Langsam fahren schnell umgesetzt

Motorisierte Verkehrsteilnehmer werden an der Haager Giessenstrasse aufgefordert, ihr Tempo auf 30 km/h zu drosseln. Die Tempolimite ist freiwillig. So konnte die Gemeinde Sennwald viel Zeit und Geld sparen.

Alexandra Gächter
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An der Giessenstrasse in Haag wird um eine freiwillige Tempo- reduzierung gebeten. (Bild: pd)

An der Giessenstrasse in Haag wird um eine freiwillige Tempo- reduzierung gebeten. (Bild: pd)

HAAG. Wenn Anwohner eine Temporeduzierung wollen, kostet das in der Regel viel Zeit, viel Geld und, wenn sich nicht alle einig sind, viel Nerven. Die Gemeinde muss zusammen mit Experten Antworten auf Fragen finden wie zum Beispiel: Wie schnell wird derzeit gefahren? Was muss man machen, damit langsamer gefahren wird? Und: Was kosten diese Massnahmen? Da im Kanton St. Gallen eine strengere Verordnung über die Tempo-30-Zonen als andernorts gilt, fallen die baulichen Massnahmen meist nicht günstig aus. Je nach Höhe der Kosten müssen die Bürger ihre Zustimmung geben. Und schliesslich wird das Projekt von der Kantonspolizei St. Gallen bewilligt. So können aus Wochen Monate und aus Monate Jahre werden, bis die Temporeduzierung gültig wird (vgl. W&O vom 7. Oktober).

Ein paar hundert Franken

Der Gemeinderat Sennwald ging dieses Vorgehen zu lange. Als in den Sommerferien die Beantragung für eine Temporeduzierung kam, wurde umgehend gehandelt. Seit einigen Tagen stehen nun am Anfang und am Ende des Schulareals auf der Haager Giessenstrasse je eine Tempo-30-Tafel. Die Tempolimite ist freiwillig. Somit konnte die Gemeinde Sennwald nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld sparen. Die beiden Tafeln mit den Sockeln kosteten ein paar hundert Franken, sagt Gemeindepräsident Peter Kindler. Zusätzlich werde ein rotes Dreieck auf die Strasse gemalt.

Die Antragsteller haben bereits auf die schnelle Umsetzung reagiert. Sie sprachen der Gemeinde Sennwald ein Lob aus.

Ohne Bürokratie

Betreffend einer Bewilligung antwortete Kindler: «Wir haben niemanden gefragt, kein Konzept erstellt und keine Studie durchgeführt.» Der Schulratspräsident, der Schulabwart und er habe die Massnahme als sinnvoll erachtet und daraufhin die Tafeln ohne Bürokratie aufgestellt. «Die Kantonsverwaltung soll das positiv sehen, wir entlasten sie. Und schliesslich handelt es sich bei der Giessenstrasse um eine Gemeindestrasse», so Peter Kindler.

An Vernunft appellieren

Rechtlich gesehen gelte immer noch die offizielle Tempolimite von 40 km/h. Da das Tempo 30 freiwillig ist, können Verkehrsteilnehmer, welche nur wenig schneller als 30 km/h fahren, nicht gebüsst werden. «Ich glaube aber an das Gute im Menschen. Deshalb finde ich, dass man nicht alles mit Verboten und Schikanen regeln muss, welche auch noch teuer sind.»

Ob der Appell an die Vernunft etwas nützt, werde sich zeigen. «Unser Schulabwart sowie die Anwohner beobachten die Situation. Zudem warten wir Rückmeldungen ab.». Ist der Verdacht da, dass immer noch zu schnell gefahren wird, könne er sich vorstellen, Schwellen einzubauen. Es sei gut möglich, dass auch bei anderen Strassen, welche an Sennwalder Schulen vorbei führen, mit einer solchen Tafel um eine Temporeduzierung gebeten wird, sagt Kindler.