Kontinuität oder Neubeginn

«Die Weichen neu gestellt», Ausgabe vom 29. April

Otto Ackermann Profasonweg 7, Fontnas
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Ausführlich wurde in der letzten Samstagsausgabe über die ordentliche Mitgliederversammlung der Historisch-heimatkundlichen Vereinigung Werdenberg und die Diskussionen zur Weiterführung des Werdenberger Jahrbuchs berichtet. Da dort ich mehrfach erwähnt bin, möchte ich einige Details klarstellen.

Ich hatte an der Mitgliederversammlung 2016 beantragt, die Spannungen zwischen der Redaktion des WJB und dem Vorstand der HHVW mittels einer Mediation zu beseitigen; die Mitglieder haben meinen Antrag gutgeheissen. In der Folge habe ich Gespräche nach allen Seiten geführt mit dem Ergebnis, dass eine solche Meditation nicht gewünscht wurde. Selber bin ich im engeren Sinne nie als Mediator tätig gewesen.

Beim WJB sehe ich drei unterschiedliche Problemfelder: Zunächst muss durch die Kündigung des Vertrages mit der Buchsdruck eine neue Verlagsstruktur gesucht werden. Sodann ist die Finanzierung der umfangreichen Jahrbücher eine Belastung für den Verein; sie muss neu überdacht werden. Schliesslich ist nach der Kündigung von Hans Jakob Reich als Hauptredaktor und der ungeklärten Stellung der beiden anderen Redaktoren eine Reorganisation der Redaktion unvermeidlich.

Für die ersten beiden Punkte mag der Ausdruck Neubeginn zutreffen, nicht aber für eine neu bestellte Redaktion, denn Konzeption, Name und Reputation des WJB verpflichten zu einer gewissen Kontinuität in den Grundstrukturen. Dazu zähle ich die Konzentration auf ein Jahresthema, die Veröffentlichung vermischter Beiträge aus dem kulturellen Leben der Region; auch Chronik, Toten­tafel und Statistik machen das WJB zu einem wertvollen regionalen Nachschlagewerk. Unverzichtbar ist auch der hohe Anspruch auf sprachliche Sorgfalt, Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Quellenangaben, ein sorgfältiges Layout, eine ästhetische Erscheinung. Das alles (und einiges mehr) ist eigentlich nicht bestritten, verdient es aber, als gestalterische Leitlinien festgehalten zu werden gegen die Befürchtung, es handle sich um einen völligen Neubeginn und die Selbstständigkeit der Redaktion werde in Frage gestellt.

In den Diskussionen wurde immer die (von niemandem bestrittene) Qualität des WJB erwähnt – gemeint war allerdings die Quantität bzw. die Kritik an den immer umfangreicheren, unhandlichen und teureren Büchern. Unnötig umstritten ist nämlich der Umfang des WJB, weil er sich nach klaren Budgetvorgaben richten müsste. Seltsamerweise wurde auch ein Resultat der Mitgliederumfrage zum WJB völlig ausser Acht gelassen, dass nämlich zwei Drittel der Antwortenden der Umfrage zum WJB eine Beschränkung auf 200 Seiten wünschen!

Eine autonome (!) Arbeits­gruppe zur Weiterführung und Erneuerung des WJB sollte es auch den bisherigen Redaktoren ermöglichen, ihre Erfahrung einzubringen – ja, sie haben dazu meines Erachtens sogar eine innere Pflicht, dem übergeordneten Ziel, der Fortsetzung und grundsätzlichen Kontinuität des WJB, persönliche Belange und private Verletzungen unterzuordnen.

Der lange Applaus für Hans Jakob Reich sollte für ihn und die weiteren Redaktoren nicht nur als Zeichen der Wert­schätzung verstanden werden, sondern auch als Auftrag der Mitglieder der HHVW, jenseits von persönlichen Kränkungen mitzuarbeiten.

Otto Ackermann Profasonweg 7, Fontnas