KANTON ST.: Existenzgrundlage dank Sozialhilfe

Gallen Über 80 Prozent der Flüchtlinge und Asylbewerber im Kanton St. Gallen haben im Jahr 2016 Sozialhilfe bezogen. Auch sogenannte Einelternfamilien sind überdurchschnittlich auf Unterstützung angewiesen.

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Sogenannte Einelternfamilien profitieren von der wirtschaftlichen Sozialhilfe. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Sogenannte Einelternfamilien profitieren von der wirtschaftlichen Sozialhilfe. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Die kantonale Fachstelle für Statistik hat kürzlich den Analysebericht 2016 zu den bedarfsabhängigen Sozialleistungen publiziert. Im neuen Bericht werden Basiskennzahlen zur Sozialhilfe, Alimentenbevorschussung, Mutterschaftsbeiträgen oder auch Ergänzungsleistungen präsentiert. Im Jahr 2016 bezogen 2,2 Prozent der Kantonsbevölkerung Sozialhilfeleistungen der Gemeinden. Damit ist die Sozialhilfequote das vierte Jahr in Folge unverändert. Insgesamt wurden 2016 im Kanton St. Gallen 11 119 Personen mit Sozialhilfe der Gemeinden unterstützt. Im Kanton St. Gallen sind die Sozialhilfequoten der Gemeinden mit wachsender Besiedlungsdichte tendenziell höher. Überdurchschnittliche Sozialhilfequoten sind insbesondere bei Gemeinden mit Zentrumsfunktion festzustellen.

Die höchste Quote im Wahlkreis Werdenberg weist die Gemeinde Sevelen mit 2,2 Prozent auf, gefolgt von Buchs (2,1), Wartau (1,7), Grabs (1,0), Sennwald (0,7) und Gams (0,4). Im oberen Toggenburg findet man den höchsten Wert in Ebnat-Kappel (3,2 Prozent), gefolgt von Nesslau (2,6), Hemberg (1,4) und Wildhaus-Alt St. Johann (1,1). Die Sozialhilfequote der Zentrumsgemeinde Wattwil liegt bei 2,7 Prozent.

Ein Blick über die Region hinaus zeigt, dass beispielsweise im Sarganserland die Gemeinde Flums mit einer Sozialhilfequote von 1,9 Prozent Spitzenreiter ist. Kantonsweit die Gemeinden mit am wenigsten Bezüger sind ­Tübach und Untereggen mit 0,2 Prozent, die höchsten Werte findet man hingegen in St. Gallen (4,4), Rorschach (4,3) und Wil (4,2).

Statistisch auffällig sind auch die sogenannten Einelternfamilien, von denen im Kanton 1112 gezählt wurden. Diese erhielten 2016 wirtschaftliche Sozialhilfe der Gemeinde. Davon waren 1789 unterstützte Kinder betroffen. Gut jede beziehungsweise jeder dritte Sozialhilfe beziehende Alleinerziehende oder Alleinerziehender ist zumindest teilweise erwerbstätig. Das ist, verglichen mit allen übrigen Fällen, überdurchschnittlich. Jede fünfte unterstützte Einelternfamilie deckte im Jahr 2016 ihren gesamten Lebensbedarf ausschliesslich über die Sozialhilfe.

Grösster Teil der Asylbewerber bezieht Hilfe

Die Sozialhilfestatistik liefert mit dem Jahr 2016 erstmals auch interessante Resultate zur Sozialhilfe im Asylbereich. Im Kanton St. Gallen wurden 1450 Personen des Flüchtlingsbereichs mit finanzieller Sozialhilfe unterstützt. Das sind 82,8 Prozent der entsprechenden Bevölkerungsgruppe. Gegenüber 2013 ist die Sozialhilfequote im Flüchtlingsbereich um gut 16 Prozentpunkte gestiegen. Das bedeutet, dass es vielen der in den Jahren 2015 und 2016 in die Schweiz gekommenen Asylsuchenden in der Zeit seit dem positiven Asylentscheid beziehungsweise der Zubilligung einer vorläufigen Aufnahme noch nicht möglich gewesen ist, eine wirtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen.

Erstmals Zahlen gab es auch zur Sozialhilfe im Asylbereich. Insgesamt 3309 Personen des Asylbereichs erhielten 2016 Sozialhilfe. Das entspricht 88,3 Prozent der Bevölkerungsgruppe im Kanton mit Aufenthaltsstatus N oder einer vorläufigen Aufnahme mit weniger als sieben Jahren Aufenthalt. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist bei Asylsuchenden (N) nur bedingt möglich, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Sie unterliegen in den ersten drei Monaten nach Einreichen des Gesuchs einem Arbeitsverbot. Es besteht zudem ein Inländervorrang. (ab/pd)