ein Jahr lang durch. Bei jeder Hundsverlochete ist er gezwungen, in die Kameras zu lächeln. Nur um die bildgeilen Medien zu befriedigen. Dabei ist er vom Kantonsrat anlässlich der Pflichtwahl gar nicht hoch ins Amt gewählt worden.

Fabiola, nochmals zwei Bier bitte! Hast du von der FDP auch einen Brief bekommen? Eigentlich war er nicht von der FDP, nur der Kopf des Briefes. Der Briefkopf ist einer der letzten Köpfe der FDP. Warum? Weil sie auf ihre Werte pfeift. Zum Beispiel unterstützte sie die Wahl eines dunkelroten Linken in den Ständerat, mobbte aktiv gegen einen amtierenden Bundesrat und half einer Bundesrätin ins Amt, deren Auffassung von Wahrheit, Freisinn und bürgerlicher Mündigkeit nicht einmal Gion Gieri in der Surselva nachvollziehen kann. Uups. Dein Wort in Gottes Ohr!

Zurück zum Brief. Darin listet mir ein Netzwerker seine beachtenswerten Leistungen auf. Ab 2016 will er in Bern meine Stimme sein. Wow, super. Wird er konkret? Ja, mit Aussagen ohne politischen Inhalt bittet er um Wahlunterstützung. Man kann Beiträge von 500, 1000, 5000 oder 20 000 Franken ankreuzen. Deine Stimme in Bern auf Vorschuss? Kennt er deine Stimme? Nicht nötig. Nach der Wahl kennen die wenigsten die Stimme derer, die sie gewählt haben. Mit deiner Stimme reden sie nur, bis sie gewählt sind.

Und nachher? Nachher ist Bescheidenheit angesagt. Wie? Den persönlichen Marktwert optimieren. Mammutprojekte lancieren. Mandate, Honorare und Sponsoren akquirieren. Bankette organisieren. Medien mobilisieren. Rechnet sich diese Definition von Politik für uns Otto Normalverbraucher? Ich denke schon. Irgendwann kommst auch du zu einer Gratiswurst. Sag nur, dieser Politstandard auf der Ebene Sponsoring, Arena, Club und Swiss Award nerve dich nicht! Früher schon. Heute lebe ich TV-abstinent und gehe nicht mehr wählen und abstimmen. Ma Suisse n'existe plus. Saufen wir sie uns doch wenigstens schön! Prost!

Christof Ammann, Hintere Stütlistrasse 2, 9472 Grabs

Aktuelle Nachrichten