Klimawandel fordert die Feuerwehr

Die weltweiten Megatrends und ihre Auswirkungen auf die Feuerwehr, was die GVA mit der Feuerwehr verbindet und was es braucht, um als Bobfahrer bei Olympia die Silbermedaille zu holen. Dies und mehr war am gestrigen Feuerwehrtag zu hören.

Hanspeter Thurnherr
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Angehörige der Feuerwehr verfolgen die Demonstration einer speziellen Pumpe. (Bilder: Hanspeter Thurnherr)

Angehörige der Feuerwehr verfolgen die Demonstration einer speziellen Pumpe. (Bilder: Hanspeter Thurnherr)

BUCHS. Im Zentrum des Feuerwehrtages stand das Referat von Alexander Ronacher von der Firma Rosenbauer aus Salzburg mit Schweizer Sitz in Oberglatt. Die Firma stellt Produkte im «abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz» her. Paradestück ist aktuell der «Panther», das gigantische Löschfahrzeug, das an der Wiga zum Zuschauermagnet geworden ist.

Welt und Feuerwehr im Wandel

«Die Welt befindet sich im Wandel. Die Megatrends dieses Wandels sind relevant für die Feuerwehr und haben direkte Auswirkungen auf sie», stellte Ronacher gleich von Anfang klar. Durch diese Trends werden sich die Gefahren und Brandlasten verändern. Die Überalterung unserer Gesellschaft werde das Nachwuchsproblem der Feuerwehr verschärfen. Weil in Zukunft immer mehr Menschen in Städten leben, werde das Einsatzgebiet der Feuerwehr stadtorientierter, mit Folgen wie beispielsweise durch den dichten Verkehr.

Die Klimaveränderung, deren Auswirkungen Ronacher detailliert erläuterte, werde die Feuerwehreinsätze verändern und erhöhen: Waldbrände, Jahrhunderthochwasser alle zehn Jahre. «Durch den Klimawandel werden im 2050 rund 900 Millionen Menschen umzusiedeln beginnen», prophezeite Ronacher. Dies habe Auswirkungen auf die sprachliche Dimension: «Die Feuerwehr wird in Quartieren Einsätze leisten müssen, in denen die Menschen kaum Deutsch sprechen», nannte er eine Konsequenz. «Durch die veränderte Energieversorgung können Stromausfälle zu einer Herausforderung werden, welche die Feuerwehr abdecken muss», nannte Alexander Ronacher ein weiteres Beispiel.

Seine Abteilung, die sich mit der Entwicklung zukunftsgerichteter Einsatzmittel für die Feuerwehr beschäftigt, setzt sich mit diesen Megatrends und ihren Konsequenzen auseinander.

Ausbildungszentrum im Bau

Zuvor hatte Renato Resegatti, Direktor der Gebäudeversicherungsanstalt GVA, dargelegt, welche Rolle die Anstalt im Zusammenhang mit der Feuerwehr spielt: als Beraterin, Koordinatorin und für die Qualitätssicherung, wobei sie neuerdings auch wieder systematisch Inspektionen durchführt. Ein wichtiger Teil ist die Ausbildung der Kader und Spezialisten. Aus dem Feuerwehrfonds zahlt die GVA jährlich 10 bis 15 Millionen Franken für Fahrzeuge, den Depotbau und die Löschwasserversorgung.

Der stellvertretende Feuerwehrinspektor Titus Mesmer freut sich, dass jetzt mit dem Bau des Feuerwehr-Ausbildungszentrums in Bernhardzell begonnen werden konnte. Im Kanton seien an 92 Kurstagen 1600 Teilnehmer im Kaderbereich ausgebildet worden, was 4500 Manntage entspreche. Auf gutem Weg sei die Harmonisierung des Kurswesens mit den Kantonen Thurgau und beide Appenzell.

Sämtliche Bobbahnen im Kopf

Spezialgast Beat Hefti, Olympia-Silbermedaillen-Gewinner in Sotschi, sagte im Gespräch mit Moderatorin Regula Späni, dass seine Mannschaft im Jahr vor Olympia rund 1000mal das Anschieben geübt habe. «Wir müssen so trainieren, dass wir in den fünf Startsekunden keinen Fehler machen. Dabei stützen sie sich nicht nur auf die Trainer ab, sondern verwenden auch technische Geräte wie zum Beispiel Beschleunigungsmesser. Um im Sommer die Fahrten ohne Bahn zu trainieren, habe er sämtliche Bobbahnen mit ihren 17 bis 19 Kurven im Kopf und übe so die bis zu 60 Lenkbewegungen pro Fahrt. Mit Silber in Sotschi habe er sein grosses Ziel erreicht. Dadurch sei er jetzt lockerer. «Alles, was jetzt noch kommt, ist eine riesige Zugabe.» Auch der Bobsport habe Nachwuchsprobleme, ergänzte Hefti.

Bobfahrer Beat Hefti testet einen Feuerwehrhelm – eher aber nicht für die nächste Bobfahrt.

Bobfahrer Beat Hefti testet einen Feuerwehrhelm – eher aber nicht für die nächste Bobfahrt.