Keine Guezli für die Hunde

Im österreichischen Vorarlberg verteilen Briefträger neuerdings nicht nur Post, sondern auch Hundeguezli. In der Ostschweiz setzt man derweil auf Gespräche mit den Haltern.

Michel Burtscher
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Es ist eben doch kein Klischee, die Geschichte mit den Pöstlern, die öfters Probleme mit Hunden haben; von den Tieren eingeschüchtert, angegriffen und manchmal sogar gebissen werden. Die österreichische Post hat sich nun etwas Besonderes einfallen lassen, um beissfreudige Vierbeiner zu zähmen: Neuerdings verteilen die Pöstler nicht mehr nur die Post, sondern auch Hundeguezli. Im Jahr 2014 wurden 47 Pöstler von Hunden gebissen. Das seien zu viele, sagte sich die österreichische Post und startete die Leckerli-Aktion. Diese kommt bei den Vorarlberger Briefträgern an: Sie seien alle positiv gegenüber der Aktion eingestellt, sagt ein Pöstler gegenüber den «Vorarlberger Nachrichten». Bis zu zehn Tonnen Hundeguezli pro Jahr verteilen die Briefträger in Österreich.

Gespräch statt Kekse

Auch in der Ostschweiz werden Pöstler immer wieder von Hunden angegriffen und gebissen, wie Post-Mediensprecher Bernhard Bürki bestätigt. Im vergangenen Jahr wurden gemäss interner Statistik in der ganzen Schweiz 142 Unfälle in der Kategorie «Einwirkung von Tieren wie Hunden und Insekten» registriert. Von einem Problem mit aggressiven Hunden will Bürki aber nicht sprechen: «Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Unfälle machen Hundebisse nur einen sehr kleinen Teil aus.» Darum werden von der Schweizerischen Post bisher und auch in Zukunft keine Hundeguezli verteilt. «Jedenfalls nicht vom Unternehmen aus. Es mag aber vereinzelt Pöstler geben, die Guezli verteilen.» Der Umgang mit Hunden sei Teil der Grundausbildung jedes Briefträgers, sagt Bürki. Grundsätzlich setze man auf das Gespräch mit den Hundehaltern, wenn es Probleme mit aggressiven Tieren gebe. Meistens finde man dann eine Lösung.

Besser als Pfefferspray

In ganz extremen Fällen kann es vorkommen, dass die Post Briefe und Pakete nicht mehr zustellt und dem Hundehalter mitteilt, er müsse schauen, wie er zu seiner Post komme.

Es ist sowieso nicht klar, ob Guezli überhaupt etwas nützen gegen aggressive Hunde. «Ich bezweifle, dass das wirksam ist», sagt Erika Bolt vom Tierschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung. Ein aggressiver Hund lasse sich von einem solchen Geschenk wohl kaum beeinflussen. «Aber dem Tier ein Guezli zu geben, ist grundsätzlich sicher die bessere Taktik, als einen Pfefferspray einzusetzen», sagt sie. Lieber Zuckerbrot als Peitsche also. Und Erika Bolt gibt weiter zu bedenken, dass es vielleicht auch einige Hundebesitzer gibt, die es nicht gerne sehen, wenn Fremde ihren Vierbeiner füttern. Da müsse man vorsichtig sein.