Kelag geht in fremde Hände

Vier Schweizer Investoren übernehmen Teile der Kelag-Gruppe in Sennwald. 86 Mitarbeitende können bleiben, 44 erhalten die Kündigung. Der Standort Trübbach wird geschlossen.

Hanspeter Thurnherr
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Hauptsitz der Kelag-Gruppe im Sennwalder Industriegebiet bei der Autobahnausfahrt, die nun in grossen Teilen in die Auffanggesellschaft Kelag Systems AG überführt wird. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Hauptsitz der Kelag-Gruppe im Sennwalder Industriegebiet bei der Autobahnausfahrt, die nun in grossen Teilen in die Auffanggesellschaft Kelag Systems AG überführt wird. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

SENNWALD. Das zuständige Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat am 30. Dezember die Übernahme von Teilen der Kelag-Gruppe durch die vier Schweizer Privatinvestoren Hans Gattlen, Dieter Widmer, René J. Bär und Harry Houthuijse genehmigt, wie gestern die bisherigen Eigentümer an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz mitteilten. Die vier Investoren verfügten über eine langjährige Erfahrung in der Führung und Restrukturierung von Industriebetrieben, hiess es.

Die sich noch in Gründung befindende Auffanggesellschaft Kelag Systems AG wird ihre Aktivitäten in erster Linie auf die Bereiche Anlagen- und Blockbau, Rohrleitungsbau und Umwelttechnik in Sennwald konzentrieren. Deshalb wird der Standort Trübbach aufgegeben.

Firma war in Nachlassstundung

86 Mitarbeitende werden durch die neue Gesellschaft übernommen, 44 Mitarbeitende werden entlassen. Etwa ein Dutzend hat von sich aus gekündigt. Der Standort in Trübbach wird aufgegeben und die übernommene Geschäftstätigkeit des Bereichs Stahlwasserbau an den bisherigen zwei Standorten in Sennwald konzentriert.

Die Kelag-Gruppe befand sich seit Oktober des vergangenen Jahres in Nachlassstundung. Damals hoffte das Unternehmen noch, mit diesem Schritt Zeit zu gewinnen, um einen Engpass bei der Liquidität refinanzieren zu können. Dieser war entstanden, weil unter anderem viel Geld in der Vorfinanzierung von angefangenen Arbeiten und Werken gebunden war.

Noch im Herbst hatte die Firmenleitung gehofft, mit der Refinanzierung auch Raum für künftiges Wachstum und den weiteren Ausbau der industriellen Tätigkeit zu verschaffen. Dank hohem Auftragsbestand seien die eigenen Kapazitäten der Kelag-Gruppe bis Ende 2014 vollständig ausgelastet, Entlassungen seien nicht geplant, wurde damals kommuniziert.

Nun ist es anders gekommen. Die Liquiditätsprobleme seien nicht mehr zu lösen gewesen, hiess es gestern.

Im Ausland gescheitert

Als Grund wird das gescheiterte Ausland-Engagement in Grossbritannien und Deutschland genannt. Dadurch entstandene Rückzugskosten und mehrjährige Vorfinanzierungen durch den Eurozerfall belasteten die Liquidität. Zudem sind geplante Projekte durch die Nachlassstundung weggefallen. • DIE DRITTE