Krebs trifft auch die Nächsten

Sozialtipp

Brigitte Leuthold Kradolfer,
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Die Diagnose Krebs kommt meist unerwartet und löst bei den erkrankten Menschen und ihren Nächsten einen Schock, Betroffenheit und Sorgen aus. Den Angehörigen gehen viele Fragen durch den Kopf: Wie kann ich helfen? Wie kann ich, wie können wir die neue Situation bewältigen? Wie wird sich der Alltag in der Beziehung und in der Familie verändern? Verfüge ich über genügend Kraft? Wo bleibe ich mit meinen Bedürfnissen?

Die Angehörigen tragen viel dazu bei, um den aus den Fugen geratenen Alltag zu bewältigen. Sie nehmen Anteil und leisten Beistand, wenn es der erkrankten Person seelisch und körperlich schlecht geht. Sie organisieren Fahrten zu ärztlichen Besprechungen, Behandlungen und Kontrollen, sie übernehmen administrative Aufgaben, sie planen die Betreuung der Kinder und vieles mehr.

Angehörige stecken in einer Sandwichposition. Gegenüber der erkrankten Person geben sie sich oft stark und zuversichtlich und sprechen nicht über ihre eigenen Belastungen wie z. B. Überforderung, Verlustangst, Ungewissheit, finanzielle Sorgen. Untersuchungen belegen, dass Angehörige sich vielfach überfordern, was zu Schlafstörungen, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit und Schuldgefühlen führen kann. Um dem vorzubeugen, müssen sich Angehörige ihrer Mehrfachbelastung bewusst werden, Erschöpfungsanzeichen wahrnehmen und sich überlegen, was sie entlasten könnte.

Was brauchen Angehörige? Sie brauchen Menschen, die Ähnliches erlebt haben, um sich austauschen zu können und mit denen sie auch über ihre zwiespältigen Gefühle gegenüber der erkrankten Person sprechen können. Sie brauchen Menschen, die nachfragen, wie es ihnen geht. Sie brauchen freie Zeit und den Mut, auch Nein zu sagen und sie brauchen Informationen über die Krankheit sowie deren finanzielle, materielle und rechtliche Folgen.

Wie Angehörige ein klärendes Gespräch mit der erkrankten Person führen könnten, ist eine oft gehörte Frage in der Beratung. Angehörige möchten den Partner oder die Partnerin nicht noch zusätzlich belasten und erachten ihre Sorgen als weniger wichtig. Sie sind unsicher, ob und wie sie auch Tabuthemen ansprechen sollen. Kommt ein Dialog in Gang fördert dieser die Offenheit und das gegenseitige Vertrauen, die belastende Situation gemeinsam bewältigen zu können.

Beratungsstelle der Krebsliga kann helfen

Nicht immer kann oder will die erkrankte Person über ihre Krankheit und ihr seelisches Befinden sprechen. Dies gilt es, zu respektieren. In diesem Fall sollten sich Angehörige jemanden suchen, mit dem sie darüber sprechen können, was ihnen auf dem Herzen liegt. Dafür bietet sich auch die Beratungsstelle der Krebsliga Ostschweiz in Buchs an, welche für Menschen mit einer Krebserkrankung und deren Angehörige da ist.

Wer sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchte, kann bei der Beratungsstelle in Buchs ( www.krebsliga-ostschweiz.ch ) oder über www.krebsliga.ch die Broschüre «Krebs trifft auch die Nächsten» bestellen.

Brigitte Leuthold Kradolfer,

Sozialarbeiterin HF/Psycho- onkologische Beraterin SGPO, Beratungsstelle Buchs

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