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KINDERMEDIZIN: «Einzelne Chefarztlöhne sind zu hoch»

Um die Finanzen des Ostschweizer Kinderspitals steht es nicht zum Besten: Arno Noger, Präsident des Stiftungsrats, zum Kampf um faire Tarife, zu Änderungen am Neubau und zum Damoklesschwert, das über dem Kispi schwebt.
Regula Weik, Christoph Zweili
Arno Noger: «Es gibt seit Jahren keine kostendeckenden Tarife.» (Bild: Ralph Ribi)

Arno Noger: «Es gibt seit Jahren keine kostendeckenden Tarife.» (Bild: Ralph Ribi)

Regula Weik, Christoph Zweili

ostschweiz

@tagblatt.ch

Arno Noger, betreibt das Ostschweizer Kinderspital eine zu teure Medizin?

Sie ist teuer, das lässt sich nicht wegreden. Doch dafür gibt es Gründe. Die Betreuung kleiner Patienten ist in der Regel aufwendiger als jene für Erwachsene. Das beginnt bei ganz einfachen Dingen: Wenn ein Kind gebeten wird, sich auf eine Pritsche zu setzen, so will es das vielleicht nicht und braucht Zuspruch. Kinder kommen auch nicht alleine ins Spital. Sie werden von den Eltern begleitet; alle sind in die Gespräche einbezogen, so dass die Besprechungen in der Regel länger dauern.

Das Kinderspital hat massive­ ­Finanzprobleme. Für das laufende Jahr ist ein Fehlbetrag von über 12 Millionen Franken budgetiert.

Es gibt seit Jahren keine kostendeckenden Tarife. Sie wurden festgelegt im Wissen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht – trotz harter Verhandlungen. Hinzu kommt, dass das Kinderspital aufwendige Vorhalteleistungen erbringt und viele Spezialitäten abdecken muss. Die Fallzahlen sind teils gering, das schlägt auch auf die Kosten durch.

Sie müssen auf Patientenjagd gehen, um die Rechnung zu verbessern?

Wir können im Stiftungsgebiet nicht einfach Fälle generieren. Wir würden gerne ausserhalb aktiv werden, etwa in Vorarlberg. Wenn die dortigen Spitäler komplexe Fälle haben, die sie bei uns behandeln lassen wollen, müssen sie kostendeckende Tarife zahlen; das wiederum können sie sich nicht oft leisten.

Vorarlberg möchte Kinder in St. Gallen behandeln lassen?

Ja, einzelne Fälle behandeln wir schon hier. Unsere Ärzte kamen auch schon in Feldkirch zum Einsatz. Solange wir von den Stiftungsträgern – den Kantonen St. Gallen, Thurgau und beider Appenzell und dem Fürstentum Liechtenstein – Zusatzbeiträge erwarten, sind unsern auswärtigen Einsätzen aber sehr enge Grenzen gesetzt.

Wenn Sie die Träger vergraulen, steigen sie aus und das Kinderspital kann schliessen?

Mit der Trägerstrategie haben sich die Kantone verpflichtet, vorbehaltlich der Zustimmung der Parlamente ergänzende Beiträge zu leisten. Diese Regelung ist neu grundsätzlich unbefristet. Ein kleines Damoklesschwert also. Grundsätzlich wäre mir natürlich lieber, wir hätten höhere Tarife und eine korrekte Abgeltung und wären nicht auf zu­sätzliche Unterstützung der Träger angewiesen.

Weshalb machen Sie bei den Kassen nicht mehr Druck, damit Ihr Aufwand gerecht abgedeckt wird?

Wir haben die stationären Tarife der Krankenversicherer nicht akzeptiert. Der Kanton musste sie festsetzen. Eigentlich sind wir seit 2012 mehrheitlich in einem vertragslosen Zustand. Mit Tarifsuisse ist bis heute keine Einigung gelungen.

Wie lange haben Sie noch Schnauf? Wann müssen Sie auf Operationen verzichten?

Wir machen keine Sparmedizin. Wir machen auch künftig alles, was wir für nötig und sinnvoll erachten.

Sparen, indem Leistungen gestrichen werden, ist kein Thema?

Der Leistungsauftrag wird immer wieder mit den Trägern diskutiert und hinterfragt. Die Träger stehen hinter unserer Strategie. Wenn sie Leistungen auswärts einkaufen, wird die Zentrumsfunktion des Kinderspitals geschwächt.

Sie schreiben rote Zahlen und können den Fehlbetrag auf die Träger abwälzen. Eine komfortable ­Situation.

Diesen Vorwurf hören wir immer wieder. So einfach ist es nicht. Wir können den Trägern nicht einfach jedes Jahr die Rechnung präsentieren, und diese nicken sie ab. Das sind harte Verhandlungen. Aber es ist so: Wir hängen am Tropf der öffentlichen Hand.

Mit dem geplanten Neubau dürfte sich das Ganze verteuern?

Die Kosten werden steigen, und sie sind unbestritten hoch. Der Neubau kostet 187 Millionen, hinzu kommen rund 40 Millionen für die Ausstattung. Wir hatten ein Projekt für eine Erweiterung am heutigen Standort. Doch die Vorteile des Neubaus auf dem Areal des Kantonsspitals überwiegen. So können wir beispielsweise ein Mutter-Kind-Zentrum realisieren. Die Konkurrenz schläft nicht: Das Universitätskinderspital beider Basel hat bereits gebaut, Zürich wird mit seinem Neubau vor uns fertig. Das spüren wir auch bei der Suche von Spitzenleuten. Als wir die Stelle des Chefarzts Kinderchirurgie neu besetzen mussten, brauchten wir zwei Ausschreibungsrunden.

Wird der Neubau nochmals auf Sparpotenzial hin durchforstet?

Wir haben die Pläne in der Tat nochmals hinterfragt und werden den Notfall mit jenem des Kantonsspitals zusammenlegen. Es wird eine Anfahrt geben, betrieblich sind sie aber eigenständig. Und wir haben gegenüber den Trägern ein Versprechen abgegeben: Wir wollen bis zum Bezug des Neubaus die Eigenwirtschaftlichkeit deutlich erhöhen.

Dann lebten Sie bisher auf zu ­grossem Fuss?

Wir werden hart dafür arbeiten müssen. Aber wir wollen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Finanzlage leisten. Der Stiftungsrat – er ist 2014 neu aufgestellt worden – hat sogleich eine Planerfolgsrechnung gemacht, dabei wurde die ganze Dramatik der Finanzierung erst richtig klar. Das Gremium wurde auch deutlich verkleinert und entpolitisiert. Es gehören ihm heute keine Gesundheitsdirektoren mehr an.

Wie ist er heute zusammengesetzt?

Mit einem Kinderarzt, einer Unternehmerin, zwei Juristen, einem Spitaldirektor und einer Pflegefachfrau. Wir wollen ein möglich breites Know-how abdecken.

Weshalb wurde jetzt erst ein Darlehen für die Ausstattung beantragt und nicht bereits beim Baudarlehen? Diese Salamitaktik kam im St. Galler Kantonsparlament nicht gut an.

Vielleicht liess sich der damalige Stiftungsrat etwas zu stark vom Prinzip Hoffnung leiten. Heute ist klar, dass wir es nicht schaffen, die Mobilien und Geräte aus dem Betrieb zu finanzieren. Wir haben aufgrund unserer Finanzlage auch kaum eine Chance, das Geld auf dem freien Markt zu holen. Deshalb beschlossen wir, nochmals beim Kanton St. Gallen nachzufragen. Das Geld wurde uns nicht geschenkt, es ist ein Darlehen.

Bern und Luzern haben keine eigenständigen Kinderspitäler wie St. Gallen, Basel und Zürich. Geht es den Berner und Luzerner Kindern ­deswegen schlechter?

In Bern und Luzern sind die Kinderkliniken integriert in die grossen Spitäler. Wenn wir das Kinderspital ins Kantonsspital St. Gallen integrieren würden, würde dessen Rechnung merklich belastet. Das Kantonsspital würde damit schlecht fahren. Eine Integration heute wäre daher falsch.

Die Chefarztsaläre geben derzeit zu reden. Wie viel verdienen sie am Kinderspital?

Sie liegen deutlich unter 500000 Franken. Ich bin klar der Meinung, dass die andern Chefarztlöhne zu hoch angesetzt sind.

Tiefere Löhne, geringeres Prestige?

Ich habe noch nie gehört, dass unsere Kinderärzte weniger gelten als andere Spezialärzte. Die öffentliche Anerkennung der Kindermedizin ist allgemein hoch.

Im Kanton St. Gallen gibt es acht Spitäler für Erwachsene. Aber es gibt nur ein Kinderspital mit einem Einzugsgebiet von Poschiavo bis Schaffhausen. Ein Missverhältnis?

So absolut stimmt dies nicht. Es gibt an mehreren Spitälern in der Ostschweiz kleinere Kinderkliniken. Ein Beispiel ist die Klinik am Spital Chur – sie ist eine nicht unbedeutende Mitbewerberin auf dem Markt.

Wie sehr achten Sie selber auf Ihre Gesundheit?

Ich achte auf ein gutes Mass an Sport, Essen und Trinken. Und ich habe das Glück, dass mir meine Arbeit Freude ­bereitet.

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