Lange dank Millionen-Aufträgen gewachsen

SENNWALD/TRÜBBACH. Der Stellenabbau durch die Umstrukturierung der Kelag-Gruppe trifft die Region. Gestern teilte die in Gründung stehende Auffanggesellschaft Kelag Systems AG mit, der Standort Trübbach werde aufgegeben und die 44 Mitarbeitenden müssten entlassen werden.

Heini Schwendener
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SENNWALD/TRÜBBACH. Der Stellenabbau durch die Umstrukturierung der Kelag-Gruppe trifft die Region. Gestern teilte die in Gründung stehende Auffanggesellschaft Kelag Systems AG mit, der Standort Trübbach werde aufgegeben und die 44 Mitarbeitenden müssten entlassen werden.

Erleichterung bei Behörden

Der Sennwalder Gemeindepräsident Peter Kindler kommentierte gestern: «Dieser Stellenabbau ist bedauerlich – für die Betroffenen wie auch für Region.» Peter Kindler ist indes froh, dass dank der Auffanggesellschaft die wohl «bestmögliche Lösung» zur Erhaltung möglichst vieler Arbeitsplätze gefunden werden konnte. Auch der Wartauer Gemeindepräsident weiss, dass es weit schlimmer hätte kommen können: «Im Rahmen einer Restrukturierung kommt es fast immer zu einer Zäsur.» Glücklicherweise sei diesmal der Worst Case nicht eingetreten. In Trübbach werde man bestrebt und bemüht sein, dass in der Liegenschaft der Montagen AG, die geschlossen werden wird, baldmöglichst wieder eine industrielle Tätigkeit weitergeführt werden könne.

Eine lange Erfolgsgeschichte

Dabei hatte doch alles so schön begonnen und einen erfolgreichen Lauf genommen. Jahrelang generierte die Kelag-Gruppe positive Schlagzeilen, was allein ein Blick zurück auf die vergangenen zehn Jahre veranschaulicht. Ende 2005 gab die Kelag Holding AG die Übernahme der VKW Anlagenbau und Umwelttechnik GmbH & Co. AG aus Bregenz bekannt. «Die Kelag-Gruppe will mit dem Vorarlberger Know-how Marktanteile in der Abfallwirtschaft generieren», hiess es damals im W&O. Das Kelag-Tochterunternehmen Montagen AG in Trübbach konnte einen Grossauftrag in Millionenhöhe für ein Baulos der Vorarlberger Illwerke an Land ziehen. Patron und Verwaltungsratspräsident Helmut Kendlbacher sagte damals zum Standort der Tochterfirma Cowa GmbH im deutschen Remscheid, dieses Standbein sei wichtig, um an Aufträge im EU-Raum zu gelangen.

Stellenausbau

Im Juni 2006 wurde freudig ein neuer Millionenauftrag kommuniziert. Die Kelag-Tochterfirma Montagen AG in Trübbach lieferte eine komplette Schmierölanlage für eine Weltrekord-Turbine von Siemens, die in im bis dato grössten Kernkraftwerk Finnlands eingebaut wurde.

An der Firmenfeier Ende 2007 in Sennwald verkündete Helmut Kendlbacher: «Wir haben uns mit der Vielfalt der Aufgaben, die heute durch die starke Diversifizierung unserer Firmengruppe, insbesondere im Anlagenbau und der Umwelttechnik, anliegen, bestens zurechtgefunden.» Verschiedene Aufträge in Millionenhöhe bescherten der Kelag-Gruppe einen Auftragseingang bis ins Jahr 2009. «Waren es im vergangenen Jahr knapp 50 neue Stellen bei einem Gesamtbestand von 300, so könnte das Unternehmen in wenigen Jahren 500 Arbeitnehmer beschäftigen», hiess es am 5. Dezember 2007 im W&O.

Anlagenbau in England

Nur wenige Monate später wurde einer der Millionen-Aufträge konkret kommuniziert. Die jüngste Tochter der Gruppe, die Kelag Umwelttechnik in Lustenau, sicherte sich einen Auftrag zum Bau einer riesigen Anlage für die mechanisch-biologische Abfallbehandlung in Grossbritannien. Der Lieferumfang betrug 20,1 Millionen Euro. England wird als Hoffnungsmarkt für weitere ähnliche Projekte gesehen. Kurz- und mittelfristig wurde auch mit weiteren Aufträgen aus den mittel- und osteuropäischen EU-Ländern sowie aus dem Mittleren Osten gerechnet, sagte Kelag-Geschäftsführer Thomas Kendlbacher im April 2008 gegenüber dem W&O.

Am 28. August 2010 titelte unsere Zeitung: «Kelag trotzte der Krise mit mehreren Grossaufträgen». Die Kelag Holding AG habe mit ihren gegen 400 Mitarbeitern nicht nur die Wirtschaftskrise schadlos gemeistert, sie könne auch gesichert in die Zukunft blicken. Die Auftragslage präsentiere sich zunehmend international. Zur Kelag Holding gehörten in der Schweiz und im EU-Raum damals die Kelag AG, Bontec AG, Montagen AG Trübbach, Cowa Remscheid GmbH, Kelag Umwelttechnik GmbH & Co. KG sowie die New Knowledge AG – und alle waren sie zu 100 Prozent ausgelastet.

Ab 2011 wurden die kommunizierten Erfolgsmeldungen jedoch immer spärlicher.

Ein paar Geschäftsfelder der Kelag AG (von oben links im Uhrzeigersinn): Schweisstechnik, Apparatebau, Rohrleitungsbau sowie Tank- und Behälterbau. (Bilder: Kelag)

Ein paar Geschäftsfelder der Kelag AG (von oben links im Uhrzeigersinn): Schweisstechnik, Apparatebau, Rohrleitungsbau sowie Tank- und Behälterbau. (Bilder: Kelag)