«Kleiner» Chor zeigt wahre Grösse

Mit einem feinsinnigen Konzert hat der Kleine Sarganserchor samt Orchester in der Klosterkirche Pfäfers brilliert. In beeindruckender Harmonie erklang tief reflektiertes Gotteslob. Am nächsten Sonntag ist das Werk in Buchs erneut zu hören.

Reinhold Meier
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Bewegende Klangfülle: Der Kleine Sarganserchor begeistert im geistlichen Konzert. (Bild: Reinhold Meier)

Bewegende Klangfülle: Der Kleine Sarganserchor begeistert im geistlichen Konzert. (Bild: Reinhold Meier)

PFÄFERS/BUCHS. Als Höhepunkt der an Glanzpunkten wahrlich reichen Darbietung am Konzert in Pfäfers durfte die Intonation der Kantate 147 von Johann Sebastian Bach gelten. Dieses Werk bietet schon von seiner komplexen, abwechslungsreichen Anlage her eine Steilvorlage, alle Facetten von Chor, Solisten und Musikern auszureizen. Eine Aufgabe, der die rund 60 Aktiven unter der sensiblen und aufmerksamen Leitung von Josef Rüegg auf das Bewegendste gerecht wurden.

In wohldosierter und schwungvoller innerer Dynamik liess der Chor die erhebende Botschaft von der Heimsuchung Mariens leuchten. Namentlich die beiden umrahmenden Choräle «Herz und Mund muss Zeugnis geben» sowie «Wohl mir, dass ich Jesum habe» waren von einer ebenso rührenden wie mitreissenden Kraft, die die über 200 Gäste im Kirchenschiff spürbar in ihren Bann zogen. Die Solotrompete (Louis Eberle) untermalte dazu den festlichen Charakter mit präzisem und innigem Klang.

Empfindsam, ergreifend

Zwischen die beiden jubilierenden Chorpartien hatte Bach schon in der Leipziger Version von 1723 zwei Rezitative und zwei Arien gesetzt. Hier durften sich vier Vokalsolisten auszeichnen: Hans Willi (Tenor), Alfred Kesseli (Bass) sowie Cornelius Glaus (Altus) und Karin Kurath (Sopran). Sicher, ausdrucksstark und gerade auch in ihrer Verschiedenheit sich kongenial ergänzend liessen sie die erzählenden und die reflektierenden Momente der Mariengeschichte wahrhaft ergreifend nachempfinden. Dabei darf Kuraths Sopranstimme mit ihrem einzigartig warmen und gleichwohl strahlenden Klang eigens hervorgehoben werden.

Als Instrumentalsolisten zeichneten sich Rita Varch-Hidber an der Oboe d'amore sowie Martin Keller (Violine) aus. Dies alles allzeit präsent begleitet und bestens fundiert von dem gewohnt sicheren und einfühlsamen Ludwig Kohler an der Orgel. Das Ad-hoc-Orchester mit seinen zehn empfindsamen Streichern stand unter der gekonnten Leitung von Konzertmeister Martin Keller. Die Streicher durften im Schlusschoral mit sicherem, triolischem Schwung glänzen und die Stimmen zur Höchstleistung ermuntern. Langanhaltender und dankbarer Applaus des restlos begeisterten Publikums belohnte die überragende Darbietung.

Geheimnis der Erlösung

Eingangs hatte das gut 60köpfige Ensemble mit zwei gregorianischen Chorälen für die besinnliche Einstimmung gesorgt. Überaus fein erklangen die einstimmigen Melodien aus dem Off hinter dem Altarraum und liessen bereits von Anfang an die spirituelle Tiefe des Konzerts ahnen. Sodann erfolgte der Vortrag von Dietrich Buxtehudes «Magnificat» mit seinem grossen klanglichen Reichtum. Instrumentale Partien folgen in ausnehmend wachen Wechseln auf die ein-, zwei-, drei- oder fünfstimmigen Einsätze des Chores. Ein bewegendes Erlebnis.

Zum Ausgang ertönte Joseph Haydns Nikolaimesse. Dieses komplexe Werk folgt den Strukturelementen des christlichen Gottesdienstes mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und der Friedensbitte. Hier durften die Aktiven nochmals das ganze Spektrum ihres Könnens zeigen und das Auditorium ins Geheimnis der Erlösung mitnehmen. Virtuos wechselte man zwischen glorios-mitreissenden Partien wie beim Gloria, sensibel-tastenden Klängen wie in der andächtigen Stille zur Heiligkeit Gottes oder sicher-schreitenden Momenten wie dem Nachdenken des Heilswegs im Bekenntnis des Nizänums. Rhythmus und Klangtiefe waren so beeindruckend, dass man die Aktiven in einer ergreifenden inneren Bewegung eindringlich spürte.

Gelegenheit in Buchs

Interessierte haben die Gelegenheit, das bewegende Konzert nochmals zu erleben. Am kommenden Sonntag wird es in Buchs erneut aufgeführt. Beginn ist um 17 Uhr in der katholischen Kirche.