Kurz und bündig – Medaillen als Zeitdokumente

VADUZ. Was dem Twitter-Fan seine 140 Zeichen sind, das waren für Napoleon 40 mm grosse Medaillen. Auf diesen hat er seine zwanzigjährige ruhmreiche Geschichte verewigen lassen. Die 130 Medaillen sind bis 28. Juni im Liechtensteiner Landesmuseum zu sehen.

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Rainer Vollkommer, Norbert Bürzle, Lisa Zeitz und Johann Kräftner (von links) anlässlich der Vernissage. (Bild: Daniel Ospelt)

Rainer Vollkommer, Norbert Bürzle, Lisa Zeitz und Johann Kräftner (von links) anlässlich der Vernissage. (Bild: Daniel Ospelt)

VADUZ. Was dem Twitter-Fan seine 140 Zeichen sind, das waren für Napoleon 40 mm grosse Medaillen. Auf diesen hat er seine zwanzigjährige ruhmreiche Geschichte verewigen lassen. Die 130 Medaillen sind bis 28. Juni im Liechtensteiner Landesmuseum zu sehen.

«Die Ära Napoleons im Spiegel seiner Medaillen» heisst die neue Sonderausstellung. «Wir haben hier den einmaligen Versuch gewagt, die Geschichte Europas mit der Geschichte Liechtensteins zu verbinden», meinte der Direktor des Landesmuseums, Rainer Vollkommer. Er wies darauf hin, dass Napoleon im März 1815 von Elba nach Frankreich zurückkehrte und damals seine Herrschaft der 100 Tage begann, die dann aber am 18. Juni mit der Niederlage bei Waterloo endete.

Für Norbert Bürzle, Vizepräsident des Stiftungsrates des Landesmuseums, lässt die Ausstellung in eine «schicksalshafte Zeit für Europa und auch für das damals 5500 Einwohner umfassende Liechtenstein» eintauchen.

Auch der Direktor der Princely Collections Vaduz-Vienna, Johann Kräftner, betonte den geschichtlichen Aspekt der Ausstellung. «Mit Medaillen lassen sich historische Hintergründe vollständig dokumentieren», meinte er. Einig waren sich die Redner der Ausstellung, dass Napoleon ein grosser Förderer von Wissenschaft und Künsten war, aber auch ein grosser Plünderer.

Zeugen des Ruhms

Vor allem der Feldzug nach Ägypten im Jahr 1798 hatte es dem französischen Feldherrn und späteren Kaiser angetan. Dorthin hatte er auch eine Gruppe von Wissenschaftern mitgenommen, unter ihnen Dominique-Vivant Denon. Wie Lisa Zeitz, Chefredakteurin von «Weltkunst» und Autorin des Buches «Napoleons Medaillen» erläuterte, war Denon bei allen Feldzügen Napoleons auch als Sachverständiger bei der Beschlagnahme von Kunstgegenständen dabei. 1802 ernannte ihn Napoleon zum «Directeur général du Musée central des Arts», dem heutigen Louvre.

Von Denon stammte auch die Idee mit den Medaillen. Nach seiner Überzeugung waren Medaillen «die einzigen Zeugen des Ruhms, die alle Jahrhunderte überdauern». So liess Napoleon seine ruhmreiche Zeit von 1796 bis 1815 durch kunstvolle Bronzemedaillen dokumentieren.

Zum ersten Mal sind nun die wertvollen 130 kupfernen Kunstwerke in der Öffentlichkeit zu sehen. Möglich ist dies, da ein englischer Sammler alle zusammen in einer eigens gefertigten Lederschatulle erworben hatte. Eingebettet ist die Sammlung in Originaldokumente sowie Militaria aus der Fürstlichen Sammlung. Zu sehen sind unter anderem eine Taschenpistole aus Stahl und Nussholz aus dem Jahr 1800, ein Helm der Liechtensteiner Garde aus Leder mit Messingbeschlägen und Seide aus dem Jahr 1802 und die Taschenuhr eines Offiziers. Auf ihr sind französische und österreichische Truppen abgebildet, die gegeneinander kämpfen.

Der Liechtensteiner Diplomat

Deutlich wird durch diese Ausstellung aber auch das diplomatische Geschick von Fürst Johann I. von und zu Liechtenstein, der die Friedensverhandlungen mit Napoleon für Pressburg im Jahr 1805 führte, 1809 erneut einen Waffenstillstand aushandelte und daraufhin zum Oberbefehlshaber der österreichischen Armee ernannt wurde. Er war es auch, durch den Liechtenstein Mitglied des Rheinbundes und damit ein souveräner Staat wurde. (agr)