Kontrollen wegen Rinderseuche

Auf die Rindertuberkulose folgt die Angst vor dem boviden Herpesvirus IBR. Der Kanton St. Gallen hat deshalb die Alpfahrtsvorschriften 2015 angepasst. Die Änderung betrifft das Vieh, das im benachbarten Ausland gesömmert wird.

Michael Kohler
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Der Kanton wird im Ausland gesömmerte Tiere in diesem Jahr strenger kontrollieren. (Bild: Urs Jaudas)

Der Kanton wird im Ausland gesömmerte Tiere in diesem Jahr strenger kontrollieren. (Bild: Urs Jaudas)

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV atmet auf: Die im März durchgeführten Untersuchungen zur Rinderseuche IBR (Infektiöse bovine Rhinotracheitis) seien abgeschlossen, wie das Amt vergangene Woche verlauten liess. Bis auf wenige Tiere im Betrieb eines Importeurs seien sämtliche Testresultate der untersuchten Tiere negativ ausgefallen.

Anfang März musste die schweizweite Untersuchung zur Rinderseuche IBR auf 450 Tiere in 250 verschiedenen Tierhaltungen ausgeweitet werden. Grund dafür waren positiv getestete Rinder in einem St. Galler Betrieb, der im Dezember 2014 zwei Tiere mit dem Virus aus dem Tirol eingeführt hatte. Für kurze Zeit musste in betroffenen Kontaktbetrieben gar eine Sperre für den Tierverkehr ausgehängt werden. Dieser sei nun vorzeitig aufgehoben. «Die Schweiz bleibt weiterhin IBR-frei», schreibt das BLV in einer Medienmitteilung.

Vorschriften ergänzt

Dennoch hat das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen nun die Alpfahrtsvorschriften 2015 ergänzt. Demnach sollen alle im Ausland gesömmerten Tiere innerhalb von 14 Tagen nach der Rückkehr von der Alp mittels Blutproben auf IBR-Abwehrstoffe (Antikörper) untersucht werden. Gleich wie bei der Rindertuberkulose darf laut neuem Gesetz kein Tier verstellt werden, bis alle negativen Resultate vorliegen. Eine Massnahme, die das Veterinärwesen des Kantons St. Gallen auf Empfehlung des BLV in die Sömmerungsbestimmungen aufgenommen hat, wie Markus Fritsche, Kantonstierarzt und Leiter des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen im Kanton St. Gallen, auf Anfrage bestätigt. Weiterhin beobachte der Kanton die Lage im Vorarlberg und innerhalb der eigenen Grenzen. «Sollte sich die IBR-Lage verschlimmern, raten wir von der Sömmerung im Vorarlberg ab», so Fritsche. Ein Kanton könne indes keine Verbote für den grenzüberschreitenden Tierverkehr erlassen. «Das ist Sache des Bundes.»

Gesperrte Kontaktbetriebe

«Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen», sagt der Kantonstierarzt zu den jüngsten Ereignissen im Zusammenhang mit der Rinderseuche. Mittlerweile bestehe keine grosse Gefahr mehr. «Wir gehen davon aus, dass unsere Österreicher Veterinäramtskollegen die Kontaktbetriebe gesperrt und die Rinder, welche infiziert sein könnten, untersucht haben oder noch untersuchen», erklärt Fritsche. Ob weitere Fälle dazu kommen, wisse man nicht. «Gesperrte Betriebe dürfen ihre Tiere sicher nicht auf die Alpen bringen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.»

Anders bei der Rindertuberkulose, die dem Vorarlberg seit mehreren Jahren grosse Probleme bereitet. «Bei den Hirschen im Kloster- und Silbertal hat sich die Tuberkulosegefahr nicht entschärft. Auch vom Allgäu her droht die Gefahr, dass infizierte Hirsche nach Vorarlberg gelangen. Wir raten darum von der Sömmerung in den kritischen Tuberkulosegebieten ab.» Es sei also wichtig, sich über die Lage vor Ort bei den Alpbetreibern zu erkundigen und zu schauen, woher die Tiere stammen, mit denen man seine Rinder sömmern will.

Bereits in 27 Betrieben

In Österreich wurden nach dem Ausbruch der infektiösen bovinen Rhinotracheitis (IBR) im Dezember 2014 mittlerweile 8100 Rinder auf 637 Betrieben auf die Krankheit getestet. Bei 256 Tieren auf insgesamt 27 Betrieben fiel der Bluttest positiv aus, wie die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit mitteilt. Alle bisherigen positiven Fälle wurden auf den Ausbruchsbetrieb in Tirol sowie auf die mit diesem Betrieb im Zusammenhang stehenden Viehhändler zurückgeführt. Ähnlich wie in der Schweiz sind auch in Österreich die positiv getesteten Rinder der Schlachtung zuzuführen.

Ähnliches Szenario in Deutschland: Nach der Einschleppung des Rinderherpesvirus BHV1 aus Österreich in deutsche Mast- und Gemischtbetriebe sei aktuell nicht abzuschätzen, wie viele Betriebe tatsächlich betroffen sind. Die Zahl soll nach Einschätzungen der Behörden nicht auf einen dreistelligen Bereich ansteigen. Dabei waren fünf deutsche Bundesländer, unter ihnen auch das benachbarte Bayern, erst im vergangenen Dezember definitiv für IBR-frei erklärt worden.

In Deutschland wie der Schweiz wurden inzwischen bereits mehrere Schönheitswettbewerbe und Ausstellungen abgesagt. Unter anderem auch die Europaschau vom 19. April im Rahmen der Reinzuchtausstellung Thun, wie die Schweizer Bauernzeitung berichtet.

IBR bis 1993 ausgerottet

Die Krankheit IBR trat in der Schweiz erstmals 1977 massiv auf. «Ab 1983 lief ein Ausrottungsprogramm, das schliesslich nach zehn Jahren und mit enormen Kosten von 135 Millionen Franken zur Ausrottung der Krankheit in der Schweiz führte», informiert das Bundesamt für Veterinärwesen. Seither werden importierte Tiere und Rinder, die auf nationalen Ausstellungen mitmachen, sorgfältig begutachtet.

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