«Knacknüsse» auf dem Tisch

Alte Rebsorten genau bestimmen ist, wie ein Blick über die Schultern der Fachleute zeigte, nicht so einfach. Gemäss Barbara Oppliger kommen nach mehreren Bestimmungsrunden vermehrt «Knacknüsse» auf den Tisch.

Adi Lippuner
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Gertrud Burger, Pro Spezie Rara, Barbara Oppliger, wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Andreas Jung, Biologe und Ampelograph (von links), befassten sich in Frümsen eingehend mit einer zu bestimmenden Rebsorte. (Bild: Adi Lippuner)

Gertrud Burger, Pro Spezie Rara, Barbara Oppliger, wissenschaftliche Mitarbeiterin, und Andreas Jung, Biologe und Ampelograph (von links), befassten sich in Frümsen eingehend mit einer zu bestimmenden Rebsorte. (Bild: Adi Lippuner)

FRÜMSEN. Seit über 20 Jahren werden im Frümsner Sortengarten alte Rebsorten gehegt und gepflegt. Vor zwölf Jahren wurde mit der Bestimmung der Reben begonnen und diese Bestimmungstage haben inzwischen einen festen Platz in der Agenda. Dabei geht es darum, die Namen der Gewächse herauszufinden, respektive durch Fachleute bestimmen zu lassen.

Der aktuelle Bestimmungstag wurde am gestrigen Mittwoch mit dem Fachbereichsausflug der Abteilung genetische Ressourcen und Technologie des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), kombiniert. Leiter Markus Hardegger reiste gleich mit vier weiteren Mitarbeitenden von Bern nach Frümsen, um vor Ort persönlich zu erleben, wie bei den Bestimmungen vorgegangen wird.

Kulturelle Vielfalt erhalten

Der Projektverantwortliche Markus Hardegger – nicht verwandt mit dem Abteilungsleiter BLW – erläuterte dem Besuch aus Bern die Besonderheiten des Staatswingerts. «Wir wollten nicht nur Trauben produzieren, sondern auch einen Beitrag an den Erhalt der kulturellen Vielfalt der Reben leisten.» So sei der Sortengarten, welcher 135 der in der Schweiz bekannten 140 Rebensorten umfasst, entstanden. «Dank guter Vernetzung mit anderen Sortengärten und dem NAP-Projekt (Nationaler Aktionsplan) ist es möglich, auch anspruchsvolle Sortenbestimmungen vorzunehmen.»

Geht es um die Bestimmung alter Rebsorten, ist der aus Deutschland stammende Biologe und Ampelograph (Rebsortenkundiger) Andreas Jung eine wertvolle Stütze. Zusammen mit den beiden Rebschulspezialisten Martin Auer und Felix Indermaur, der Vertreterin von Pro Spezie Rara, Gertrud Burger, versuchten Barbara Oppliger, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Stellvertreterin des Projektverantwortlichen Markus Hardegger, mit den anstehenden «Knacknüssen» klarzukommen. «Zu Beginn er Bestimmungsrunden war dies noch viel einfacher. In der Zwischenzeit haben wir äusserst seltene Exemplare auf dem Tisch und es braucht viel Spürsinn und Fachwissen, um die Namen der Reben bestimmen zu können», so Barbara Oppliger.

Erfahrung und Fachliteratur

Bei der Bestimmungsarbeit stützen sich die Fachleute einerseits auf ihr persönliches Wissen und die langjährige Erfahrung, andererseits auf die vorhandene umfassende Fachliteratur ab. Dass dies aber zu neuen Knackpunkten werden kann, erläuterte Andreas Jung einleuchtend an einem Beispiel: «Wir haben hier vermutlich eine Marzemino auf dem Tisch, aber die Beschreibung der Fachliteratur stimmt nicht ganz mit unseren Beobachtungen überein.» Grundsätzlich werde sie als zwar alte italienische Sorte bezeichnet, «meine Recherchen haben allerdings ergeben, dass sie ursprünglich aus dem Land Serbien stammen könnte».

35 Proben, mehrheitlich blaue, aber auch ein Anteil weisser Trauben und die dazugehörenden Blätter warteten am Mittwoch bei der Phase fünf der Sortenbestimmung auf die Fachleute. Dabei wurden sowohl die Blätter und zwar ihre Form, die Blattzähne, der Stiel und die Blattunterseite genau unter die Lupe genommen. Bei den Trauben geht es um die Form der Beeren, deren Konsistenz, aber auch um den Geschmack.