Kopftuchverbot für die Kanti

Die Junge SVP will ihre Kopftuch-Initiative auf die Mittelschulen ausweiten. Die betroffenen Schulen reagieren gelassen: Die meisten haben zwar Erfahrung mit moslemischen Schülerinnen, das Kopftuch ist aber kein Problem.

Andri Rostetter
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Im Kanton St. Gallen ein seltenes Bild: Mittelschülerin mit Kopftuch. (Bild: getty/Thomas Köhler)

Im Kanton St. Gallen ein seltenes Bild: Mittelschülerin mit Kopftuch. (Bild: getty/Thomas Köhler)

Mike Egger lässt nicht locker. Nachdem der Präsident der Jungen SVP St. Gallen Anfang Juni seine Kopftuch-Initiative präsentiert hatte, musste er massive Kritik einstecken. Die Initiative sei «purer Rassismus», «religiöser Fanatismus» und «Zwängerei», wetterte die Linke. Auch Vertreter von Mitteparteien zeigten wenig Sympathien für das Vorhaben. Inzwischen haben Egger und seine Mitstreiter am Initiativtext gefeilt: Das Kopftuch-Verbot soll nicht auf die Volksschule beschränkt sein, sondern auch alle Mittelschulen des Kantons umfassen. «Die jungen Frauen sollen mit 18 Jahren selber entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen. Deshalb haben wir auch die Mittelschulen reingenommen», sagt Egger. Er wisse zwar, dass an den Mittelschulen etliche Jugendliche über 18 Jahre alt sind. Für diese würde das Kopftuchverbot aber ebenso gelten.

Debatte um kurze Röcke

Noch in Eggers dringlicher Motion von Anfang Juni war die Rede von «unziemlicher Bekleidung» – eine Formulierung, die eine hitzige Debatte über Hotpants, kurze Röcke und enge Jeans in Schulzimmern auslöste. Die Initiative soll sich nun auf das Kopftuch beschränken, andere Kleiderordnungen sind laut Egger nicht geplant. «Für uns ist klar, dass es um das Kopftuch und andere demonstrativ religiöse Kleidung gehen soll.» Offen sei indes, ob sich das Verbot auch auf andere Arten von Kopfbedeckungen erstrecken soll.

Die detaillierte Formulierung will Egger ohnehin Regierung und Parlament überlassen – aus einem einfachen Grund: Das Volksbegehren soll als Einheitsinitiative lanciert werden. So müssen die Initianten nur 4000 Unterschriften sammeln; für eine Gesetzesinitiative sind 6000 Unterschriften nötig, für eine Verfassungsinitiative sogar 8000. Der Nachteil der Einheitsinitiative: Sie gilt nur als «allgemeine Anregung» für den Kantonsrat und ist damit deutlich weniger verbindlich als eine Gesetzes- oder Verfassungsinitiative. Egger sieht darin kein Problem: «Wir wollen diese Initiative unbedingt zustande bringen, deshalb haben wir uns für diese Form entschieden.»

Gebet während Schulreise

Bei den Mittelschulen löst Eggers Ankündigung kaum mehr als ein Schulterzucken aus. Martin Gauer, Rektor der Kanti Wattwil, sagt: «Wir haben uns bis jetzt nicht mit dem Thema befasst, weil wir nie damit konfrontiert waren.» Die Kanti Sargans hatte bis jetzt immerhin eine Schülerin mit Kopftuch, wie Rektor Stephan Wurster sagt. «Diese hat sich aber gut integriert, Probleme gab es keine.» Auch als die Schülerin auf einer Schulreise eine Möglichkeit zum Beten gefordert habe, sei dies gewährleistet worden. «Wir folgen dem Ansatz der Integration. Und dieser funktioniert.»

Liberal, aber klare Regelung

Mehr Erfahrung mit moslemischen Schülerinnen hat Mathias Gabathuler, Rektor der Kantonsschule am Brühl in St. Gallen. «Wir haben viele Schüler mit Migrationshintergrund, darunter auch Moslems. Wir würden das Kopftuch akzeptieren. Aber bis jetzt hatten wir schlicht keine solche Situation.» Eine klare Haltung habe die Schule, was Sport, Schwimmen und Klassenlager betreffe. «Dort weichen wir nicht von unseren Vorgaben ab.» Zwar gebe es hin und wieder Fragen von besorgten Eltern, bis jetzt habe man aber immer einvernehmliche Lösungen gefunden.

Die Kanti Wil war in Sachen Kopftuch bisher nur ein einziges Mal gefordert. «Wir haben mit der Schülerin die Beweggründe für das Tragen des Kopftuches abgeklärt und individuelle Abmachungen getroffen bezüglich Sport, Schwimmen, Beten», sagt Rektorin Doris Dietler. «Es war uns wichtig festzustellen, dass sie das Kopftuch aus religiösen Gründen und freiwillig trägt.» Solche Fälle seien aber sehr selten. «Deshalb gibt es für mich keinerlei Anlass für ein Kopftuchverbot auf unserer Stufe.»

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