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KANTON ST.: Kinder ran an die Computer

Gallen Die wenigsten Ostschweizer Jugendlichen möchten später in die Informatik. Das zeigt eine Studie. Besorgt sind Wirtschaft und Politik deswegen nicht.
Katharina Brenner
Den Unternehmen fehlen IT-Spezialisten. Trotzdem interessieren sich nur wenige Ostschweizer Jugendliche für ein Informatikstudium. (Bild: Getty)

Den Unternehmen fehlen IT-Spezialisten. Trotzdem interessieren sich nur wenige Ostschweizer Jugendliche für ein Informatikstudium. (Bild: Getty)

Katharina Brenner

katharina.brenner@tagblatt.ch

Ostschweizer Jugendlichen ist eines besonders wichtig im Beruf: Spass. Das zeigt eine Studie der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG). Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) macht den 11- bis 16-Jährigen aus den Kantonen St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden demnach wenig Spass. Denn nur fünf Prozent der Befragten können sich vorstellen, später in diesem Bereich zu arbeiten (Ausgabe vom 8. Juni). Ist dieses Desinteresse ein Versäumnis der Politik? Der Chef des St. Galler Bildungsdepartements, Regierungsrat Stefan Kölliker, möchte sich zu dieser Frage nicht äussern. Ebenso wenig dazu, ob der Kanton inzwischen ausreichende Massnahmen ergriffen hat, um Jugendliche für Informatik und Technik zu begeistern. Er erachte es «nicht als sinnvoll», im Rahmen der Ausführungen zur Jugendstudie auf die IT-Bildungsoffensive einzugehen. Diese soll ab dem Schuljahr 2018/2019 greifen. Der Kredit in Millionenhöhe macht allerdings noch eine Volksabstimmung nötig.

Digitalisierung an Schulen fördern

Ziel der IT-Bildungsoffensive sind Massnahmen auf allen Schulstufen für die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Fraktionsübergreifend hatte der Kantonsrat eine Motion dafür eingereicht. Gefordert wurde die IT-Bildungsoffensive von der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK). «Wir haben der Universität St. Gallen eine Machbarkeitsstudie finanziert, um die Möglichkeit eines Informatikstudiengangs abzuklären», sagt Michael Götte, SVP-Fraktionspräsident im St. Galler Kantonsrat und Leiter kantonale Politik bei der IHK St. Gallen-Appenzell. Auf der politischen Ebene soll die IT-Bildungsoffensive in den Schulen für Veränderungen sorgen. Dass wenige Ostschweizer Jugendliche im IT-Bereich arbeiten möchten, kommt für Götte nicht überraschend. Die IHK habe bereits vor vier Jahren eine Umfrage unter Jugendlichen zu ihren Berufswünschen durchgeführt und festgestellt, dass es grosse Defizite im technischen Bereich gebe. «Wir sehen das auch beim Fachkräftemangel.» Die ICT-Branche sei für die Ostschweiz bedeutend, sagt Götte. Zürich sei Finanzplatz, die Ostschweiz setze auf Industrie und Technik. Die Zahlen zeigen allerdings, dass diese Kompetenzteilung nicht ganz so klar ist: Im Kanton Zürich allein arbeiten 67600 Personen im Informatikbereich. Sie machen einen Drittel aller ICT-Beschäftigten in der Schweiz aus. Es gibt also auch eine Binnenkonkurrenz.

In der Ostschweiz sind rund 2000 Betriebe im ICT-Bereich tätig. Daran hängen rund 15000 Arbeitsplätze. Götte sagt, er sei davon überzeugt, dass die IT-Bildungsoffensive zu Verbesserungen führe. Und nicht nur die Schulen seien angesprochen, sondern auch das Umfeld der Jugendlichen, die Eltern und Grosseltern. «Digitalisierung betrifft uns alle.» Kommen diese Einsichten im Kanton St. Gallen zu spät? «Sie kommen sicher nicht zu früh, aber noch ist es nicht zu spät.»

Kaum Kontakt mit Technik bis zur zweiten Oberstufe

Der Zeitpunkt ist auch laut Beat Ulrich, Leiter Standortförderung im Kanton St. Gallen, entscheidend. Und zwar der, an dem Jugendliche erstmals mit Informatik in Berührung kommen. «Wir müssen früher damit anfangen, Informatik und Coding an den Schulen zu unterrichten», sagt Ulrich. «Jugendliche treffen ihre Berufswahl in der zweiten Oberstufe. Bis dahin kommen sie kaum in Kontakt mit Informatik.» Sie nutzten zwar ihr Handy oder ein Tablet, würden aber nicht mit ersten Schritten in Programmierung und «den spannenden Möglichkeiten» vertraut gemacht. Informatik und Coding seien deshalb zentrale Themen, weil die Digitalisierung in allen Berufen und Lebensbereichen zunehme. Lehrplan 21 und die IT-Bildungsoffensive seien «Schritte in die richtige Richtung».

Erfreulich sei, dass es dank privater Initiativen Ferienkurse im Programmieren für Kinder gebe. Zudem möchten die Projekte «IT St. Gallen rockt!» und «TunOstschweiz» die ICT-Branche beim Nachwuchs beliebt machen. Hinter «IT St. Gallen rockt» steht die gemeinsame Standortförderung der Kantone St. Gallen, Thurgau und beider Appenzell. «TunOstschweiz» ist eine Erlebnisschau der IHK für technische und naturwissenschaftliche Berufe an der Offa. Wie Michael Götte beschränkt auch Beat Ulrich technisches Wissen nicht auf die junge Generation: «Wir müssen das Hintergrundverständnis, den geeigneten Umgang und die Ausbildung in diesem Bereich fördern – nicht nur bei den Kindern.»

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