Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Kieswerk-Abbruch und die Gelbbauchunke

Das Kieswerk an der Parallelstrasse zur Autobahn in Rüthi, das Sigmund Sieber in den 1950er-Jahren bebaut hat, wird abgebrochen. Damit verschwindet zwar ein Stück Rheintaler Industriegeschichte, stattdessen aber entstehen neue Biotope.
Kurt Latzer
An der Werkstrasse in Rüthi wird schon lange kein Kies mehr aufbereitet. Nun wird die Anlage aus den 1950er-Jahren abgebrochen. Auf dem Werksgelände sind in den vergangenen Jahren einige Biotope entstanden, weitere sollen entstehen. (Bild: Kurt Latzer)

An der Werkstrasse in Rüthi wird schon lange kein Kies mehr aufbereitet. Nun wird die Anlage aus den 1950er-Jahren abgebrochen. Auf dem Werksgelände sind in den vergangenen Jahren einige Biotope entstanden, weitere sollen entstehen. (Bild: Kurt Latzer)

Die Holzfassade ist teilweise bereits abgebrochen. Über die Bretter freut sich der Rheintaler Filmemacher Kuno Bont. Er nimmt sie für den Kulissenbau «seines» Freilichttheaters im kommenden Jahr. Hinter den Trägern des Stahlskeletts sind alte, teils verrostete Maschinen, Kies-Rüttler, Waschtrommeln und Förderbänder zu sehen. Getragen wird die Maschinenplattform von runden, etwa fünf Meter hohen Silos. Die stechen den Passanten wegen ihres Anstrichs ins Auge: grüne, spitzwinklige Dreiecke und ein Punkt auf silbergrauem Untergrund.

Nach dem Brückeneinsturz in Buchs war Schluss

«Die Bemalung symbolisiert Tannen. Damit hat mein Vater die Behörden etwas auf den Arm genommen», sagt Hansjörg Sieber, Mitinhaber der Sigmund Sieber AG. Beim Besuch des Kieswerkareals hat ihn seine Tochter Nadia begleitet, die mittlerweile die Geschäfte des Unternehmens führt. Der Gründer und Namensgeber der Diepoldsauer Firma geriet vor Jahren in die Schlagzeilen, weil er beim Rüthner Kieswerk Bäume gefällt hatte, die er nicht hätte umsägen dürfen. «Er hat mit dem Roden zu lange gewartet. Ohne sein Wissen galten die Bäume eines Tages als Wald», sagte Hansjörg Sieber, der sich im Unternehmen gerne als «bald-pensionierter Geschäftsleiter» bezeichnet.

Wie lange es dauert, bis von der Gerätschaft und den Silos nichts mehr zu sehen sein wird, weiss Sieber nicht. «Wir brechen mit den eigenen Leuten ab und haben dafür eigens einen Baukran gekauft», sagt Hansjörg Sieber. Seine Tochter ergänzt ihn und sagt: «Immer dann, wenn ein paar unserer Chauffeure nichts zu transportieren haben, brechen wir in Rüthi ein Stück ab.»

Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung

Sigmund Sieber hat das Kieswerk in den 1950er-Jahren als Ableger seines Werkes in Diepoldsau gebaut, um Kies direkt vom Rheinufer zu fördern. «Damals wurde blödsinnig viel Kies aus dem Rhein geholt, bis zum Einsturz der Rheinbrücke zwischen Buchs und Vaduz im Jahr 1970», sagt Hansjörg Sieber auf Anfrage gegenüber dem W&O. Der übertriebene Abbau und die damit verbundene Absenkung der Fluss-Sohle hat beim seinerzeitigen Hochwasser dazu geführt, dass Kies unter den Brücken-Fundamenten weggeschwemmt und flussabwärts transportiert wurde.

Nach diesem Zwischenfall wurde die Kies-Entnahme von den Behörden stark eingeschränkt und ist heute nur noch in der Rheinmündung erlaubt. Zugekauften Roh-Kies in Rüthi aufzuarbeiten, hat sich nicht mehr gelohnt. Das Rüthner Kieswerk ist nun schon seit vielen Jahren ausser Betrieb. Das gilt allerdings nur für die Anlagen, nicht für das grosse Areal. Es dient verschiedenen Firmen als Lagerplatz und der Menzi Muck AG als Bagger-Übungsgelände. Seit April 2014 liegt das Kieswerk Rüthi in der Industriezone. «Weil es in einem Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung liegt, gibt es allerdings Auflagen», sagt Hansjörg Sieber. Diese Vorschriften sind dem Diepoldsauer Unternehmen kein Dorn im Auge. Im Gegenteil. Hansjörg Sieber ist seit Jahren Vorstandsmitglied im Verein Balger Natur und leidenschaftlicher Freund von Amphibien. Stolz führt er in Rüthi durch das Kieswerk-Areal und präsentiert die Biotope, die in den letzten Jahren dort entstanden sind. Und die kleinen und grösseren Weiher sind etwas Besonderes. Sie trocknen zwischendurch immer wieder einmal aus und lassen die Fressfeinde von Amphibien wie Molch und Gelbbauchunke absterben.

Zur Überraschung zeigt sich ein solches schwarzes, mit gelben Flecken geschmücktes Tier. Denn eigentlich sollten die Gelbbauchunken in dieser Jahreszeit bereits einen Unterschlupf gefunden haben. Zu jedem Flecken auf seinem Platz weiss der Schmitter Bürger eine Geschichte zu erzählen. So auch jene, als er von einer Firma um Erlaubnis gefragt wurde, ob man auf dem Gelände vorübergehend nassen Kies lagern dürfe. «Die Arbeiter der Firma haben es gut gemeint und mit dem Material ein grosses Loch auf dem Kieswerkareal aufgefüllt. Nur war dieses Loch eines unserer Biotope», sagt Hansjörg Sieber. Zurück bei der Anlage zeigt der Diepoldsauer den Stollen, der unter der Autobahn hindurch führt. Den hat sein Vater bauen lassen, als die Rheintaler Schnellstrasse noch N13 genannt wurde. Durch den Stollen lief ein Förderband für den im Rhein geförderten Kies.

Bevor nun in den nächsten Wochen und Monaten die alten Maschinen und die Silos abgebrochen werden, lässt das Unternehmen einen Dokumentarfilm über das Rüthner Kieswerk, allenfalls auch ein Buch produzieren. «Den Auftrag haben wir Kuno Bont gegeben. Er war bereits hier in Rüthi und hat Aufnahmen gemacht», sagte Hansjörg Sieber.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.