Konflikte sind vorprogrammiert

Die Anzahl Biber im Werdenberg steigt. Noch ist genügend Lebensraum für die Nager vorhanden. Da dieser aber doch beschränkt ist, wird es in den nächsten Jahren vermutlich vermehrt zu Konflikten zwischen Biber und Mensch kommen.

Corinne Hanselmann
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Mit seiner «Bautätigkeit» fördert der Biber die Artenvielfalt: Durch das Fällen von Bäumen und das Stauen von Gewässern schafft er Lebensräume. (Bild: Reto Martin)

Mit seiner «Bautätigkeit» fördert der Biber die Artenvielfalt: Durch das Fällen von Bäumen und das Stauen von Gewässern schafft er Lebensräume. (Bild: Reto Martin)

REGION. Konflikte zwischen Menschen und Bibern entstehen dann, wenn wertvolle (Obst-)Bäume gefällt, Entwässerungsgräben von Landwirtschaftsfeldern gestaut oder durch das Graben von Höhlen Bauten in Gewässernähe beschädigt werden. Das können zum Beispiel Dämme oder Strassen sein.

Mit Gittern schützen

In Schaan und Triesen haben die Biber Löcher in Hochwasserschutzdämme gegraben und Sämmler gestaut, bis der Wasserspiegel auf Höhe des Auslaufs stieg. Das Wasser drohte die Bahnlinie zu überfluten, weshalb die Behörden etwas unternehmen mussten. Viele Dämme, auch in der Schweiz, wurden zu einer Zeit gebaut, als der Biber noch nicht wieder verbreitet war. Deshalb sind keine besonderen Schutzmassnahmen realisiert worden. In betroffenen Gebieten werden an kritischen Stellen immer öfter vorsorglich Gitter eingebaut, die es den Nagetieren verunmöglichen, an gefährlichen Stellen Höhlen zu bauen. Auch Bäume, «um die es schade wäre», können einfach und doch effizient geschützt werden: «Rund um den Stamm wird ein Drahtgeflecht angebracht, welches das Nagen am Holz verunmöglicht», so Wildhüter Silvan Eugster.

Langfristige Lösung anstreben

Der Biber ist in der Schweiz ein geschütztes Tier. Trotzdem darf er in Ausnahmefällen, wenn er Probleme macht, geschossen werden. «Dies soll aber nicht die Lösung sein», betont Eugster. «Fast immer können andere, langfristigere Lösungen für Konflikte gefunden werden als ein Abschuss.» Denn wenn das betroffene Gebiet an und für sich ein idealer Lebensraum ist, wird es früher oder später wieder von einem Biber in Beschlag genommen.

Eine langfristige Lösung könnten beispielsweise Massnahmen am Gewässer in Form einer Revitalisierung sein. Dabei werden einzelne Aspekte des durch Menschen verbauten Fliessgewässers wieder natürlicher gestaltet und bieten dem Biber eine gute Lebensgrundlage. Oft ist nämlich nicht das Nagetier selber das Problem, sondern es ist nur das Symptom einer Gewässerlandschaft, die von Menschenhand in enge Bahnen gedrängt wurde und zu wenig Raum hat. «Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich Betroffene frühzeitig an den zuständigen Wildhüter wenden», so Eugster.

Biber ist wertvoll für die Natur

«Er ist ein Baumeister der Natur», erklärt Eugster, der selber vom grossen Nagetier fasziniert ist. «Es gelingt ihm sehr gut, seinen Lebensraum so zu gestalten, wie er ihn wünscht.» Dabei fördert er die Artenvielfalt. Denn durch das Stauen von Gewässern und das Fällen von Bäumen schafft er Lebensraum für Fische, Vögel und Insekten. «Sofern genügend Flächen vorhanden sind, wo der Biber nicht stört, ist er auf jeden Fall sehr wertvoll für die Natur und die Biodiversität.» Ausserdem habe der Biber sehr viele Sympathisanten in der Bevölkerung. «Die Leute haben Freude an diesem Tier und interessieren sich sehr für seine Lebensweise», sagt Eugster.

Vor Feinden gut geschützt

Natürliche Feinde habe der Biber hier in der Region kaum. «Es kann sein, dass mal ein Jungbiber einem Fuchs oder Hund zum Opfer fällt», stellt er fest. «Grundsätzlich sind sie aber sehr gut geschützt, da sich die Eingänge ihrer Bauten meist unter Wasser befinden.» Als gute Schwimmer sind sie im Wasser ausserdem sehr flink unterwegs.

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