Kein Entrinnen mehr möglich

Am Freitag fand in der Kanti Sargans die Premiere des kriminalistischen Meisterstücks «Und dann gab's keines mehr?» statt. Unter der einfallsreichen Regie von Elmar Brunner bot die Theatergruppe projekt K eine begeisternde Leistung.

Hans Hidber
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Das Schicksal nimmt seinen Lauf: Die Gäste, noch unwissentlich allesamt Todeskandidaten, treffen ein. (Bild: Hans Hidber)

Das Schicksal nimmt seinen Lauf: Die Gäste, noch unwissentlich allesamt Todeskandidaten, treffen ein. (Bild: Hans Hidber)

SARGANS. Die berühmte Krimiautorin Agatha Christie hat sonst generell ein ausgesprochenes Flair für Giftmorde (sie war in jungen Jahren in einer Apotheke tätig). Doch in diesem Stück beschränkt sie sich auf eine einzige Zyankalianwendung und greift ansonsten zu eher mechanischen Mitteln wie Strick, Pistole, Axt und weiteren wirksamen, ökologisch sauberen Mordinstrumenten – zum Glück mit wenigen Ausnahmen nicht direkt auf der Bühne zelebriert – sonst wäre es die erste und einzige Vorstellung geblieben.

Hochspannung bis am Schluss

Die kurze Zusammenfassung des raffinierten Krimistücks: Sieben Männer und Frauen unterschiedlicher Herkunft erhalten von einem ominösen Mr. Onym eine Einladung zu einem Weekend in seine luxuriöse Villa auf einer abgeschiedenen Insel. Empfangen werden sie von einem Butlerehepaar und einer Sekretärin, auf den gleichen Zeitpunkt vom ominösen und seine Abwesenheit entschuldigenden Gastgeber engagiert.

In einer unheimlichen CD-Botschaft werden alle zehn im Haus Anwesenden (zehn Negerlein) beschuldigt, den Tod einer oder mehrerer Personen auf dem Gewissen zu haben. Ein Entrinnen auf der sonst unbewohnten und kahlen Insel gibt's nicht, kein Boot, keine Fähre zum Festland, auch keine Telefonverbindung – das Natel war 1939 noch nicht erfunden.

Genial inszeniert und umgesetzt

Die Spannung steigert sich ins Unerträgliche, und jede(r) verdächtigt jede(n). Der Mörder oder die Mörderin muss jemand von ihnen sein, und die Auswahl wird nach jedem «Abgang» immer kleiner – bis zum Finale, das hier nicht verraten werden soll.

Als schon bald nach Spielbeginn unvermittelt eine Darstellerin zu Boden sinkt, glaubt man im Publikum vorerst, es müsse so sein. Denn bei den angesagten zehn Leichen in relativ kurzer Zeit musste man wohl früh damit anfangen. Doch es war nicht im Sinne des Drehbuches – Lampenfieber und Nervosität hatten den Kreislauf absacken lassen.

Nach einem kurzen Unterbruch ging die Handlung ohne weitere Zwischenfälle weiter, nachdem zuerst der gerissene Faden wieder gefunden werden musste.

Rollen auf den Leib geschrieben

Die Inszenierung trägt die unverkennbare Handschrift von Elmar Brunner. Trotz des eigentlich tragischen Inhalts kommt es immer wieder zu verhaltenen Lachern, wenn die so unterschiedlichen Charakterfiguren Sprüche von sich geben oder wenn zum Beispiel das erste Mordopfer (Zyankali) – das leere Glas lässt grüssen – die Hände zur schaurigen Dissonanz in den Klaviertasten verkrallt, langsam und gekonnt zu Boden gleitet. Der mit unbeweglicher Miene herumstelzende Butler, als hätte er mit dem Gilet gleich auch den Kleiderbügel angezogen (Ursin Holderegger), mit seiner etwas schnippischen, als Köchin und Hausangestellte engagierten Angetrauten (Samira Rupf); die Sekretärin und stellvertretende Gastgeberin Vera Claythorn (Vanessa Bärtsch); der schwerhörige und vertrottelte Ex-General Mackenzie (Lukas Furrer); der etwas ernst wirkende Psychiater Dr. Armstrong (Flavio Baumgartner); der lockere, eloquente Abenteurer Lombard (Lukas Ackermann); die arrogant-kühl agierende Ex-Staatsanwältin Wargrave (Angela Marjanovic); die angeblich frühere Polizeioffizierin Mary Ann Blore; die frömmlerische, sündengeile und bibelfeste Emily Brent (Céline Müller); die leicht überdrehte Tony Marston, zugleich erstes Mordopfer (Géraldine Rohrer) – sie alle verkörpern ihre Rollen glaubhaft und mit innerem Engagement. Die Premiere hat das Theaterpublikum voll begeistert; ein Stück, das man sich unbedingt ansehen sollte.

Weitere Aufführungen in der Aula der Kantonsschule: Mittwoch, 19. November, Freitag, 21. November, und Samstag, 22. November, jeweils um 20 Uhr.