Köstliche Persiflagen und ätzende Satire über Himmel und Hölle

BUCHS. Im Kleintheater fabriggli gastierten Roswitha Dost und Bernd Rumpf vom Theater Klappsitz. Nein, Begeisterung beim Publikum: Fehlanzeige.

Pius Bamert
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Wer besitzt die Wahrheit? Darf man tolerant gegen Intoleranz sein? Roswitha Dost und Bernd Rumpf verunsicherten das Publikum. (Bild: pd)

Wer besitzt die Wahrheit? Darf man tolerant gegen Intoleranz sein? Roswitha Dost und Bernd Rumpf verunsicherten das Publikum. (Bild: pd)

BUCHS. Im Kleintheater fabriggli gastierten Roswitha Dost und Bernd Rumpf vom Theater Klappsitz. Nein, Begeisterung beim Publikum: Fehlanzeige. Dafür Entrüstung, nicht über die Aufführung, nicht über die Schauspieler, aber über die Einsichten der Erklärungen der Wahrheit aller Wahrheiten, die man so eigentlich nie wahrgenommen hat. Es war auch kein Kabarett, das die beiden boten, kein Theater und auch nicht einfach eine Aufführung. Bei einer knallharten Gerichtsverhandlung durften die Zuschauer dabei sein.

Die Rückkehr der Vorurteile

«Ich habe», so Bernd Rumpf «zufällig das Buch von Pierre Gripari, <Kleiner Idiotenführer durch die Hölle> entdeckt. Sofort wurde mir klar, den Stoff umzusetzen, auf die Bühne zu bringen, den Leuten aufzuzeigen, wie alte Vorurteile und Moralvorstellungen wieder zurückkehren.» Das Thema von Roswitha Dost und Bernd Rumpf, Fundamentalismus in Weltanschauung und Religion. Der rote Faden durch die Geschichten: Reporter berichtet aus dem Jenseits. Im Minutentakt schlüpfen die Schauspieler in zahlreiche ganz unterschiedliche Rollen und servieren köstliche Persiflagen und ätzende Satire auf die geistlichen wie auf die weltlichen Mandarine von heute. Verspottet werden die Missgriffe Gottes und die Moralvorstellungen der mannigfaltigen selbsternannten Vertreter Gottes und ihrer Schäfchen. Alle kriegen ihr Fett ab, die Christen, die Juden, die Moslems.

Ewige Verdammnis

Nein, heilig ist den Schauspielern nichts. Doch sie machen es sich nicht leicht. «Es fällt schwer, diese ganze Thematik in einer dem Theater gemässen Form (also unterhaltend) aufzugreifen, ohne in Belehrung (und somit wiederum in Sektierertum) zu verfallen. Es sei denn, dies gelingt in ironischer und satirischer Form, also spielerisch. Ebendieses wollen wir versuchen.» Der Versuch ist gelungen. Es treten auf: das Teufelchen, der wahrhaftige «Gott sei bei uns», Gott der Allmächtige himself (warum ist Gott eigentlich keine Frau?), der Papst mit seiner Mitra, Maria (die Jungfrau), und auf einem Stuhl sitzt der Prophet M…, etwas hinter ihm seine schwarz verschleierte Frau. «Sie muss nichts sagen, ich rede, ich bin ihr Mann.»

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