Karfreitag ist das höchste Fest für alle christlichen Religionen

Wer hat sie überhaupt bemerkt? Die Sterbenden und Toten von Kiew und anderswo. Sie sind als Freiheitskämpfer, Soldaten und Polizisten genannt worden und starben unter und neben brennenden Autopneus und Tränengaswolken. Ganz kurz in den Abendnachrichten so vermeldet.

Paul Schawalder
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«Christus ist erstanden… der Herr, er lebt, der uns versöhnt…!»: Dafür braucht es oft mehr als nur die Tage zwischen Karfreitag und Ostern. (Bild: Paul Schawalder)

«Christus ist erstanden… der Herr, er lebt, der uns versöhnt…!»: Dafür braucht es oft mehr als nur die Tage zwischen Karfreitag und Ostern. (Bild: Paul Schawalder)

Wer hat sie überhaupt bemerkt? Die Sterbenden und Toten von Kiew und anderswo. Sie sind als Freiheitskämpfer, Soldaten und Polizisten genannt worden und starben unter und neben brennenden Autopneus und Tränengaswolken. Ganz kurz in den Abendnachrichten so vermeldet.

Nun sind sie tot, wie eben bemerkt. Doch wo «gehen» sie hin? Die vielen Toten des Bürgerkrieges in der Ukraine. Sie gehen dorthin, wo alle hingehen müssen. In einen Ort und Raum, wo am Ende der Glaube steht. Der Glaube, dass die toten Krieger aller Gruppierungen in der Erinnerung ihrer Bekannten oder in den Räumen geistiger und mystischer Existenzen weiter unter «uns» sind. So wird das brutale Sterben mit dem Tod als Folge in den Köpfen der überlebenden Mitmenschen nicht gar so schlimm sein, denken und sagen manche in anderen Köpfen.

Oder doch? In den Köpfen spielt sich doch genau das ab, was zuvor erlebt, gesehen, gelitten und geschrien wird. Als ob das die Verursacher der Kämpfe nicht schon wüssten, wird mit der Anzahl Toten gerechnet, wenn es darum geht, Strategien zu ändern. Doch sie kommen manchmal zu spät. Was soll's mit diesen Zahlen: «Dutzende Tote sind genug», lautet ein Schlagwort.

Die Arroganz der Entscheidungsträger schlägt bereits wieder durch: Wer definiert, wann Dutzende genug sein sollen? Also geht es um die Toten. Respektive um die Zahlen. Der Mensch mitten im Gewühl von Kampf und Chaos in den Reihen der kämpfenden Parteien – verhältnismässig nahe von «Olympia 2014» – wo die Freiheit und das Leben in Wohlergehen hoch geschätzt und hoch gelebt wurden. Und alle weiteren Toten in der ganzen christlichen Welt? Tausende sind es, denen dieses Schicksal widerfährt.

Karfreitag und Totensonntag erinnern an diese Toten. Vielleicht reicht in manchen Fällen ein ganzes Leben nicht aus, dass unmittelbar beteiligte Mitmenschen das Erlebte verarbeiten – und trotz aller österlicher Gedanken in Verzweiflung versinken. Doch: Auch diese Toten werden «auferstehen» – zuvor möglichst in Würde begraben, in schöner Erinnerung an die Zeit ohne Sorgen und Schmerzen weiterlebend. Eben dort, wo alle hingehen.

Karfreitag – und dann Ostern: Ein anderes Kapitel tut sich auf. Doch kann man das Geschehene in der Ukraine innert zweier, dreier Tage (in der christlichen Liturgie zwischen Karfreitag und Ostern) einfach vergessen? «Christus ist erstanden… der Herr, er lebt, der uns versöhnt…!» So schnell geht's wohl nicht!

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