Kurze Wege und frische Ware

Bauernfamilien reagieren teils mit betriebsinternen Veränderungen auf das unsichere wirtschaftliche Umfeld und bauen neue Betriebszweige auf: Zum Beispiel die Direktvermarktung der eigenen Produkte. Hier in der Region ist sie im Aufwind.

Corinne Hanselmann
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Wie Produkte in einem Laden optimal präsentiert werden, lernten die Direktvermarkter an einem Treffen des Arbeitskreises am LZSG. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Wie Produkte in einem Laden optimal präsentiert werden, lernten die Direktvermarkter an einem Treffen des Arbeitskreises am LZSG. (Bilder: Corinne Hanselmann)

REGION. Alpkäse, Bienenhonig, Teekräuter, Würste, Eier, Brände, Wein, Sirup, Konfitüren, Essig, Öl, Brote, Kuchen, Früchte, Gemüse… die Liste der Produkte, die Werdenberger und Obertoggenburger Landwirtschaftsbetriebe selbst vermarkten und verkaufen, ist lang. «Neue Betriebszweige werden in einer Zeit mit ungewissem wirtschaftlichem Umfeld immer wichtiger», erklärt Ursula Gubser, bäuerlich-hauswirtschaftliche Beraterin im Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen in Salez (LZSG). «Die Direktvermarktung ist eine mögliche Variante», so Gubser.

Unterstützung durch das LZSG

Auch der Konsument hat Vorteile: Er weiss über die Herkunft seines Produktes Bescheid, vermeidet lange Transportwege, hat ein saisonales und frisches Angebot, persönlichen Kontakt zum Produzenten und fördert ganz nebenbei die lokale Wertschöpfung.

Ob der Betrieb ein eigenes «Hof-Lädeli» betreibt, seine Produkte im Laden eines anderen Landwirts, auf Märkten oder den lokalen Detailhändlern verkauft, ist von den Umständen, der vorhandenen Arbeitskapazität und der Infrastruktur abhängig.

Unterstützung in Form von Beratung und regelmässigem Erfahrungsaustausch bietet das LZSG. Seit zwei Jahren gibt es den Arbeitskreis für Direktvermarktung – Ursula Gubser leitet ihn. «Berufskolleginnen und -kollegen mit denselben Interessen treffen sich viermal jährlich auf verschiedenen Betrieben und tauschen sich zu aktuellen Themen aus der Praxis aus, bearbeiten Fallbeispiele und machen Exkursionen.

Innovative Ideen sind gefragt

Nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf freundschaftlicher Ebene entstehen zwischen den Teilnehmenden neue Kontakte. «Sie können voneinander profitieren und es entwickeln sich neue Ideen und Synergien für den eigenen Betrieb», erklärt Gubser die Vorzüge des Arbeitskreises. Innovative Ideen sind wichtig für die Zukunft vieler Betriebe.

Der Arbeitskreis Direktvermarktung bietet im Januar eine Exkursion in den Kanton Schaffhausen an. Dabei wird unter anderem ein Betrieb besucht, der ein «Gemüse-Abo» anbietet. Dieses Angebot, bei dem ein Landwirt seine Kunden in regelmässigen Abständen mit Kisten voll mit frischem Gemüse beliefert, ist in anderen Regionen der Schweiz seit Jahren gang und gäbe. Im Werdenberg ist es aber noch weitgehend unbekannt.

Ein möglicher Grund dafür sind die Märkte, bei denen ebenfalls wöchentlich oder monatlich Frisches und Einheimisches angeboten wird und die ausserdem das Dorfleben bereichern. Bereits länger und stärker verbreitet sind Hofläden oder Verkaufsstände am Strassenrand. Ebenfalls beliebt und seit vielen Jahren erfolgreich sind Geschenkkörbe, die aus regionalen Produkten zusammengestellt und vielerorts angeboten werden.

Gute Vorbereitung lohnt sich

Bevor Landwirte – oder besser gesagt Bäuerinnen, es sind nämlich oft die Frauen, die solche neuen Projekte anpacken – einen Direktvertrieb umsetzen, ist es wichtig, seriöse Vorabklärungen anzustellen und Ziele festzulegen. «Das lohnt sich», so Gubser, «denn die Realisierung braucht Zeit und Geduld.» Und nicht zuletzt Geld. Hinter der Idee sollte jedoch die ganze Familie stehen.

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