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KANTON ST.: Köllikers Schulzeit

Gallen Sie flatterte unaufgefordert in den Briefkasten: die erste «Schulzeit». Eine kostspielige Werbebroschüre des St. Galler Bildungschefs, monieren Kritiker.

Ausgabe: Nr. 1. Umfang: 32 Seiten. Auflage: 250000 Exemplare. Verbreitung: Ganzer Kanton. «Haben Sie schon in Ihren Briefkasten geschaut und sich überlegt, was das kostet?» Die Reaktionen auf die erste kantonale Bildungszeitung «Schulzeit», die am Montag in die Haushaltungen verteilt wurde, liessen nicht lange auf sich warten. «Eine teure PR-Aktion unseres Bildungschefs!», ärgert sich ein Kritiker. «Und wer bezahlt es? Natürlich wir, die Steuerzahler.»

90000 Franken hat die erste Ausgabe von «Schulzeit» gekostet – «hauptsächlich über Inserate finanziert», wie Bildungschef Stefan Kölliker auf Anfrage erklärt. Der fehlende Betrag werde dem Kommunikationsbudget für den neuen Lehrplan Volksschule entnommen; «Schulzeit» widme sich diesem, damit werde eine «sonst erforderliche Informationsbroschüre überflüssig». Der neue Lehrplan Volksschule gilt für den ersten Kindergarten bis zur dritten Oberstufe. Er wird seit dem Start des neuen Schuljahres angewendet und ersetzte den bisherigen Lehrplan von 1997.

Den Steuerzahler koste die Zeitung somit «nichts Zusätzliches», so der Bildungschef. Noch ist offen, wie oft «Schulzeit» ­erscheinen wird. Das hänge von den aktuellen Themen wie von den Reaktionen auf die erste Ausgabe ab. «Es dürfte sich ein 1-Jahres-Rhythmus ergeben», sagt Kölliker. Eines ist für künftige Ausgaben klar: Die Inserateeinnahmen müssen die Kosten decken. «Sonst können wir das Blatt nicht aufrechterhalten. Es wird dafür keinen Budgetposten geben.»

Informieren oder werben in eigener Sache?

Wähnte sich Kölliker zu wenig gehört im Kanton? Oder was drängte ihn dazu, Herausgeber einer Zeitung zu werden? Sie hätten im Bildungsdepartement rein sachlich ihren Kommunikationsbedarf beurteilt und sich dabei auch von anderen Kantonen inspirieren lassen, so etwa von der Luzerner Bildungszeitung. Idee sei, sporadisch eine Plattform für Diskussionen über Schulthemen zu bieten. «Bildung ist ein Mega-thema in der Öffentlichkeit. Schulthemen berühren die Bevölkerung», so der Bildungschef. Ihm stehen in nächster Zeit einige gewichtige Abstimmungen ins Haus, etwa über den Medical Master, die IT-Offensive oder die Fachhochschule Ostschweiz. Ist die «Schulzeit» vor diesem Hintergrund nicht vor allem eine PR-Aktion in eigener Sache? Kölliker winkt ab: «Ich hätte sie dann wohl eher am Anfang meiner Amtszeit lancieren müssen.»

Auf die Frage, ob die Autorinnen und Autoren frei seien, die St. Galler Bildungspolitik auch kritisch zu durchleuchten, antwortet Kölliker: «Wir wählen Gefässe, die durchaus Kritik zulassen.» Also übt er keine Zensur aus? «Ich schrieb das Vorwort und las das Interview mit mir gegen.» Über die übrigen Artikel sei er informiert worden, «zensuriert» habe er sie aber nicht.

Regula Weik

regula.weik@tagblatt.ch

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