Länger in der Hocke als der Enkel

Ob Hantelnstemmen, Bankdrücken oder Kniebeugen: Die 79jährige Margrit Gabathuler aus Buchs macht vor keiner Übung ihres wöchentlichen Krafttrainings halt. Und ihre Disziplin zahlt sich aus, wie sie im Gespräch mit dem W&O erzählt.

Mirja Keller
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Margrit Gabathuler ist mit ihren 79 Jahren fit wie ein Turnschuh. (Bild: Mirja Keller)

Margrit Gabathuler ist mit ihren 79 Jahren fit wie ein Turnschuh. (Bild: Mirja Keller)

BUCHS. Margrit Gabathuler sitzt entspannt auf der Flachbank im Fitnessraum der physiotherapeutischen Praxis Eefting in Buchs. Sie ist etwas ausser Atem, aber ihre Haltung ist tadellos: Ihrem geraden Rücken sieht man die soeben absolvierten Stemmübungen nicht an. 45mal hat sie auf dem Rücken liegend die 15 Kilogramm schwere Hantel in die Höhe gestossen. Kein Sonntagsspaziergang für eine 79jährige Frau.

34-Kilogramm-Hanteln

«Das Bankdrücken ist die strengste Übung», findet Margrit Gabathuler. Doch trotz der Mehrbelastung auf der Bank: Die Übung verliert deswegen keine Sympathiepunkte. Denn Margrit Gabathuler ist konsequent. Ob 34-Kilogramm-Hanteln stemmen, Kreuzheben, Ausfallschritte, Kniebeugen oder Rudern: Die sportbegeisterte Buchserin absolviert alle ihre Kraftübungen ohne Murren.

Mit dem Krafttraining begann die Buchserin vor sechzehn Jahren, als ihre Ärztin bei ihr Osteoporose diagnostizierte. Zusammen mit zwei gleichaltrigen Frauen nimmt sie seither jeden Donnerstag am Krafttraining von Physiotherapeutin Astrid Blümel teil. Unter den wachsamen Augen einer professionellen Therapeutin fühlt sich die rüstige Seniorin sicher, alleine würde sie die Körperübungen nicht ausführen.

«Schön mit Muskeln verpackt»

Auch nach sechzehn Jahren ist sie das Spiel mit den Muskeln nicht leid: Das Aufstehen am Morgen des Trainingstages fällt ihr leicht, sie sei sowieso schon immer ein Morgenmensch gewesen, wie Margrit Gabathuler im Gespräch mit dem W&O verrät. Ganz nach der Devise «Nach dem Training ist vor dem Training» endet für sie das Fitnessprogramm nicht mit dem Verlassen des Kraftraumes. Der Sport hat auch Einzug in ihren Alltag gefunden.

Machbare Distanzen legt die gebürtige Wartauerin mit dem Velo oder zu Fuss zurück, einen Führerschein hatte sie nie. Dank des jahrelangen Trainings schreckt Margrit Gabathuler auch vor längeren Wanderungen oder einem Tag auf der Skipiste nicht zurück. «Ich bin so schön mit Muskeln verpackt, dass macht mir nichts aus», bemerkt sie lachend. Das Muskeltraining fördert nicht nur die punktuelle Belastbarkeit des Körpers, sondern verringert auch die Folgen des Kraftaufwandes, wie die Rentnerin erzählt: Selbst nach einem zweistündigen Marsch an einem Steilhang hatte sie am nächsten Tag keinen Muskelkater.

Fit wie ein Turnschuh

Mit ihrer Fitness macht sie der jüngeren Generation Konkurrenz: «Mein Enkel hatte mir gegenüber beim Skifahren das Nachsehen, ich konnte länger in der Hocke bleiben als er», erinnert sie sich schmunzelnd. Bewegt man sich auch im Alter noch regelmässig, steigert man die eigene Lebensqualität. Der Erfolg lässt sich schon an den kleinen Dingen im Alltag messen, wie dem Treppensteigen. Sportphysiotherapeutin Astrid Blümel erklärt: «Es muss nicht unbedingt Krafttraining sein, entscheidend ist die regelmässige Bewegung.»

Sie animiert den Herzkreislauf und verbessert das Gleichgewicht. Margrit Gabathuler konnte durch das jahrelange Training ihre Osteoporose-Werte stark verbessern, und hat neben dem medizinischen noch andere positive Effekte: Die Grundfitness komme ihr auch bei der Gartenarbeit und beim Putzen zugute.

Exotin im Freundeskreis

Trotz all der positiven Aspekten und ihrer guten Erfahrung bleibt die muntere Rentnerin mit ihrem Hobby im Freundeskreis eine Exotin. Eine Freundin, die Margrit Gabathuler einmal mit ins Krafttraining genommen hat, musste wegen ihres Rheumas wieder aufhören. Und was sagt der Ehemann? «Er findet manchmal, dass ich zu schnell laufe», so die Seniorin verschmitzt.