Klanghaus braucht «Spirit»

Nur gerade eine Dreiviertelstunde dauerte die Bürgerversammlung in Wildhaus-Alt St. Johann. Die Gemeinde ist in ruhigem Fahrwasser und bereit, dynamische Investitionen zu tätigen.

Armando Bianco
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WILDHAUS-ALT ST. JOHANN. Total 76 Stimmberechtigte sind an die 48 Minuten dauernde Bürgerversammlung der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann am Mittwochabend gekommen. In der Ära Rolf Züllig ist das wohl ein doppelter Minusrekord. Die Erklärung ist einfach: Es stand kein besonderes Traktandum auf dem Programm, zudem haben die Stimmberechtigten der Gemeinde (berechtigterweise) ein grosses Vertrauen in ihre Behörde. Mit einem humorvollen Seitenhieb an die Bergbahnen im obersten Toggenburg eröffnete der Gemeindepräsident die Versammlung, an welcher letztlich Bericht und Anträge des Rates zum Budget 2016 ohne Gegenstimmen angenommen wurde.

Kleine und grosse Projekte

Der Voranschlag 2016 budgetiert mit einem Aufwandüberschuss von 476 600 Franken und lässt sich laut Rolf Züllig «problemlos aus dem Eigenkapital decken». Dieses beträgt rund vier Millionen Franken, die absehbaren Aufwandüberschüsse in den kommenden Jahren deuten allerdings einen Rückgang des Eigenkapitals auf drei Millionen bis ins Jahr 2020 an. Deswegen sind die im Investitionsplan angekündigten (Gross-)Projekte aber nicht gefährdet, denn man strebt in Wildhaus-Alt St. Johann eine «vernünftige Dynamik in der gesamten Weiterentwicklung der Gemeinde an», hiess es am Mittwochabend.

Obwohl die künftigen Budgets vom Spardruck geprägt sein könnten, hat es nebst grossen Vorhaben auch Platz für «kleinere» Sachen. Dazu gehört zum Beispiel ein neuer Spielplatz in Wildhaus, der Ausbau des kürzlich eröffneten Kneippwegs und die Bekämpfung von Neophyten, den «Ausländern im Bereich Flora», so Rolf Züllig. Mit Blick auf das kommende Jahr wird beispielsweise auch das Sozialamt von 40 auf 60 Prozent, das Pensum des Schulleiters Stefan Gubler von 50 auf 60 Prozent aufgestockt.

Lob und Kritik

Erfreuliche Nachrichten gibt es von den Alters- und Pflegeheimen Horb und Bellevue. Das Jahr 2015 werde mit ziemlicher Sicherheit schwarze Zahlen schreiben, so Rolf Züllig. Dem fügte er an: «Doch noch wichtiger sind die Rückmeldungen der Bewohner, dass diese sich wohl fühlen. Das ist dem Einsatz aller Beteiligten zu verdanken», lobte er die Mitarbeiter an den Standorten in Alt St. Johann und Wildhaus. Vor allem die Liegenschaft Bellevue startete bekanntlich unter schwierigen Bedingungen.

Kritische Worte richtete der Gemeindepräsident an die Adresse der Vereinigung Pro Toggenburg, welche Interessen der Zweitwohnungsbesitzer vertritt. Diese würden mit falschen fiskalischen Zahlen hantieren und seien aktuell «kein Gesprächspartner auf Augenhöhe».

Wildhauser Thur bändigen

Eine der grossen Herausforderungen ist die Hochwassergefahr durch die Wildhauser Thur und den Nasenbach. Der Kanton habe eine Projektstudie als sehr positiv betrachtet. Wenn alle an einem Strick ziehen würden, also auch die Bevölkerung, könnte ein Sanierungsprojekt bereits im Jahr 2017 im Voranschlag enthalten sein, heisst es weiter.