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Laichen Kröten künftig woanders?

Wie jedes Jahr überquerten in Plattis in den letzten Wochen zahlreiche Erdkröten die Hauptstrasse, um ins Laichgebiet zu gelangen. Um ihren Lebensraum auch in Zukunft zu sichern, wird die «Hochzeitsreise» aufwendig dokumentiert.
Corinne Hanselmann
Katrin Szacsvay ist um den Schutz der Amphibien in der Gemeinde Wartau besorgt, damit dieser auch in Zukunft gewährleistet werden kann. (Bild: Corinne Hanselmann)

Katrin Szacsvay ist um den Schutz der Amphibien in der Gemeinde Wartau besorgt, damit dieser auch in Zukunft gewährleistet werden kann. (Bild: Corinne Hanselmann)

WARTAU. Behutsam hebt Katrin Szacsvay eine Kröte aus einer der Betonröhren, die hinter dem grünen Schutzzaun in Plattis in den Boden eingelassen sind. Viele waren es an diesem Morgen nicht. «Das föhnige, trockene Wetter behagt den Amphibien nicht», erklärt Katrin Szacsvay, die seit vergangenem Jahr für den Amphibienschutz in der Gemeinde Wartau zuständig ist. Das Leben dieser Tiere und die Strecken, die sie bei ihrer Migration zurücklegen, faszinieren sie.

Seit langem übernehmen jeweils die 5./6.-Klässler und ein Pensionär aus Weite die morgendlichen Kontrolltouren in Plattis. Sie sammeln die Kröten und Frösche aus den Schutzvorrichtungen, zählen sie und bringen sie sicher über die Strasse. Zu viele würden sonst überfahren. In regnerischen Nächten mit mehr als 5 Grad Celsius sind jeweils am meisten Tiere unterwegs.

Überlegungen für die Zukunft

Die Amphibien zu schützen bedeutet jedes Jahr viel Arbeit, die grösstenteils von Freiwilligen geleistet wird. Das werde aber je länger je schwieriger. Szacsvay, die in einem Teilzeitpensum an der Primarschule Weite unterrichtet, erarbeitet deshalb zur Zeit eine Dokumentation. Sie beobachtet unter anderem, woher der Grossteil der Erdkröten zum Laichgebiet Tankgraben 1 neben der Tankstelle wandert. So können in Zusammenarbeit mit Gemeinde und Kanton Alternativen überprüft werden, um die Amphibien mit weniger Aufwand auch in Zukunft schützen zu können. Die in Plattis überwiegend vorkommende Erdkröte wird auf der aktuellen Roten Liste der Schweiz nämlich als «verletzlich» aufgeführt.

Die Betonröhren entlang der Strasse sind dieses Jahr erstmals numeriert. Die Helfer erfassen die Anzahl Kröten pro Loch, damit festgestellt werden kann, an welchen Stellen jeweils die meisten vorhanden sind.

Verlegung ist in Prüfung

In der regnerischen Nacht vom Ostersonntag auf Ostermontag machte sich die Amphibienschutz-Beauftragte zudem auf die Suche nach den wandernden Kröten, um herauszufinden, auf welchen Routen sie vorwiegend nach Plattis gelangen. Dank Taschenlampe wurde sie fündig.

Es stellte sich heraus, dass es westlich der Hauptstrasse zwei «Hotspots» gibt, bei denen sich die Tiere sammeln. Einer dieser Orte ist auf der Wiese Richtung Sevelen bei der Abzweigung von der Hauptstrasse zum Muntjol. Der andere nahe der Recycling-Sammelstelle, unterhalb des Waldes, wo der Weg von Gretschins herführt.

Dies ergibt wichtige Erkenntnisse, damit mittelfristig (das heisst innerhalb von etwa fünf Jahren) bauliche Massnahmen umgesetzt werden können, die den gefährlichen Weg der Kröten über die vielbefahrene Strasse unnötig machen. Derzeit prüft die Gemeinde Wartau unter Einbezug der kantonalen Amtsstellen eine Verlegung des Laichgewässers Tankgraben 1. Dafür ist eine gute Dokumentation des Verhaltens der Erdkröten in Plattis von grosser Bedeutung.

Gesünder dank besserem Wasser

Die beiden Tankgräben in Plattis wurden 1942, während des Zweiten Weltkrieges, als Panzerabwehr erstellt. Der Tankgraben 1 hat keinen Zufluss von Frischwasser. Seit einigen Jahren ist die Wasserqualität sehr schlecht. «Darunter leiden die Kröten», erklärt Szacsvay. «Die Haut ist das grösste und wichtigste Organ dieses Tieres und ist während der Laichzeit ständig in Kontakt mit diesem schlechten Wasser.»

Ein weiteres bei den Erdkröten beliebtes Laichgewässer ist der Tankgraben 2, ausserhalb der Bahnlinie, welcher an den Mülbach angehängt ist und wesentlich besseres Wasser führt. Augenfällig ist, dass die Erdkröten dort deutlich grösser sind und äusserlich gesünder aussehen. Die Kröten, die im Tankgraben 2 laichen, wandern aus dem Wald bei der Cholau herbei. Schutzmassnahmen werden aufgrund der gering befahrenen Strasse keine getroffen.

Ende Woche die letzten Kröten

Nach einem kurzen Wärmeeinbruch im Februar, bei dem in Plattis ungewöhnlich früh die ersten Tiere unterwegs waren und sofort der Zaun installiert wurde, gab es eine vier Wochen lange Pause. Trotzdem musste Szacsvay jeden Morgen die Löcher kontrollieren, weil manchmal Kleintiere wie Mäuse, Molche oder Grasfrösche hineingefallen sind. Erst Mitte März ging's dann richtig los, und die Schulkinder kamen zum Einsatz. «Bis jetzt zählten sie dieses Jahr rund 800 Kröten», sagt Szacsvay. Ende dieser Woche, wenn es wieder regnet, erwartet sie den letzten «Ansturm» von wandernden Kröten. Vor einem Jahr wurden 2600 Kröten gezählt – ein absoluter Rekord. In den Jahren zuvor waren es meist zwischen 1300 und 1500. Der Zaun wird danach voraussichtlich nächste Woche abgebrochen.

An Ostern machte sich Katrin Szacsvay nachts auf die Suche nach den wandernden Kröten – und wurde fündig. (Bild: Katrin Szacsvay)

An Ostern machte sich Katrin Szacsvay nachts auf die Suche nach den wandernden Kröten – und wurde fündig. (Bild: Katrin Szacsvay)

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