Kinderarztpraxis am Limit

Die Kinderarztpraxis stösst an ihre Kapazitätsgrenze. Neue Patienten können nur noch aus der Region Werdenberg aufgenommen werden. Die Nachfrage wäre aber viel grösser.

Katharina Rutz
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Die Kinderarztpraxis Buchs kommt personell und räumlich an ihre Grenzen. Bild: Gaëten Bally/Keystone (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Die Kinderarztpraxis Buchs kommt personell und räumlich an ihre Grenzen. Bild: Gaëten Bally/Keystone (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Das Ostschweizer Kinderspital hat in Buchs per 1. Januar die Kinderarztpraxis von Dr. Urs Peter Suenderhauf übernommen (der Werdenberger & Obertoggenburger berichtete). «Vom ersten Tag an war die Nachfrage grösser, als wir erwartet haben und als wir mit den vorhandenen Ressourcen abdecken können», sagt Dr. Ivo Iglowstein, Leiter Netzwerk Pädiatrie am Ostschweizer Kinderspital. Ganz offensichtlich erfülle die Kinderarztpraxis in Buchs ein grosses Bedürfnis der Bevölkerung.

Drei Kinderärztinnen sind zurzeit in Buchs in Teilpensen beschäftigt. Zwei der Ärztinnen arbeiten auch noch am Ostschweizer Kinderspital. Bis Ende Juli hat der ehemalige Praxisinhaber Urs Peter Suenderhauf in einem Teilpensum weitergearbeitet. Nachdem er mehrere Jahre über das übliche Pensionierungsalter hinaus gearbeitet hat, ist er nun in den Ruhestand getreten. Ab Oktober konnte für acht Monate ein zusätzlicher Arzt zu 50% gewonnen werden, der diese Lücke über den Winter schliesst. «Die Rekrutierung von ausgebildeten Kinderärzten ist aber extrem herausfordernd. Für Frühsommer 2017 suchen wir noch eine Lösung», sagt Prof. Dr. Roger Lauener, Chefarzt Pädiatrie am Ostschweizer Kinderspital.

20 Prozent mehr Patienten

Mit dieser Lösung und dank der «hervorragenden Arbeit der beteiligten Ärztinnen und Ärzte» konnten laut Roger Lauener im ersten Halbjahr rund 20 Prozent mehr Patienten behandelt werden als in den Jahren davor. Wie viele Patienten dies in der Woche sind, sei saisonal unterschiedlich, «aber wir konnten die kinderärztliche Versorgung in der Region sichern, ja sogar noch ausbauen».

Diese Form der Kinderarztpraxis wurde als Pilotprojekt gestartet. «Die Organisation war zwar aufgrund der sehr grossen Nachfrage herausfordernd, hat sich aber sehr gut bewährt», so Lauener. Dennoch handelt es sich nach wie vor um ein Pilotprojekt. «Die abschliessenden Entscheide der Träger des Ostschweizer Kinderspitals, ob die Praxis so weitergeführt wird, sind noch nicht getroffen.»

Nur noch Neugeborene aufnehmen

Die grosse Nachfrage führt dazu, dass die Kinderarztpraxis Buchs nur noch eingeschränkt neue Patienten aufnehmen kann. So werden neu nur Neugeborene aus dem Wahlkreis Werdenberg aufgenommen. Ältere Kinder können nicht mehr aufgenommen werden. «Wir wollen unseren Patienten nicht nur für geplante Termine, wie zum Beispiel kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen, zur Verfügung stehen, sondern auch für sie Zeit haben, wenn sie plötzlich akut erkranken», sagt Ivo Iglowstein. «Nun betreuen wir mittlerweile so viele Kinder in unserer Praxis, dass dies im Winter, wenn viele Kinder an Infekten erkranken, aus Erfahrung sehr schwierig werden wird. Nachdem wir in den ersten sieben Monaten dieses Jahres zahlreiche Neugeborene aus unserer direkten Umgebung in der Region Buchs aufgenommen haben, wird dies im kommenden Winter sicher nochmals schwieriger.» Verschiedene Mütter aus der Region bestätigen gegenüber dem Werdenberger & Obertoggenburger, dass es bisweilen mühsam sei, einen Termin in der Kinderarztpraxis Buchs zu erhalten, selbst wenn man dort schon Patient sei.

Für Mütter aus dem oberen Toggenburg wäre Buchs die nächste Kinderarztpraxis. Sie haben in der Region kaum Alternativen. «Dies ist ein grosses Problem», sagt Marianne Schläpfer-Widmer von der Mütter- und Väterberatung Toggenburg. 3