KANTON ST.GALLEN: Das erste Mal mit einem Callboy

Ruth (Name der Redaktion bekannt) ist eine der Kundinnen von Callboy Viktor. Schon einige Male hat sie im Vorfeld über die Buchung eines Liebhabers nachgedacht, es sei aber leider ein Tabuthema. Sie bereut heute kein bisschen, den Schritt gemacht zu haben.

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Die Kundin traf Callboy Viktor an einer Erotikmesse. (Bild: Mengia Albertin)

Die Kundin traf Callboy Viktor an einer Erotikmesse. (Bild: Mengia Albertin)

Ruth (Name der Redaktion bekannt) ist eine der Kundinnen von Callboy Viktor. Schon einige Male hat sie im Vorfeld über die Buchung eines Liebhabers nachgedacht, es sei aber leider ein Tabuthema. Sie bereut heute kein bisschen, den Schritt gemacht zu haben. Schon zweimal traf sich Ruth mit Callboy Viktor. Der Grossteil ihrer Familie weiss Bescheid, vor den meisten ihrer Freundinnen lüge die 49-jährige Büroangestellte im Moment «soviel wie noch nie». Weil die Treffen ihren Preis haben, finden sie weniger statt, als sie es gerne hätte.

Wie kam es dazu, dass Sie sich einen Callboy bestellt haben?
Ruth: Ich war zum ersten Mal an einer Erotikmesse und da war ein Stand mit Callboys. Viktor kam direkt auf mich zu und es hat ­sofort gefunkt. Er war bodenständig und offen. Es war eine Vertrautheit da. Wir tauschten Nummern aus und ich meldete mich einen Monat später für einen Termin. Seit ich dreissig bin, bin ich single und habe schon darüber nachgedacht, mir einen Callboy zu bestellen, traute mich aber nicht.

Warum wählten Sie Viktor?
Er sieht ganz normal aus, hat aber viel Sex-Appeal. Jedoch nicht wie ein Sexpaket oder wie einer der Chippendales.

Wie war Ihr erstes Treffen mit ihm?
Vorher hatte ich noch nie einen One-Night-Stand. Somit hatte ich beides das erste Mal in der­selben Nacht. Ich buchte Viktor für die ganze Nacht. Erst gingen wir etwas trinken und er machte es mir wirklich leicht, war aufmerksam und vertraut. Nach dem Essen gingen wir zu mir und er meinte: «Du wirst am Morgen ­zufrieden sein.» Das war der Fall. Ich war in einem anderen Film, hatte kein Zeitgefühl und es ­fühlte sich unreal an. Wir tranken Kaffee am Morgen und machten einen Spaziergang. Er lässt es langsam ausklingen, das betont er auch im Voraus.

Man könnte denken, dass doch immer ein Mann für Sex zu finden ist. Warum also dafür bezahlen?
Ja, das ist vermutlich so (lacht). Aber sind wir mal ehrlich: Wir sind nicht so offen wie wir denken. Wenn wir jemanden direkt ansprechen und sagen, dass wir Lust auf Sex mit demjenigen haben, reagieren doch die meisten etwas schockiert. Ausserdem ist man dann schnell als Flittchen abgestempelt und es wird viel ­geredet. Es passt ausserdem einfach nicht zu mir, irgendeinen fremden Mann mit nach Hause zu nehmen. Dies ist ein Risiko und macht mir Angst.

Machen die Männer denn etwas falsch?
Es gibt tolle Männer, aber sie sind schwierig zu finden. Ich suche ausserdem keine Beziehung. Ansonsten sind Männer oftmals sehr plump à la «Ja komm, ich besorg es dir». Das stösst mich absolut ab.

Was unterscheidet einen Callboy von einem «normalen Mann»?
Ein Callboy gibt Leichtigkeit. Man trifft sich und redet nicht darüber, was vorher und nachher ist. Es gibt keinen Streit und Diskussionen. Keine Erwartungen und Verpflichtungen. Wichtig ist, was mir gefällt und gut tut. Habe ich einen Wunsch, versucht Viktor diesen zu erfüllen, wobei ich sagen muss, dass ich keine extremen Neigungen habe.

Kann es vorkommen, dass man sich in einen Callboy verliebt?
Bei mir wird das nicht passieren. Die Anziehung ist zwar stark und Viktor berührt mich auch emotional sehr, aber ich habe mich aufs Nicht-Verlieben eingestellt. Es ist eine distanzierte Nähe, die uns verbindet.

Ist das Bestellen eines Callboys ein Tabuthema?
Absolut. Eine Handvoll Leute wissen davon. Sonst sage ich einfach, ich hätte eine Bekanntschaft mit besonderen Vorzügen. Dass ich bezahle, verschweige ich. Wegen der Treffen hatte ich sogar schon einen grossen Streit mit meinem besten Freund. Es ist absurd: Wenn ein Mann sich eine Frau bestellt, ist dies «normal». Das Umgekehrte ist ein grösseres Tabu.

Hatten Sie jemals ein ­schlechtes Gefühl, weil Sie für Sex bezahlen?
Nein. Ich schaue schon auch darauf, dass der Callboy seinen Platz hat und verlange nichts, das er nicht möchte. Er versucht ­meine Wünsche zu erfüllen, aber es ist ganz wichtig, dass es uns beiden gefällt.

Finden Sie, dass Callboys ihren Körper verkaufen?
Viktor hat einen eigenen Platz in meinem Leben. Ich mag ihn als Mensch und als Mann und sehe ihn als gleichwertige Person.

Was ist, wenn Sie sich in jemanden verlieben?
Ich plane nichts, würde aber offen sein. Ganz sicher würde ich Viktor nicht sofort aufgeben. Im Moment passt es so, wie es ist. (mea)